Viele Jahre hatte der Landkreis keine Möglichkeit, im Norden eine Realschule zu errichten, erklärte Landrat Klaus Löffler (CSU). Er bezeichnete die angedachte Bildungseinrichtung in Pressig als ein Angebot der Staatsregierung. Im Juli 2018 sei man seitens des Staatsministeriums für Unterricht und Kultus angeschrieben worden, eine weitere Einschreibung auf dem Weg zu bringen. Das Angebot des Ministeriums sei eine Chance gewesen, aber "wir können keine Politik gegen die Menschen machen". Die Realschule in Pressig sei weder von den Lehrern, Eltern noch von den Schülern gewünscht gewesen.

Geburtszahlen haben sich fast halbiert

"Wir sollten den Tatsachen ins Auge sehen", so SPD-Fraktionsvorsitzender Richard Rauh. Und: "Wir haben aufs falsche Pferd gesetzt." Er wies darauf hin, dass sich im Landkreis Kronach die Geburtenzahlen seit dem Jahre 1993 von damals 819 auf 424 Geburten im Jahr 2018 reduziert haben. Eine Gemeinschaftsschule im Norden, so Rauh, wäre eher angebracht gewesen. "Die Lehrer und Schüler waren pragmatischer als die Kommunalpolitik."

Er sei der Staatsregierung sehr dankbar, so der Fraktionsvorsitzende der CSU, Bernd Liebhardt. Eine Realschule im Norden sei ein einmaliges Angebot gewesen, jedoch habe es qualitative Sorgen bei Schülern und Eltern gegeben. Positiv sei, dass in den vergangenen Monaten die Schülerbeförderung vorangebracht wurde und der Kreis in Kronach ein hochwertiges Bildungsangebot anbieten könne. Eine Realschule in Pressig wäre kein Gewinn, sondern eher ein Verlust gewesen, so Petra Zenkel-Schirmer von der Frauenliste. Sie sei froh, dass es die Lehrer genau sahen.

Standort Pressig "postfaktische Entscheidung"

Der Standort Pressig sei eine "postfaktische" Entscheidung gewesen, so der Ludwigsstädter Bürgermeister Timo Ehrhardt. Es gab kein konkretes Angebot an Eltern und Schüler. Es fehlten Details. Keiner habe gewusst, was auf ihn in Pressig zukommen könnte. Außerdem: "Pressig gehört nicht zum Norden des Landkreises. Steinbach wäre der bessere Standort gewesen."

Es werde immer geäußert, dass die Schüler in der Kreisstadt gerne ein Eis essen oder durch die Weka bummeln, erklärte der Steinbacher Bürgermeister Thomas Löffler (CSU). Er habe sich mit vielen Schülern unterhalten. Die meisten gehen nach dem Unterricht direkt zum Bahnhof. Er plädierte deshalb dafür, einige Jahre ins Land ziehen zu lassen. Wenn in Kronach die Hochschule und der Campus stünden, dann sollte darüber nachgedacht werden, eine Realschule ganz in den Norden zu verlegen. Dann würde die Kreisstadt auch nicht geschwächt.

Streit um Standort

Bei dem Thema "Realschule in Pressig" waren zu viele Emotionen im Spiel, so der Pressiger Bürgermeister Hans Pietz (FW). Er könne auch die Diskussionen, "wo fängt der Norden an, wo hört er auf", nicht mehr hören. Die Analyse hatte Pressig nun mal als möglichen Standort hervorgebracht.

Bevor ein Lehrer nach Pressig fahre, müssten eher die Schüler einen viel weiteren Weg in Kauf nehmen, so der Tettauer Bürgermeister Peter Ebertsch (CSU). Aus seiner Gemeinde gehen einige Heranwachsende in die weiterführende Schule nach Thüringen. Dafür werde ein Bus eingesetzt. Auch nach Pressig hätte man eine Direktverbindung eingerichtet. Die Schüler hätten viel Zeit gespart, zumal sie derzeit erst mit dem Bus von Tettau nach Steinbach gebracht werden müssen, um anschließend mit der Bahn nach Kronach zu fahren . Dort müssen sie einen 20-minütigen Fußmarsch absolvieren, um in die Schule zu gelangen. Wo sollen wir im Norden künftig die Fachkräfte herbekommen?, fragte Ebertsch.

Wiegand zeigt sich enttäuscht

"Ich bin sehr traurig", so Angela Wiegand (CSU). Es sei zu wenig Werbung für die Probeeinschreibung gemacht worden. Die Erfahrung zeige, dass dort, wo Schulangebote vorhanden seien, sich auch Familien ansiedeln.

Aufgrund der Schülerzahlen werde es schwierig, in Zukunft eine weiterführende Schule zu etablieren, so der Steinwiesener Bürgermeister Gerhard Wunder (CSU). Der Landkreis als Sachaufwandsträger stand hinter dem Angebot des Freistaats Bayern. Wunder stellte klar, dass die Erstellung von Konzepten, Inhalten und die Organisation eine Sache der Realschule und des Freistaats gewesen sei. "Hier war der richtige Wille nicht erkennbar."

Der Landrat erinnerte an intensive Diskussionen. Im Übrigen sei der Standort Pressig von der Staatsregierung festgelegt worden. Und er meinte weiter: "Eine Gemeinschaftsschule hatte und hat keine Berechtigung."

Jugendhilfeausschuss: Wich folgt auf Wicklein

Keine Einwände gab es bezüglich der Änderung in der Besetzung des Jugendhilfeausschusses. Demnach wurde Moritz Wicklein als stimmberechtigtes Mitglied abberufen. Er wird durch Philipp Wich ersetzt. Seine Stellvertreterin ist Claudia Russ. Als beratendes Mitglied fungiert Andy Fischer. Stellvertreter ist Sebastian Görtler.