Jungen Menschen wird oft vorgeworfen, sie seien politisch nicht interessiert. Mit der "Fridays for future"-Bewegung beweisen sie gerade das Gegenteil: Während in Bamberg bereits vor einer Woche 1000 Schüler für mehr Umwelt- und Klimaschutz auf die Straße gegangen sind, erreicht die Bewegung nun auch Coburg.

Dort hat eine Gruppe von Schülern aus allen vier Gymnasien eine Demo vorbereitet, die heute um 11.30 Uhr in der Innenstadt startet. Dafür müssen die Teilnehmer dem Unterricht fernbleiben. Die Schulleiter von Albertinum, Casimirianum, Alexandrinum und Ernestinum haben sich auf eine einheitliche Regelung geeinigt: Sofern die Eltern bis gestern einen schriftlich begründeten Antrag auf Unterrichtsbefreiung eingereicht haben, dürfen ihre Kinder an der Demo teilnehmen.

"Einmaliges Entgegenkommen"

Dabei handele es sich um ein einmaliges Entgegenkommen, heißt es aus der Runde der Schulleiter. Ähnlich sieht das auch ein Bamberger Schuldirektor: "Ich hoffe, dass es mit den Demos nicht weitergeht", sagt Michael Strehler vom Kaiser-Heinrich-Gymnasium (KHG). Er wusste gestern nicht, ob heute die Bamberger Schüler wieder auf die Straße gehen würden. "Im Direktorat ist uns nichts bekannt", sagte er gestern auf Anfrage dieser Zeitung. Ob die Schüler untereinander etwas verabredet hätten, wisse er nicht. Er gehe aber davon aus, dass ihn das Organisationsteam der ersten Demo "sicher informiert hätte". Am vergangenen Freitag habe man den Schülern "auf Elternwillen" die Teilnahme an der Demo erlaubt. "Die Eltern mussten ihre Kinder befreien lassen", erklärt Strehler. "Es war wichtig, dass sie nicht unentschuldigt dem Unterricht fernblieben." Nach Auskunft der Schüler-Aktivisten werde an diesem Freitag in Bamberg nicht demonstriert. Erst für 16. Februar und 15. März seien wieder Aktionen geplant.

Entschlossenheit in Coburg

Für Katharina Trapp gibt es eine klare Intention: "Wir wollen deutlich machen, wie wichtig uns der Umwelt- und Klimaschutz ist." Die 19-Jährige ist Schülerin am Coburger Gymnasium Albertinum und eine der Organisatorinnen der für heute geplanten "Fridays for future"-Veranstaltung.

Nachdem sie die erste große Schülerdemo in Berlin vor zwei Wochen gesehen hatte, beschloss sie: "Das sollten wir in Coburg auch machen. Es wäre gut, wenn es in jeder Stadt einen Ableger dieser Demo für unsere Umwelt gäbe." Gemeinsam mit anderen Schülern ging Trapp an die Organisation. Der Plan für heute steht: "Wir laufen um 11.30 Uhr als Zug Richtung Marktplatz. Dort gibt es eine offene Kundgebung und ein Mikrofon, wo jeder eine kleine Rede halten kann." Bis gestern hätten die Schüler Plakate gebastelt und technische Dinge geregelt.

Für ihr Engagement nahmen die jungen Menschen "einen gewissen Stress" mit der Schulleitung in Kauf. "Die vier Direktoren unserer Gymnasien haben eine Sonderregelung getroffen", erklärt Trapp. Um eine Schulbefreiung zu erhalten, mussten Eltern und volljährige Schüler ihre ernsthafte Absicht erklären und begründen, warum sie sich an der Demo beteiligen wollen. "Es sollte nicht so sein, dass man zur Demo geht, um lediglich dem Unterricht fernzubleiben", sagt Trapp und stellte erfreut fest: "Die halbe Mittelstufe hat das Schreiben abgegeben."

Die Schulleiter hätten aber auch deutlich gesagt, dass diese Regelung ein einmaliges Entgegenkommen sei. Jetzt hofft Trapp, dass sie sich doch weitere Male erweichen lassen. Vor allem am 15. März, wo junge Menschen aus rund 40 Ländern an einem globalen Streik für das Klima teilnehmen wollen. "Wir würden schon gern regelmäßig gegen die weltweite Klimapolitik demonstrieren", sagt Trapp.

"Ganz schön groß geworden"

Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg ist derweil von den globalen Ausmaßen der von ihr inspirierten Schülerproteste überrascht. "So viel Aufmerksamkeit habe ich nicht erwartet. Das ist ganz schön groß geworden", sagte die 16 Jahre alte Schülerin . Warum ihr Protest ausgerechnet in Belgien und Deutschland so viele Nachahmer gefunden habe, darauf habe sie keine Antwort. "Ich weiß ehrlich gesagt nicht, warum das hier gerade unter Jugendlichen so groß geworden ist.

Schulstreik fürs Klima - die 16-jährige Greta bringt den Stein ins Rollen

Es ist kalt an diesem Morgen in Stockholm. Greta Thunberg trägt eine pinke Skihose, ihre violette Winterjacke, dazu zwei Mützen, Handschuhe und Schal. Neben ihrem Rucksack lehnt ein Schild mit der Aufschrift "Skolstrejk för klimatet" im Schnee - "Schulstreik fürs Klima".

Seit die 16-Jährige im August 2018 mit ihrem Protest begonnen hat, ist dieses Schild so berühmt geworden wie sie selbst. Ihr Kampf für stärkere Anstrengungen gegen den Klimawandel hat die Schwedin bekannt gemacht, sie fuhr zur Klimakonferenz nach Kattowitz und zum Weltwirtschaftsforum nach Davos, wo sie vor Toppolitikern und Topmanagern einen zu lahmen Einsatz fürs Klima geißelte. "Ich will, dass ihr in Panik geratet", sagte sie. "Ich will, dass ihr handelt, als wenn euer Haus brennt, denn das tut es." Diese Worte hallen nach.

Eltern sind nicht einverstanden , unterstützen sie aber

Thunberg hat im Alter von acht Jahren vom Klimawandel gehört. Mit elf bekam sie Depressionen, mochte zeitweise nicht mehr sprechen und essen. Mit 15 begann sie mit ihrem Protest. Anstatt zur Schule ging sie vor den Reichstag in Stockholm, um die Politik zum Handeln aufzufordern. Angefangen hat sie alleine. Heute folgen ihrem Beispiel Abertausende Schüler in aller Welt, in Berlin, Brüssel, aber auch in Würzburg, Bamberg und Coburg oder irgendwo in Kanada.

"Das ist ganz schön groß geworden. Das überrascht mich", sagt die Neuntklässlerin.  Als Vorbild betrachtet sie sich trotzdem nicht. "Ich bin nicht so, wie die Leute denken", sagt sie mit leiser Stimme. "Ich bin ziemlich ruhig. Privat spreche ich so gut wie gar nicht. Ich bin sehr empfindsam."

In Schweden nennen manche sie schon die "Pippi Langstrumpf des Klimas". Dass für ihren Protest jeweils freitags der Schulunterricht flachfällt, sehen ihre Eltern zwar kritisch. "Sie mögen nicht, dass ich nicht zur Schule gehe. Aber sie stehen hinter meiner Botschaft und wissen, dass ich das für eine gute Sache tue", sagt die Neuntklässlerin ganz gelassen. Quelle: dpa