Vor einigen Wochen landete die Schülerzeitung "Wallburg-Express" der Georg-Göpfert-Mittelschule Eltmann in Bayern ganz vorne und erhielt einen "Premium-Preis". Nicht genug damit: Nun wurde sie von einer Jury des Schülerzeitungswettbewerbs der Bundesländer auf den Olymp gehoben. Die Eltmanner gestalten "Deutschlands beste Schülerzeitung" in der Kategorie Mittelschule. Etwa 1900 Teilnehmer hatten sich hier beworben. Die Freude beim Redaktionsteam war natürlich riesig.

Der Wettbewerb wird seit 2004 unter dem Titel "kein Blatt vor dem Munde" von der Jugendpresse, den Ländern und der Kulturministerkonferenz empfohlen, wobei Hauptpartner der Bundesverband der Deutschen Zeitungsverleger ist. Bei der Siegerehrung sagte Schirmherr Bundesratspräsident Daniel Günther: "Schüler und Schülerinnen haben enorm viel zu sagen. Schülerzeitungen sind ihr Sprachrohr, egal, ob online oder gedruckt. Sie verkörpern Meinungs- und Pressefreiheit an Schulen und sind dadurch ein wichtiger Baustein in der demokratischen Meinungsbildung. Wir brauchen junge Menschen, die mit Informationen verantwortungsbewusst und kritisch umgehen. Und gerade deshalb brauchen wir Schülerzeitungen."

Für das Redaktionsteam des "Wallburg-Express" war diese Fahrt zur Preisverleihung nach Berlin ein besonderes Erlebnis. Christina aus Theinheim meinte: "Die Preisverleihung auf bequemen Stühlen im Bundesrat war schon außergewöhnlich. Das war ein Erlebnis, das man nie mehr vergisst." Emilia aus Eltmann wurde noch deutlicher. "Ich bekam richtig Herzflattern, als der Name unserer Zeitung aufgerufen wurde für unseren Auftritt auf der Bühne."

Dabei war es ja nicht das erste Mal, denn der "Wallburg-Express" ist inzwischen in Deutschland in aller Munde, zumal er seit Jahren immer wieder als beste Schülerzeitung in Bayern und sogar in Deutschland (Mittelschule) prämiiert wurde.

Der Beginn

Den "Wallburg-Express" gründete einst Lehrer Siegbert Mantel 1985 mit mehreren kleinen Ausgaben pro Jahr. Als Lehrer Richard Künzel 1997 an die Georg-Göpfert-Mittelschule versetzt wurde, kam der "Wallburg-Express" nach einer Pause in Fahrt. Der computerbegeisterte Richard Künzel, eigentlich studierter Gymnasiallehrer, hatte in der Computerbranche gearbeitet, in der er Programme auch für Lehrer aufbereitete und zuletzt als Marketingleiter wirkte. Zurück im Schuldienst ließ er seine Erkenntnisse aus der Öffentlichkeitsarbeit in die Schülerzeitung einfließen. Künzel steht hinter der Arbeitsgemeinschaft Schülerzeitung und hat ein Händchen für talentierte Schreiber. Er macht aus ihnen Zeitungsmacher.

Da ist der Rote Faden

"Natürlich stehe ich für die Organisation, sammle die Infos und halten den roten Leitfaden in der Hand", stapelt Richard Künzel doch etwas tief. Auf jeden Fall bekam der "Wallburg-Express" schon 2010 und 2011, 2015, 2017 und 2019 Auszeichnungen in Berlin. "Wenn wir in manchen Jahren nicht dabei waren, dann lag dies daran, dass man nach einem ersten Platz in Bayern immer ein Sabbatjahr einlegen und aussetzen muss." 2011 durften die Eltmanner zwei Tage an einem Wettbewerb des "Spiegel" in Hamburg teilnehmen. Heuer gab es als Premium-Preis einen "Digitalen Tag" mit Redakteuren der Süddeutschen Zeitung (SZ).

Schülerzeitungsmacher im Interview: Was motiviert die Redaktion?

Die Auszeichnung in Berlin ist eine besondere Anerkennung der Arbeit. Die Redakteurinnen kamen mit großer Begeisterung zurück an ihre Schule. Zum Interview bereit standen Christina aus Theinheim, Sophie aus Lußberg und Emilia aus Eltmann (alle Klasse 10 a).

Wie kamt ihr zu der Schülerzeitung?

Christina: Der "Wallburg-Express" war gerade knapp an Redakteuren und da hat unser Lehrer gefragt, ob wir nicht Interesse hätten. Nun bin ich schon seit dem sechsten Jahrgang dabei. Seit dem letzten Jahr sind im Team keine Jungen mehr und man kann von einer Frauen-Domäne sprechen.

Was reizt euch an der Aufgabe so?

Sophie: Bei uns herrscht eine gute Atmosphäre und da macht es Spaß, spannende Artikel zu schreiben. Solche befassten sich in letzter Zeit mit "Fairtrade und dem Pausenverkauf" oder auch mit den "Gefahren im Netz", auf die wir auch unsere Mitschüler hinweisen wollen. Es ist natürlich auch schön, wenn man ein gutes Feedback von den Lesern und Mitschülern bekommt.

Um eine solche 80-seitige Zeitung im Hochglanz zu fertigen, braucht es fast schon das Fachwissen eines Redakteurs und das Wissen um die Gestaltung am Computer. Wie muss man sich das vorstellen?

Emilia: Anfangs hat uns natürlich unser Lehrer sehr geholfen und auch das Programm dafür auf den Computer gespielt. Mittlerweile können wir selbst mit dem Programm umgehen und das bereitet uns großen Spaß.

Christina: Dabei gibt es zahlreiche Hilfen oder man kann für eine Fotostory auch einmal auf Vorlagen des letzten Jahres zurückgreifen und Sprechblasen ausfüllen.

Eure zwei Schulstunden reichen doch sicher nicht aus, um besondere Themen gut aufzubereiten, so schöne Foto-Stories in den Kasten zu bringen, Umfragen zu starten oder Interviews mit Lehrern, Schülern oder Fachleuten zu führen.

Christina: Natürlich erledigen wir auch zu Hause viele Dinge wie gerade Auswertungen. Das kommt immer auf die Motivation an. Dann ziehen wir unsere Arbeit auf einen Stick und bringen den in die Schule mit. Emilia ist unsere Fotografin und hat von der Seite schon viel Arbeit. Sie kümmert sich aber auch mit mir um das Layout.

Eine solche Zeitung wie der "Wallburg-Express" muss ja finanziert werden. Wie schafft ihr das?

Emilia: Natürlich müssen wir auch für die Werbeanzeigen sorgen und wir suchen dazu mögliche Partner auf oder versuchen den Kontakt über Email. Zum Glück haben wir auch viele Stammkunden, die gerne in unserer Zeitung inserieren.

Seht ihr in dieser Arbeit in der AG Schülerzeitung Vorteile für andere Fächer oder für eure Berufswahl?

Sophie: Mir half es auf jeden Fall in Deutsch, wo ich meine Note auf 2 verbessert habe. Aber man bekommt auch ein großes Allgemeinwissen, weil man sich immer mit neuen Themen beschäftigt und auch in der Schule immer auf dem neuesten Stand ist, wenn etwas passiert.

Christina: Zu Beginn habe ich Berichte nur immer wie allgemeine Erzählungen verfasst. Bei der Arbeit in der Zeitungsredaktion habe ich aber sehr schnell auch andere Stilrichtungen gelernt und diese eingesetzt. Das Interview führte Günther Geiling Emilia und Christina wollen nach der zehnten Klasse in die Fachoberschule gehen; Sophie hat einen Ausbildungsplatz bei einer großen Firma als Elektronikerin für Automatisierungstechnik bekommen. Und AG-Lehrer Richard Künzel wird wieder als Talentscout auftreten