Nur wenige Wochen nachdem dem Eichendorff-Gymnasium der Titel "Fairtrade-School" zugesprochen wurde, ziehen nun auch die Maria-Ward-Schulen nach.
Im Rahmen des Schulfestes am vergangenen Dienstag überreichte Stadträtin Ursula Sowa Schülerinnen die Urkunde "Fairtrade-School". Sie zeigte sich besonders stolz darüber, dass nun zwei der bayernweit insgesamt sechs "Fairtrade-Schools" Bamberger Schulen sind, zumal auch die Stadt Bamberg momentan auf dem Weg dazu ist, "Fairtrade-Town" zu werden.
In der Urkunde heißt es: "Durch ihr Engagement für den Fairen Handel dienen die Schulen als Vorbild für andere Schulen. Als Fairtrade-School tragen die Schulen dazu bei, die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Bauern und Produzentenfamilien in den Entwicklungsländern zu verbessern und die Armut zu verringern."
"Die Idee, sich als Fairtrade-School zu bewerben, lag eigentlich nahe", erklärte Studienrätin Karina Helbig, Initiatorin der
Bewerbung und Vorsitzende des Fairtrade-School-Teams. Bereits seit längerem sei der faire Handel an beiden Schulen ein großes Anliegen. So gebe es seit Jahren am traditionellen Christkindlesmarkt der Schule einen Eine-Welt-Verkaufsstand. Im Lehrerzimmer etwa würde die Snackbar fair gehandelte Süßigkeiten aus dem Eine-Welt-Laden für den kleinen Hunger zwischendurch anbieten. Bei schulischen Veranstaltungen und Elternsprechtagen würden zudem fair gehandelter Kaffee und Orangensaft verkauft und auch im Unterricht würde das Thema fairer Handel immer wieder in verschiedenen Fächern und Jahrgangsstufen behandelt, so Helbig.
Somit mussten nur noch einige Kleinigkeiten neu eingeführt werden, um alle Kriterien zur "Fairtrade-School" zu erfüllen. "Die meiste Arbeit lag in der Dokumentation bereits bestehender Aktivitäten", betont die Studienrätin.
Und genau das tat die Mathematik- und Religions-Lehrerin zusammen mit ihrem im Mai gegründeten Fairtrade-School-Team, bestehend aus drei weiteren Kolleginnen, Birgit Bücker, Claudia Köhler und Maria Sponsel, und neun Schülerinnen aus verschiedenen Jahrgangsstufen von Gymnasium und Realschule. Die Mädchen hatten sich freiwillig dazu gemeldet. Auch ein Mitglied des Elternbeirats und die beiden Schulleitungen wurden mit ins Boot geholt.
Dann ging alles sehr schnell. Nach der Gründung des Fairtrade-Schulteams konnte bereits bei der ersten Sitzung der als Kriterium verlangte Fairtrade-Kompass vorgelegt werden. Ein Dokument, das einen Überblick über alle bisherigen und geplanten Aktivitäten gibt. Zudem wurde beschlossen, auch im Süßigkeiten-Automaten fair gehandelte Schokoriegel anzubieten, so dass die Schülerinnen täglich Zugang zu diesen Produkten haben. Nach nur neun Wochen stand schließlich die Auszeichnung an.
Bei der Titelverleihung am Schulfest berichtete eine Schülerin aus der Klasse 8cR exemplarisch, wie sich ihre Klasse im Erdkundeunterricht intensiv mit dem Thema "Der Welthandel der Banane" beschäftigt hatte: Die Plantagenbesitzer in Südamerika, die mit den großen Konzernen zusammenarbeiten, beuteten ihre Plantagenarbeiter aus, sodass diese ihre Kinder trotz Schulpflicht häufig als zusätzliche Arbeitskräfte einsetzten. Ohne Schulbildung würden viele Kinder wieder Plantagenarbeiter, was den Teufelskreis der Armut schließt. Diese Missstände würden durch den Fairen Handel aufgehoben. Auf kleinen Plantagen bekommen die Arbeiter dann einen festen Arbeitsvertrag mit geregeltem Einkommen, sind erstmals renten- und sozialversichert. So können sie ihren Kindern auch eine Schulausbildung finanzieren.
Von der Erfüllung des Kriteriums "eine Schulaktion zum fairen Handel pro Schuljahr" berichteten zwei Schülerinnen der Klasse 6aG. Um möglichst viele Schülerinnen über das Thema Fairtrade zu informieren und dafür zu sensibilisieren, hatte die Klasse in einer Projektwoche einen Klassenraum zum "Fairtrade-Raum zum Mitmachen" umgestaltet. Dort erfuhren 25 Klassen am Beispiel zweier Kakaobauern-Familien den Unterschied zwischen "normalem" Kakao und "Fairtrade-Kakao". Die Schülerinnen fertigten auch noch weitere Informationsplakate an. So konnte man etwa auf einem Bamberger Stadtplan nachschauen, welche Läden faire Produkte verkaufen.
Von Eva Lederer