Bamberg
Filmprojekt

Schüler spüren der Reformation in Bamberg nach

500 Jahre Reformation: "Bamberg ist davon doch gar nicht betroffen! Oder doch?" Die Geschichts-AG des Dientzenhofer- Gymnasiums hat es herausgefunden.
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Max, Maxi und Lorenz (von rechts) sind in der Staatsbibliothek auf interessante Schriftstücke gestoßen. Foto: Michael Schuster
Max, Maxi und Lorenz (von rechts) sind in der Staatsbibliothek auf interessante Schriftstücke gestoßen. Foto: Michael Schuster
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Nachdem wir bereits zweimal in Folge zu den Themen "Bayern und Napoleon" (2016) sowie "Essen und Trinken in Bayern" (2017) den ersten Landespreis gewonnen hatten, wollten wir dieses Jahr das "Triple" perfekt machen. Dieses Mal ging es um das Thema "Bayern um 1500 - Zeit für Neues". Das Projekt, an dem wir ein dreiviertel Jahr gearbeitet haben, trägt nun auch seine Früchte. Mit unserem 16 Minuten langen Video https://youtu.be/oagMDNzDvWk, gefüllt mit Interviews von Spezialisten auf diesem Themengebiet, Pfarrern und vielen weiteren Quellen, haben wir den zweiten Landespreis und damit unseren dritten Sieg in Folge eingefahren.


Bamberg - nicht nur katholisch

Aufgabe war es, eines der drei Themen "Glaubenswandel", "Lebenswelten" und "Umbruchszeiten um 1500" zu wählen, es in Verbindung mit unserer Heimatregion zu setzen und unser gesammeltes Wissen und neu gewonnene Eindrücke in eine kreative Form zu bringen. Schlussendlich entschlossen wir uns, Bamberg als barocken Drehort zu nutzen und religiöse Aspekte Bambergs zu betrachten. Zunächst beschafften wir uns durch Internetrecherche und Mind-Maps einen Überblick und tauschten uns über Vorwissen aus. "Luthers Thesenanschlag war auf jeden Fall 1517", meldet Max sich zu Wort und Anna fügt kritisch hinzu: "Das stimmt natürlich. Was wir bloß nicht vergessen sollten ist, dass die Reformation ein langer Prozess war. Selbst der Barock war noch Teil der Gegenbewegung! Sogar 100 Jahre nach Luther bestand der Konflikt weiter." "Das war doch der Dreißigjährige Krieg, oder?", ergänzt Lorenz.
Je nach Interesse bildeten sich Gruppen, die einzelne Themenbereiche behandelten. Raimund bot an, sich mit der evangelischen Kirche in Walsdorf zu beschäftigen, da er dort super mit seinem Auto hinfahren könne, Maxi wollte unbedingt mehr über Bambergs Reformator Johann Schwanhauser in Erfahrung bringen. Lorenz und Max nahmen den ersten Kontakt zu dem Priesterseminar in Bamberg auf, Benedikt setzte sich mit der Bedeutung des Festes "Fronleichnam" während der Reformation auseinander und Anna und Gesine gingen auf die Suche nach den Spuren der Jesuiten in Bamberg.
Spätestens als wir dann aber tiefer in die Bamberger Historie eintauchten, stellten wir fest, dass die Jesuiten als wichtiger Teil der Gegenreformation in Bamberg tätig waren. Bei unserem Besuch in der Martinskirche erfuhren wir auch, dass die Kirche ursprünglich Jesuitenkirche hieß und erst seit der Säkularisation dem heiligen St. Martin geweiht wurde. Viel überraschender allerdings war, dass reformatorische Gedanken in und um Bamberg auf fruchtbaren Boden fielen. Vor allem der Gottesdienst des damals noch katholischen Priesters Johannes Schwanhauser wurde von den Bambergern der frühen Neuzeit bereitwillig, wenn nicht sogar euphorisch angenommen.


Schwanhauser begeisterte viele

Sogar wichtige Würdenträger Bambergs favorisierten Schwanhausers Predigten, in denen er die fünf Solas praktisch eins-zu-eins aufgreift. "Schwanhauser und seine Ansichten kann man wirklich mit denen Luthers vergleichen. Er spielte mit seinen neuartigen Ideen und Ansätzen tatsächlich weit oben mit", bekräftigt Maxi. Nach diesen Erkenntnissen waren wir Feuer und Flamme für das Projekt. Wir kontaktierten Professoren der Theologie, Pfarrer, das Priesterseminar Bamberg, die Staatsbibliothek und bohrten weiter.
Auch wenn es beim Drehen die eine oder andere Panne gab, hatten wir schließlich anderthalb Stunden an Videomaterial und Interviews zusammen, welche wir anschließend kürzen mussten. "Müssen wir das denn wirklich rausschneiden? Das ist eigentlich inhaltlich auch sehr wichtig", beklagt sich Benedikt, während es Lorenz zum dritten Mal nicht gelingt, ohne zu lachen seinen Text ins Aufnahmegerät zu sprechen.
Mit Hilfe von unserem Lehrer Michael Schuster entstand das fertige Video mit Film- und Ton-Material und tollen Special-Effekts. "Puhh! Endlich fertig nach drei Stunden Film schneiden und Text einsprechen. Wir können wirklich stolz auf unsere Arbeit sein. Aber jetzt müssen wir uns erstmal sputen, sonst verpassen wir unseren Bus!", ruft Anna und sprintet schon in Richtung Treppe.


Katholisch oder evangelisch: "Wir sind doch alle Christen"

Im Zuge ihrer Recherchen führten die Schüler auch ein Interview mit Wolfgang Klausnitzer, Professor für Fundamentaltheologie an der Universität Bamberg. Außerdem ist er Domkapitular und Ökumenereferent der Erzdiözese. Bei unserem Geschichtsprojekt hat er uns tatkräftig unterstützt und unsere Fragen beantwortet.

Wie verlief die Reformation in Bamberg?
Wolfgang Klausnitzer: In den ersten Jahrzehnten, beginnend mit der öffentlichen Predigt Luthers, gab es durchaus Sympathien für seine Gedanken zumal im gebildeten Bürgertum, auch bei Vertretern der Kirchenleitung. Das ändert sich allmählich nach dem Konzil von Trient durch das Wirken von in Rom im Jesuitenseminar Germanicum ausgebildeten Kirchenführern und durch die Übernahme des Priesterseminars und der Seelsorge durch die Jesuiten Ende des 16. Jahrhunderts. Das Domkapitel hatte sich aus Rücksicht gegenüber nichtkatholischen Nachbarn (und Verwandten) und wegen mancher Vorbehalte gegenüber dem Orden dieser Berufung zunächst widersetzt. Anschließend setzt die Gegenreform ein, von der heute noch die ehemalige Jesuitenkirche St. Martin zeugt.

Reformatorische Gedanken waren in Bamberg nicht nur bei den "kleinen Leuten", sondern auch im Klerus verbreitet ...
Die finanzielle Unterversorgung des niederen Klerus war ein großes Problem, da so eine starke Abhängigkeit von den Spenden der Gläubigen entstand. Teilweise wurde die Messe nur gehalten, wenn vorher genug Geld zusammengekommen war.

Wie beeinflusste die Reformation damals das Leben der Menschen in Franken?
Franken war in der Reformationszeit keine politische Einheit, sondern in viele Herrschaftsgebiete zersplittert, in denen nach dem Prinzip "cuius regio, eius religio" der jeweilige Grundherr die Konfession seiner Untertanen bestimmte. Durch einen Herrschaftswechsel konnte sich dieses Bekenntnis abrupt ändern. Das führte zunächst noch nicht unbedingt zu Feindseligkeiten zwischen den Nachbargemeinden. Die Menschen gingen trotz Verbots in den Gottesdienst jenseits der eigenen Kleinststaatengrenze.

Wie steht es denn heute um Reformation und Ökumene in Bamberg?
In der Stadt Bamberg funktioniert die ökumenische Zusammenarbeit reibungslos. Bamberg ist nicht mehr - und war auch noch nie - eine völlig katholische Stadt, sondern umfasst eine sehr lebendige evangelisch-lutherische Gemeinschaft.


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