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Kommentar: Russland kennt keine Grenzen

Wenn Minister Gewalt beklatschen und der Staat sich am Doping beteiligt, dann ist Russland zu Recht kein Mitglied der internationalen Sportgemeinschaft.
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Vor dem Spiel ihrer Mannschaften lieferten sich russische und englische Hooligans Straßenschlachten in Marseille. Foto: Jean Christophe, afp
Vor dem Spiel ihrer Mannschaften lieferten sich russische und englische Hooligans Straßenschlachten in Marseille. Foto: Jean Christophe, afp
Europa ist gerade euphorisiert vom runden Leder. Die Welt freut sich auf die bevorstehende verbindende Strahlkraft der olympischen Ringe. Und gerade jetzt läuft es im Sport alles andere als rund: Hier bestimmen hasardierende Hooligans, dort systematisches Doping die Schlagzeilen. Hier wie dort betroffen: Russland.

Wer nach Ursachen für diese extremen Entwicklungen sucht, der erkennt schnell, dass Russland nicht nur betroffen, sondern dass der Staat beteiligt ist. Gewalt wird von der russischen Gesellschaft akzeptiert, von der Regierung nicht nur toleriert, sondern im Falle russischer Hooligans in Frankreich von Politikern sogar beklatscht.

Bei den gewaltbereiten russischen Fans sind es bisher noch Vermutungen, beim Doping gibt es Beweise: Die russische Regierung steuert diese Grenzüberschreitungen selbst. Dem für die russische Identität wichtigen internationalen sportlichen Erfolg ordnet - und hier liegt die Besonderheit - selbst der Staat vieles unter. Staatliche Stellen vernichten Dopingproben, verhindern Kontrollen. Um - beim Vergehen ertappt - sofort in die Opferrolle zu schlüpfen und mit dem Verweis auf andere schwarze Schafe vom eigenen Fehlverhalten abzulenken.

Russland weigert sich beharrlich, Verantwortung zu übernehmen. Weder nach außen, noch nach innen. Russland akzeptiert nach wie vor weder territoriale Grenzen noch internationale Regeln. Und ist mit diesem eigenen Wertefundament zu Recht kein anerkanntes Mitglied der internationalen Staatengemeinschaft.

Nun gab und gibt es tatsächlich Opfer auch dieses staatlich verordneten Dopings: Saubere Sportler in aller Welt, die in der Vergangenheit um einen sportlicher Erfolg gebracht wurden. Und jetzt auch die unbescholtenen russischen Athleten, die möglicherweise zu Unrecht von den olympischen Spielen ausgeschlossen werden. Die Sportfamilie sollte Gleiches nicht mit Ungleichem vergelten und redlichen russischen Sportlern die Chance geben, sich fair auf internationaler Ebene zu messen. Und damit für ihr Wertefundament werben.

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