Wenn Lilli auf dem Fußboden ihres Kinderzimmers sitzt und beim Malen Musik durch ihre Kopfhörer dringt, vergisst sie alles um sich herum. Schule, Turnstunden und manchmal auch die Tatsache, dass sie eigentlich dringend aufräumen müsste.

Die elfjährige Lilli Heyder aus Ludwigsstadt ist eine von vier Erstplatzierten aus dem Kreis Kronach, die beim Schülerwettbewerb "Jugend Creativ" in ihrer Altersklasse gewonnen hat. In der Kronacher VR-Zentrale erhielten die Wettbewerbssieger am vergangenen Montagnachmittag für ihre malerische Umsetzung des diesjährigen Mottos "Musik bewegt" Urkunden und Geschenke. Der internationale Wettbewerb ist eine Kooperation zwischen Schulen und den Volks- und Raiffeisenbanken. Er zeichnet seit 1970 kreative Kinder und Jugendliche aus.

Musik hat viele Facetten

Welche Rolle Musik in ihrem Leben spielt, das sollten die Schüler der 1. bis 12. Klassen zum Ausdruck bringen - egal ob in Acryl oder Wasserfarben, quietschbunt oder in ruhigen Tönen. "Die Jugend steht bei dem Wettbewerb ganz klar im Mittelpunkt", sagte VR-Bereichsdirektor Jürgen Möhrle. Dabei herausgekommen seien ganz unterschiedliche Facetten von Musik. Die Schulen wurden bereits im Sommer zur Teilnahme am Wettbewerb eingeladen, offiziell startete er am 1. Oktober 2018. Lehrkräfte und Erzieher konnten das Musikthema in den Lehrplan einbinden, meinte Juliane Sengpiel, die bei der VR-Bank für Marketing und Vertrieb zuständig ist.

Rund 720 000 Beiträge werden jedes Jahr aus den teilnehmenden Ländern eingesendet, was dem Wettbewerb 1993 sogar einen Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde sicherte. Aus den Schulen im Kronacher Landkreis nahmen diesmal etwa 400 Kinder und Jugendliche teil. Die dreiköpfige Jury, bestehend aus Vertretern der Schulen, des Kreisjugendrings sowie der VR-Bank, wählte aus den Einsendungen 31 Sieger aus. Neben Lilli konnten sich Tiara H., Andrea F. und Anna-Maria H. den ersten Platz in ihrer jeweiligen Altersgruppe sichern.

Einige der Zeichnungen werden weiter nach München zum Entscheid auf Landesebene geschickt, erklärte Juliane Sengpiel. Vorher werden sie noch bis Ende März in der Kronacher VR-Zentrale ausgestellt. Mal dreht sich darauf die schwarze Silhouette einer Ballerina, auf einem anderen Bild zupft ein Mann mit auffälligem Schnauzer die Saiten eines Kontrabasses.

Doch kein Monster

Lilli war zu Beginn des Wettbewerbs unentschlossen. "Ich hatte erst eine komplett andere Idee", erzählte die Elfjährige. Ein "Gitarrenmonster" habe sie zeichnen wollen, mit Armen, Mund und Augen. "Ein kleines, niedliches Gitarrenmonster, das durch die Gegend läuft. Doch als ich es aufs Blatt gemalt habe, fand ich die Idee nicht mehr gut." Mit ihrer Kunstlehrerin an der Maximilian-von-Welsch-Realschule in Kronach entwickelte sie eine neue Skizze. Schließlich eingereicht und damit den ersten Platz ergattert, hat sie mit einem im Weltall schwebenden Kopfhörer.

Wofür die regenbogenfarbenen Notenzeilen in ihrem Bild stehen könnten? "Ich höre eigentlich immer normale Radiomusik", sagte Lilli. ",We can Change‘ von Trobi, das ist mein aktuelles Lieblingslied." Mutter Jennifer hat das prämierte Kunstwerk ihrer "Basteltante" bei der Preisverleihung zum ersten Mal zu Gesicht bekommen. "Ich bin sehr stolz auf sie. Und überrascht, wie viel die Schüler in das Wettbewerbsthema hineininterpretiert haben."