Mit Milliarden Euro baut der Bund derzeit digitale Infrastrukturen an deutschen Schulen auf. An der Digitalisierung besteht auch in Bamberg großes Interesse, wie Ute Schmid bemerkt. Sie ist Professorin für Angewandte Informatik, insbesondere Kognitive Systeme, an der Universität Bamberg und bietet regelmäßig Informatik-Workshops für Vor- und Grundschulkinder an. Eines ihrer Angebote ist der Bamberger Informatik-Tag (BIT) am Freitag, 24. Mai. Zu diesem Thema hat sie folgendes Interview gegeben.

Frau Professorin Schmid, woran merken Sie, dass das Interesse an Informatik-Angeboten für Grundschulkinder steigt?

Ute Schmid: Wie groß das Interesse ist, zeigt sich zum Beispiel am bevorstehenden Bamberger Informatik-Tag. Schon nach wenigen Tagen waren die Programmier-Workshops für Kinder im Vor- und Grundschulalter komplett ausgebucht und die Wartelisten werden immer länger. Beim BIT können sich technisch interessierte Kinder und Jugendliche über aktuelle Anwendungsgebiete der Informatik informieren und diese selbst ausprobieren. Für einzelne Restplätze können sich Schüler ab der 9. Klasse noch anmelden, zum Beispiel für "Inside Android: Wie funktioniert eine App?". Warum sind die Workshops ausgerechnet bei Grundschülern so beliebt?

Offensichtlich haben die öffentlichen Debatten um digitales Lernen dazu geführt, dass Eltern sich mit dem Thema auseinandersetzen. Viele Eltern wünschen sich hier seitens der Schule mehr fachliche Unterstützung, um Kinder altersgerecht mittels pädagogisch fundierter Konzepte an einen sinnvollen Umgang mit digitalen Medien heranzuführen. Und Sie bieten solche Informatik-Workshops schon seit über zehn Jahren an?

Richtig, ich erarbeite mit meiner Forschungsgruppe Elementarinformatik (FELI) bereits seit 2008 pädagogische Konzepte und biete Workshops für Vor- und Grundschulkinder an. Damals war das ein Geheimtipp für Interessierte. Mittlerweile können wir das stark nachgefragte Angebot nur stemmen, weil wir von der Oberfrankenstiftung und weiteren Mittelgebern wie beispielsweise der Hermann-Gutmann-Stiftung, finanziert werden. Ein Grund für die große Nachfrage ist sicherlich auch, dass die Schulen noch hinterherhinken: Trotz einer Vielzahl engagierter Lehrkräfte besitzen Schulen in den seltensten Fällen die notwendige technische Ausstattung, es fehlen die passenden Lehrbücher und erprobte Konzepte. Was schlagen Sie vor: Wie könnte man die Situation verbessern?

Hier ist vor allem auch die Politik gefragt. Die Bundesbildungsministerin Anja Karliczek unterstützt die Digitalisierung an deutschen Schulen immerhin mit fünf Milliarden Euro. Allerdings sollte das Geld auch gezielt für die richtigen Maßnahmen ausgegeben werden. Es ist nicht damit getan, Tablets für alle Schulklassen anzuschaffen. Wichtiger ist es, Lehrkräfte zu schulen und sie damit zu befähigen, den Kindern altersgerecht medienbezogene Kompetenzen vermitteln zu können. Das bedeutet, wir müssen schon die Lehramtsstudierenden auf den digitalen Unterricht vorbereiten. Deswegen freue ich mich besonders, dass im Rahmen des Maßnahmenpakets "Bayern Digital II" digitale Lehr- und Lernlabore für weitere Schulformen und Themenbereiche an Universitäten eingerichtet werden - auch an der Universität Bamberg.

Gegründet wurde hierzu am Zentrum für Lehrerinnen- und Lehrerbildung ein Kompetenzzentrum für Digitales Lehren und Lernen, das die Initiativen zur Erlangung digitaler Souveränität koordiniert. Die Fragen stellte Patricia Achter von der Universität Bamberg.

Weitere Informationen zu den Nachwuchsprojekten an der Fakultät für Wirtschaftsinformatik und Angewandte Informatik gibt es unter nachwuchs.wiai.uni-bamberg.de.