"Kein normales Kind isst eine ganze Sahnetorte auf oder geht barfuß auf Zucker." So ärgerte sich ein Vater über ein bekanntes Buch: Pippi Langstrumpf. Es war kurz vorher in dem Land Schweden zum ersten Mal in die Buchläden gekommen - das war vor fast 70 Jahren.


Viele Eltern hatten Angst vor Pippi


Manche Erwachsenen fürchteten: Die Buchfigur Pippi könnte ein schlechtes Vorbild für Kinder sein. Damals ging es vielen Eltern mehr noch als heute darum, dass Kinder tun, was man ihnen sagt. Dass sie sich benehmen und ihre Kleider nicht schmutzig machen. Und dann war da diese Pippi! Die Buchfigur lebt ohne Eltern, nur mit einem Pferd und Affen, in der Villa Kunterbunt. Sie geht nicht in die Schule, trickst Polizisten aus und macht alles immer nur so, wie sie will.



Stark und großzügig

Pippi schert sich nicht um die Regeln der Erwachsenen. Sie kann ein Pferd tragen und ist so großzügig, dass sie sogar Räubern Goldstücke schenkt. Dazu kennt sie noch viele witzige Spiele. Wer wünscht sich nicht so eine Freundin? Dass es die Buchfigur Pippi überhaupt gibt, liegt an einem Mädchen aus Schweden: Die sieben Jahre alte Karin musste im Jahr 1941 mit einer Lungen-Entzündung im Bett liegen und bettelte ihre Mutter an: "Erzähl mir was." "Was soll ich denn erzählen?", fragte die Mutter. Und Karin sagte: "Erzähl mir was von Pippi Langstrumpf!"


Pippi hat Millionen Fans

Die Mutter hieß Astrid Lindgren und musste später, als sie eine berühmte Schriftstellerin war, oft berichten, wie es zu Pippi gekommen war. Astrid Lindgren dachte sich die Geschichten für ihre Tochter Karin aus. Drei Jahre später rutschte Astrid Lindgren auf Glatteis aus und verletzte sich den Fuß. Nun musste sie im Bett liegen und langweilte sich. Da beschloss sie, die Pippi-Geschichten aufzuschreiben und sie Karin zum Geburtstag zu schenken.


Pippis Botschaft: Macht doch mal ein bisschen Quatsch und nehmt nicht alles so ernst


Erst später interessierte sich ein anderer Verlag dafür und veröffentlichte sie als Buch. Damit war Pippi in der Welt - und nicht mehr wegzudenken. Immer mehr Kinder, und auch Eltern, liebten die Pippi-Geschichten. Heute hat Pippi Millionen Fans. Kaum einer sorgt sich, dass sie ein schlechtes Vorbild sein könnte. Pippi selbst will wohl auch eher, dass die Leute mehr Quatsch machen. In einer Geschichte verstreut sie vor feinen Damen Zucker, läuft barfuß darüber und sagt: "Ich glaube, ihr solltet es auch versuchen, denn was Lustigeres kann man sich nicht vorstellen."


Schon gewusst? Pippi heißt in Frankreich Fifi!

Pippi Langstrumpf stammt aus Schweden. Die Geschichten über sie wurden vor 70 Jahren zuerst dort veröffentlicht, auf Schwedisch. Aber weil Pippi so beliebt war, wurden die Bücher auch in viele weitere Sprachen übersetzt. Sie kamen in zahlreichen Ländern in die Buchläden, auch in Deutschland. Damit ist Pippi Langstrumpf fast auf der ganzen Welt bekannt. Von Land zu Land heißt sie etwas anders. In Brasilien wird sie zum Beispiel Bibi Maiea Longa genannt, in China Changwazi Pipi und in England Pippi Longstocking. In Finnland dagegen heißt sie Peppi Pitkätossu und in Frankreich Fifi Brindacier.

Astrid Lindgren und Pippi haben viel gemeinsam

Ihr Vater war ein Südseekönig, ihre Mutter ein Engel - so werden Pippi Langstrumpfs Eltern in den Büchern beschrieben. Aber daneben ist oft noch von einer anderen Pippi-Mutter die Rede: Astrid Lindgren. Die schwedische Schriftstellerin hat Pippi und die Geschichten über sie erfunden. Astrid Lindgren hatte manches mit Pippi gemeinsam. Sie ärgerte sich genau wie Pippi, wenn Schwächere schlecht behandelt wurden. Sie setzte sich zum Beispiel für die Rechte von Kindern ein. Und sie mochte es nicht, wenn Dinge ungerecht waren oder jemand Tiere quälte. In ihrer Heimat Schweden setzte sich Astrid Lindgren unter anderem für mehr Tierschutz ein.


Pippi kommt bald auf einen Geldschein


Gegen Jahresende soll es in Schweden Geldscheine mit dem Gesicht von Pippi Langstrumpf drauf geben. Auf Banknoten mit dem Wert 20 Kronen soll Astrid Lindgren abgebildet werden, Pippis Erfinderin. Daneben soll Pippi abgedruckt werden.

Diesen Artikel hat Silke Fokken, Journalistin bei der Deutschen Presse-Agentur, geschrieben.