Strullendorf
Bargeld

Wie möchten Sie bezahlen?

Immer mehr Menschen zahlen immer häufiger mit App oder Karte. Gibt es bald kein Bargeld mehr? Achtklässler aus Strullendorf beleuchten das Thema genauer.
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Viele Leute bezahlen heute schon mit einer Handy-App oder mit einer Karte. Wie es die Schüler und Lehrer der Mittelschule Strullendorf machen, hat die KLasse 8a recherchiert. Illustration: Fotolia Diagramme und Recherche: Klasse 8a
Viele Leute bezahlen heute schon mit einer Handy-App oder mit einer Karte. Wie es die Schüler und Lehrer der Mittelschule Strullendorf machen, hat die KLasse 8a recherchiert. Illustration: Fotolia Diagramme und Recherche: Klasse 8a
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"Ein Wurstbrötchen bitte." Alexander sucht das Kleingeld im Geldbeutel - wie tausende Kinder und Jugendliche in Deutschland beim Pausenverkauf. Die gleiche Szene in Schweden: Die Schüler reichen die Karte. Was in Deutschland undenkbar ist, ist in Schweden heute bereits Realität.


WC-Nutzung mit Karte

Fast jeder zahlt fast alles mit App oder Karte. Selbst der Besuch einer öffentlichen Toilette kann bereits mit Karte bezahlt werden. Was uns Deutschen Sorge bereitet, ist weltweit auf dem Vormarsch: die Abschaffung des Bargeldes. In Schweden arbeiten fast 50 Prozent der Banken bargeldlos, die Anzahl der Bankautomaten wurde in den letzten Jahren um die Hälfte reduziert. Auch in Deutschland schließen immer mehr kleine Bankfilialen, Bankautomaten werden stillgelegt - unrentabel, die Personalkosten sind zu hoch.


"Bargeldlos ist sicherer"

"Man würde weniger Kassenkräfte brauchen", sagt Marco Erhardt, Einzelhandelskaufmann. Die Personalkosten sind auch in den übrigen EU-Ländern der Hauptgrund für die Abschaffung des Bargeldes.
Anders sieht das Sebastian Müller, Leiter Zahlungsverkehrsmanagement und Experte für Bargeld bei der VR Bank Bamberg: "Die Mitarbeiter hätten mehr Zeit für andere Tätigkeiten wie die Beratung." Für den Kunden hat das digitale Konto laut Müller viele Vorteile: Es gebe keine Überfälle mehr. Ein weiterer Vorteil sei, dass Geld nicht verloren gehen kann. Wenn man Bargeld verliert, ist es weg, verliert man die Karte, kann man sie sperren lassen, das Geld ist dann immer noch da.
Außerdem muss man die Karte nur dabeihaben und kann damit bezahlen. Bargeld muss man sich vorab besorgen. "Das Zahlen mit Karte ist zudem einfacher, da immer passend bezahlt werden kann", betont der Banker. Trotz dieser unbestrittenen Vorteile sind nach unserer Umfrage unter Schülern, Lehrern und Einwohnern von Strullendorf 94,1 Prozent gegen die Abschaffung des Bargeldes. "Ein Leberkäsbrötchen kostet eins achtzig - wenn davon noch die Gebühren abgehen, bleibt nicht mehr viel übrig": Diese Meinung teilt Metzgereifachverkäuferin Barbara Wagner aus Strullendorf mit vielen Geschäftsleuten. Auch Bäckereifachverkäuferin Anja Ley aus Hirschaid meint, dass die Einführung eines Terminals oder einer App für kleinere Geschäfte zu teuer sei. "In den letzten Jahren sind die Kosten allerdings erheblich gesunken", entgegnet Sebastian Müller. "Die Miete für ein Gerät beträgt im Monat rund 20 Euro, bei vielen Transaktionen und einem höheren Umsatz circa 30 bis 40 Euro." Und was kostet es den Kunden? "Die einzelne Zahlung mit der Karte kostet nichts, es müssen nur die normalen Kontoführungsgebühren bezahlt werden", erklärt Sebastian Müller von der VR Bank.
Trotz dieser Vorteile sieht ein Großteil der Verbraucher die Entwicklung weg vom Bargeld äußerst kritisch. Jeder Fünfte, den wir befragt haben, meinte, dass man bei Karten- oder App- Zahlung keinen Überblick über seine Ausgaben habe, so wie der Strullendorfer Einzelhandelskaufmann Marco Erhardt: "Ich bin gegen eine Abschaffung des Bargeldes, weil man dann sehr schnell den Überblick und den Bezug zum Geld verliert, es wird dann nicht mehr wertgeschätzt." Bargeldexperte Sebastian Müller hält dagegen, dass man auch heute seine Rechnungen kontrollieren müsse.


Kleingeld kann nerven

Das Gefühl, dass die Wertschätzung des Geldes verloren geht, könnte ein Grund dafür sein, warum in Deutschland so viele gegen die Abschaffung der Münzen und Scheine sind. Bargeld ist ein Kulturgut, finden immerhin knapp neun Prozent der von uns Befragten. Interessant: Die Jüngeren sind eher dafür, das Kleingeld abzuschaffen ("Kleingeld beult den Geldbeutel aus").
Die Diskussion ist in Deutschland sehr emotional; anders in Schweden: "Wir Schweden sind sehr IT-fixiert [...] und haben blindes Vertrauen in diese Technik", schreibt Viggo Lindgren, Sprecher des Bundesverbandes der Einzelhändler Schwedens. Dort werden kleine Geschäftsleute ihre Einnahmen kaum noch los. Banken weigern sich, dort Bargeld anzunehmen, um Kosten zu sparen.
Auch wenn in Deutschland die Zahlungen per App oder Karte zunehmen, es wird sicher noch Jahre dauern, bis das Bargeld verschwindet.


"Ich bin gegen die Abschaffung des Bargelds", sagt der SPD-Politiker Andreas Schwarz uns im Interview

Ob wir auch in Zukunft mit Scheinen und Münzen zahlen, entscheiden letztendlich die Politiker. Wir haben Andreas Schwarz, SPD-Bundestagsabgeordneter für die Region Bamberg, Forchheim und Coburg, zu diesem Thema interviewt.

Wie stehen Sie persönlich zur Abschaffung des Bargelds?
Andreas Schwarz: Ich bin nicht für die Abschaffung des Bargelds, aber für die Einführung einer Bargeldobergrenze. Ich denke an 5000 Euro. Dadurch könnte man die Kriminalität eindämmen und Steuerhinterziehung bekämpfen.
Wie steht die jetzige Regierung zur Abschaffung des Bargelds?
Derzeit würde es im Bundestag keine Mehrheit für die Abschaffung geben, denn alle demokratischen Parteien sind zwar für eine Bargeldobergrenze, aber gegen dessen Abschaffung.

Auch viele Bürger und Geschäftsleute sind gegen die Abschaffung. Wer ist denn überhaupt dafür?
Dafür sind die Kreditkarteninstitute, denn das ist ja ihr Geschäft. Die Finanzverwaltung ist für die Abschaffung, denn damit könnte man die Geldwäsche und Steuerhinterziehung verhindern und natürlich die Polizei, die die Geldströme verfolgen könnte.

Wäre es überhaupt möglich, das Bargeld per Gesetz abzuschaffen?
Theoretisch könnte ein Gesetz zur Abschaffung des Bargeldes beschlossen werden, nur wie gesagt, will dies zurzeit niemand in der Regierung. Außerdem würde dieses Gesetz bei einer Klage vor dem Bundesverfassungsgericht höchstwahrscheinlich einkassiert werden.


"Und wie sollen wir das Bezahlen lernen?" - eine Glosse!

Man stelle sich vor, das Bargeld würde abgeschafft. Wie könnten dann Kinder einkaufen? Lernt man nicht den Umgang mit Geld durch die Münzen und Scheine im Geldbeutel, den Kauf des Pausenbrötchens und das Einteilen dieser kleinen Ausgaben? Wie sollen Kinder ihr Pausenbrot kaufen- etwa mittels App? Auch wenn das in Schweden schon Alltag ist, für uns ist es noch unvorstellbar. Wie sieht es mit älteren Leuten aus oder Menschen, die weder Karte noch Smartphone besitzen - wie sollen die in Zukunft einkaufen? Und wie kann man dann Geld verschenken - per App?
Diese Glosse haben Kevin Renke und Gina Sangershausen aus der Klasse 8a der Mittelschule Strullendorf geschrieben.



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