Lehrermangel, Herausforderungen der Flüchtlingsbeschulung, Fragen der Digitalisierung und Inklusion, dazu der Fachkräftemangel, Bayerns berufliche Schulen müssen sich derzeit mit den unterschiedlichsten Problemstellungen auseinandersetzen.

Vor diesem Hintergrund kommen am 9. und 10. November über 500 Lehrkräfte von beruflichen Schulen zum 14. Berufsbildungskongress des Verbands der Lehrer an beruflichen Schulen in Bayern (vlb) in Bamberg zusammen.

Für Pankraz Männlein, den stellvertretenden vlb-Landesvorsitzenden, eine gute Gelegenheit auch gegenüber Vertretern von Kultusministerium, Kammern, Betrieben als den dualen Partnern und den Hochschulen unter dem Motto "Fachkräfte für morgen - Berufliche Schulen" zentrale Fragen der beruflichen Bildung zu thematisieren.

Zu diskutieren gibt es allein mit Blick auf den Lehrermangel und die Flüchtlingsbeschulung eine ganze Menge.

Zwar würden im bundesweiten Vergleich die beruflichen Schulen im Freistaat durchaus eine Spitzenposition einnehmen, erklärt Männlein im Vorfeld des Kongresses. Aber es gebe auch in Bayern noch Defizite. Da wäre zum Beispiel der Lehrermangel, besonders ausgeprägt u.a. in den Fachrichtungen Elektro-, Metall-, Bau- und Informationstechnik sowie in Agrarwirtschaft.

Hier müsse rasch gehandelt werden, um eine ausreichende Unterrichtsversorgung gewährleisten zu können.

Akademiker und Analphabeten

"Wir brauchen mehr Lehrer für eine Vielzahl zusätzlicher Aufgaben", so Männlein, selbst Leiter einer Berufsschule in Bamberg. Er verweist auf die Beschulung von Flüchtlingen. 80 Prozent der schulpflichtigen Flüchtlinge würden an Berufsschulen unterrichtet. Oft genug fänden sich da Akademiker und Analphabeten in einer Klasse. Die unterschiedliche Leistungsfähigkeit ist da besonders ausgeprägt. Eine pädagogische Herausforderung, die nur durch individuelle Förderung und verstärkten Einsatz von Lehrern bewältigt werden könne. Die Heterogenität der Schüler, dazu neue Herausforderungen im Verhaltensbereich, zwinge deshalb zum Nachdenken über kleinere Klassenstärken als die derzeit vorgegebenen.

Aktuell würden selbst bei einer Lehrerversorgung von 100 Prozent Unterrichtsausfälle schon dadurch entstehen, dass es immer wieder zu krankheits- oder fortbildungsbedingten Ausfällen komme, die nur mit Mühe kompensiert werden könnten. "Uns fehlt einfach eine integrierte Reserve an Lehrkräften", so Männlein. Oft könne der Unterrichtsbetrieb deshalb nur mithilfe von Überstunden aufrechterhalten werden.

Ausstattung und Digitalisierung

Flankiert werden müssten die verstärkten Bemühungen um mehr Lehrer durch eine entsprechende Sachausstattung, nicht zuletzt aufgrund der Herausforderungen in einer zusehends digitalen Welt.

Deshalb wollen sich die Kongressteilnehmer in Bamberg in verschiedenen Arbeitskreisen mit der Weiterentwicklung beruflicher Bildungsgänge, der Digitalisierung und darauf abgestimmte Lehr-Lernkonzepte sowie der Inklusion und Integration und der Internationalisierung der Arbeitswelt beschäftigen.

Ein weiterer Tagesordnungspunkt wird die Neuwahl der Verbandsspitze des vlb sein.