Über 100 Jugendliche aus ganz Oberfranken kamen vor kurzem im Saal der Kronacher Sparkasse zusammen. Ihre Mission: Wertvolle Informationen rund um die neuen Medien sammeln, um ihren Mitschülern auch zukünftig als Medien-Experten kompetent zur Seite zu stehen.

Mit dabei waren auch über 50 Medienscouts des Frankenwald-Gymnasiums, des Kaspar-Zeuß-Gymnasiums, der Siegmund-Loewe-Realschule sowie der Gottfried-Neukam-Mittelschule.

Ermöglicht hatte die Veranstaltung die Opferhilfe Oberfranken (OHO) mit Vorsitzendem Alfons Hrubesch. Er begleitet mit seinem Team aus ehrenamtlichen Helfern seit einigen Jahren die Ausbildung von Medienscouts in Oberfranken.

Probleme ansprechen

Die von der OHO geschulten Medien-Experten sorgen an der Schule dafür, dass im Umgang mit den neuen Medien Unwissenheit und Schweigen potenziellen Tätern nicht länger in die Hände spielen. "Durch das Ansprechen von Problemen und möglichen Gefahren können viele Konflikte aus der Welt geschafft werden, bevor sie überhaupt entstehen", so Hrubesch.

Dass der Umgang mit dem Smartphone und dem Internet längst ein gesamtgesellschaftlicher Krisenherd ist, unterstrich der Weismainer Bauunternehmer Alois Dechant, der die Schirmherrschaft des Ausbildungstages in Kronach übernahm. "Nicht nur in meinem Unternehmen habe ich längst die Erfahrung gemacht, dass die heutige Jugend eigentlich viel besser ist, als sie in der Gesellschaft oft dargestellt wird", so Dechant.

Eindrücklich war der Vortrag von Alex Stern aus Nordrhein-Westfalen, der dem Betroffenenrat für Fragen des sexuellen Missbrauchs angehört. Er musste am eigenen Leib erfahren, welche verheerende Folgen Cyber-Mobbing nach sich ziehen kann. "Elf Prozent aller Jungen und 19 Prozent aller Mädchen haben schon einmal ein Nacktfoto von sich über soziale Medien verschickt. Was zunächst als ein Liebesbeweis für den Partner verstanden wird, kann ganz schnell zum Bumerang werden, wenn diese Fotos plötzlich für alle öffentlich zugänglich gemacht werden", erläuterte der Pädagogikstudent das Phänomen des sogenannten Sextings. "Macht euren Mitschülern die fatalen Folgen einer solchen unbedachten Tat deutlich", appellierte Stern.

Dass Medienerziehung auch eng mit dem Begriff der Medienkompetenz verbunden ist, machte Veit Schott aus Kronach deutlich.

Fake News erkennen

Der Beratungsrektor für Medienpädagogik und Informationstechnik entführte die Medienscouts in das "Reich der Fake News" und vermittelte anschaulich Strategien, wie man diese bewusst gestreuten Falschmeldungen entlarven kann. "Die Fragen ,Wer steckt hinter den Inhalten?' und ,Was möchte der Verfasser mit der sogenannten Nachricht bezwecken?' sind genauso wichtig wie das Vergleichen mit weiteren Quellen und die Recherche, ob die Fotos auch wirklich zum Text gehören", so der Lehrer der Kronacher Gottfried-Neukam-Mittelschule gegenüber den Medienscouts.