"Habt ihr schon mal eine echte Autorin getroffen?" Auf die Frage von Lehrerin Claudia Engemann ruft jemand aus dem hinteren Bereich des Musiksaals gut gelaunt "glaab scho!" Alle lachen.

Kristina Moninger lacht mit. Die Würzburgerin ist an die Mittelschule Ebermannstadt gekommen, um rund 50 Achtklässlern aus ihrem Roman "Hundert kalte Winter" vorzulesen. "Die Geschichte handelt von einer Organspende", erklärt die 34 Jahre alte Schriftstellerin und Mutter von Zwillingen den Jugendlichen.

Als Moninger anfängt, mit unterschiedlicher Stimmfarbe und verschiedenen Tonhöhen die Figuren in ihrem Buch lebendig werden zu lassen, sind alle ganz still und hören zu.

Eine Figur ist die kleine Mila, deren eigenes Herz nicht gesund und sie deshalb an eine Maschine angeschlossen ist. "Sie kann fast fehlerfrei lesen und schreiben ... und zeichnen kann sie auch", liest die Autorin vor.

Aber Fahrrad zu fahren und auf Bäume zu klettern ist für die Siebenjährige verboten. Denn die Herz-Maschine ist zu groß. Ihre Mutter und ihre große Schwester Nele müssen gut auf sie aufpassen und ganz viel Rücksicht nehmen, was natürlich für die 14-jährige Nele nicht immer leicht ist.

Schicksal verbindet zwei Familien

Und dann gibt es noch die Familie vom Jungen Jonah, der mit seiner Mutter Sandra einen schweren Autounfall hat. Er überlebt ihn nicht. Sandra trifft die schwierigste Entscheidung ihres Lebens: Sie muss ihr Kind loslassen, damit ein anderes weiterleben kann. Beide Familien lernen sich kennen, werden sogar Nachbarn und Freunde. Eine schicksalhafte Geschichte beginnt ...

Nachdem die Autorin ihr Buch zuklappt, ist es noch einige Sekunden ganz still, dann fangen viele an, mit ihrer Nachbarin oder ihrem Nachbarn zu reden. Die Schüler wollen wissen, wie Kristina Moninger auf dieses Thema gekommen ist und warum sie darüber schreibt? "Meine Mutter ist bei einem Unfall tödlich verunglückt, auf dem Fahrrad", antwortet die junge braunhaarige Frau mit den goldenen Ohrsteckern. "Sie hatte einen Organspendeausweis, kam als Spenderin aber nicht infrage. Wir, die Familie, haben viel darüber nachgedacht, wie es wäre, wenn ein Teil von ihr weiterlebt." Wieder ist es ganz still.

Auf Einladung von "blätterWALD" und KLARTEXT!

Doch zum Abschluss der Lesung, die auf Einladung der Literaturtage "blätterWALD" und KLARTEXT! stattfindet, erntet die 34-Jährige noch einen Lacher: Auf die Frage, wie sie zur Schriftstellerin geworden ist, antwortet sie: "Ich war eine der wenigen in der Schule, die sich über das Aufsatzschreiben gefreut hat! Schreiben ist wie eine Sucht." Einige schauen sich ungläubig an, andere schütteln den Kopf! Aber wie die Geschichte weitergeht, wollen alle wissen. "Ein Buch lasse ich euch da." Der 13-jährige Pascal hat zwar "schon länger" kein Buch mehr gelesen, "aber ich glaube, das Buch leihe ich mir dann mal aus." Übrigens: Viele Schüler sind freiwillig nach Schulschluss geblieben, um Kristina Moninger lesen zu hören.

Schüler waren hin und weg

Nach der Lesung gaben einige Schülerinnen und Schüler noch ein kurzes Interview: "Ich finde, es ist eine schöne Idee, auch mal über so ein Thema ein Buch zu schreiben, also vorgelesen zu bekommen", meinte Pascal. Seine Mitschülerin Cinem sah das ähnlich: "Ich habe auch schon öfter über das Thema nachgedacht. Eine Freundin von mir ist gestorben. Das Buch würde ich lesen." Vivian hat bereits mit ihrer Familie über das Thema Organspende gesprochen: "Meine Mutter hat auch einen Organspendeausweis. Deshalb fand ich das Thema des Buchs sehr interessant." Achtklässler Ziko hat besonders die Romanfigur Nele (die große Schwester von Mila) beeindruckt: "Man konnte sich sehr gut einfühlen in die Geschichte und in die Personen. Das Buch ist sehr spannend, sehr realistisch."