Bamberg
Kommentar

So gehn' die Gauchos - ein Skandal, der keiner ist

Die Kritik am "Gaucho Dance" einiger deutscher Nationalspieler beim Fanfest in Berlin nimmt in einigen Medien schon fast skurrile Formen an. Es war keine Sternstunde des deutschen Fußballs, aber mehr auch nicht. Schon gar kein Skandal.
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Roman Weidenfeller, Shkodran Mustafi, Andre Schürrle, Miroslav Klose, Mario Götze und Toni Kroos machen den "Gaucho Dance". Foto: dpa
Roman Weidenfeller, Shkodran Mustafi, Andre Schürrle, Miroslav Klose, Mario Götze und Toni Kroos machen den "Gaucho Dance". Foto: dpa
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Just nachdem die deutsche Fußballnationalmannschaft den Gastgeber Brasilien im Halbfinale der Fußball-WM mit 7:1 fußballerisch nach allen Regeln der Kunst vorgeführt hatte, hat sich Bundestrainer Joachim Löw vor die Presse gestellt und gemahnt: "Man sollte das Ergebnis nicht zu hoch hängen. Wir wissen, dass Brasilien nicht seinen besten Tag hatte. Wir müssen Demut zeigen."

Demut zeigen - das können Journalisten nicht allzu gut: Nach der WM-Feier am Dienstag auf der Fanmeile in Berlin stürzten sich einige Vertreter der schreibenden Zunft geradezu auf das Ensemble um WM-Rekordtorschütze Miroslav Klose , das sich kurz zuvor mit dem "Gaucho Dance" einen kleinen Seitenhieb gegen den unterlegenen Finalgegner Argentinien erlaubt hatte.



Von einem "gigantischen Eigentor", "übler Persiflage" und "Verhöhnung", gar von einer "kriegergleichen Überhöhung des eigenen Selbst" war da zu lesen. Zugegeben, der "Gaucho Dance" mag wenig einfallsreich und albern gewesen sein. Es war keine Sternstunde des deutschen Fußballs, wie wir sie in den vergangenen Wochen zuhauf erlebt haben. Die Stimmung an der Fanmeile hätte nicht darunter gelitten, wenn sich Weidenfeller, Mustafi, Klose, Schürrle, Götze und Kroos diesen Auftritt geschenkt hätten. Das war es dann aber auch schon. Eine Schnapsidee, ein Dummer-Jungen-Streich, mehr nicht.

Die deutschen Nationalspieler sind nicht überheblich, nicht rassistisch. Sie sind lediglich glücklich, stolz und vielleicht auch etwas siegestrunken. Dass daraus schnell Übermut werden kann, weiß jeder, der schon einmal selbst auf dem Fußballplatz oder in der Fankurve gestanden hat (wo man übrigens tagtäglich deutlich Schlimmeres zu hören bekommt).

Die Spieler wollten mit den 400.000 Fans in Berlin ein großes Fest feiern, schließlich ist es ihnen gelungen, den WM-Pokal nach 24 Jahren endlich wieder nach Deutschland zu holen. Viele Nationalspieler waren beim letzten Triumph nicht mal geboren. Die überschwängliche Freude ist deshalb verständlich, die Schelte einiger Medien dagegen nicht. Aber an einer Siegesfeier voller Jubel und Freude immer noch etwas schlechtes zu finden - gar einen Skandal zu wittern - ist ja irgendwie auch typisch deutsch. Leider.




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