Bamberg — Guido Funke (25) und Sebastian Walter (25) absolvieren derzeit ihr Propädeutikum, ihr Vorbereitungsjahr auf das Theologiestudium. Johannes Lohmaier, klar.text-Jugendredakteur, hat die beiden im Priesterseminar Bamberg besucht und gefragt, warum sie Priester werden wollen, wie sie ihre Kirche sehen und welche Ziele sie sich gesteckt haben.

Warum wollen Sie Priester werden?
Guido: Ich habe schon vorher einige Jahre als ausgebildeter Elektroinstallateur und im Großhandel gearbeitet und mir irgendwann die Frage gestellt, ob ich den Menschen in diesem Beruf etwas Gutes tue. Dann besuchte ich ein Kloster und ich kam auf die Idee, dort leben zu wollen. Das war mir aber dann doch zu weit weg von der Realität. Ich will in meinem Beruf Menschen helfen und ich denke, als Priester kann man Menschen am nächsten sein.
Als ich mich für diesen Schritt entschieden hatte, verspürte ich eine innere Ruhe. Es ist das Gefühl, jetzt das Richtige zu tun.

Wie haben Freunde und Familie auf Ihren Entschluss reagiert?
Guido: Die Reaktionen waren erstaunlicherweise durchweg positiv. Viele hatten Respekt vor dieser Entscheidung. Meine Eltern waren sehr stolz. Allerdings bin ich kein Einzelkind. Meine Eltern haben also immer noch die Chance auf Enkelkinder.
Sebastian: Bei mir war das völlig anders. Vor sieben Jahren hatte ich bereits einmal den Entschluss gefasst, Priester zu werden. Doch ich war einfach noch zu jung und habe einen Rückzieher gemacht. Damals waren die Reaktionen auf meinen Wunsch, Priester zu werden, fast ausnahmslos negativ. Jetzt, als die Entscheidung definitiv fiel, reagierten viele offener. Einige in meinem Freundeskreis glauben aber immer noch, das sei wohl das Dümmste, was ich je entschieden habe. Auch meine Mutter ist nicht besonders begeistert davon.

Was, wenn Sie merken, dass das Priesteramt doch nicht das Richtige für Sie ist?
Guido: Die Zeit jetzt ist eine Zeit der Findung. Und wenn Gott doch anderes mit einem vorhat... Ich weiß schließlich nicht, was in fünf Jahren ist. Uns steht jeder Zeit die Tür offen zu gehen. Momentan empfinde ich aber meinen Entschluss als endgültig.
Sebastian: Zum Priester berufen zu sein ist kein subjektives Gefühl. Man macht keinen Rückzieher, weil man keinen Bock mehr hat. Man macht vielleicht einen Rückzieher, weil man merkt, dass es nicht passt. Aber das ist nicht meiner Willkür unterstellt. Die Entscheidung fällt jemand anderes.

In der Vergangenheit hat das Ansehen des Priesterberufs durch die Missbrauchsfälle stark gelitten. Was denken Sie darüber?
Guido: Ich denke eigentlich nicht, dass durch diese Fälle die Würde eines Priesters angekratzt wurde.
Sebastian: Gut, ich nehme das schon auch so wahr, dass in der Öffentlichkeit das Bild des Priesters an Achtung eingebüßt hat. Man kann aber nur dafür arbeiten, nicht selbst ein Repräsentant dieses Negativen zu sein. Allerdings zeigen Studien auch, dass Geistliche auf keinen Fall mehr an Missbrauchstaten beteiligt gewesen sind als andere Berufsgruppen.

Wie unterscheidet sich derzeit Ihr Leben von dem Gleichaltriger?
Guido: Ich führe eigentlich ein Leben, das meiner Altersgruppe entspricht. Ich gehe auch gerne in meiner Freizeit in eine Kneipe, spiele Kicker oder so. Der Tagesablauf hier im Propädeutikum nimmt allerdings schon viel Zeit in Anspruch.

Ist man auch in seiner Freizeit "zukünftiger Priester" oder schaltet man auch mal ab?
Sebastian: Natürlich fällt man an freien Tagen außerhalb des Seminars nicht aus der Beziehung zu Gott heraus. Die bleibt.

Evangelische Pfarrer dürfen heiraten. Katholische nicht. Fällt es Ihnen nicht schwer, auf eine Partnerschaft, auf eine eigene Familie zu verzichten?
Guido: Mich stört das nicht. Gut, was man nicht erlebt hat, kann man auch nicht vermissen. Als Priester hat man aber die Aufgabe, sich um Menschen zu kümmern, man selbst steht hinten an. Mit einer Frau und Kindern hat man eine Verantwortung, mit der man nicht so frei vor seinem Nächsten stehen könnte.
Sebastian: Ich hatte früher schon eine Freundin. Und das war auch schön. Aber der Verzicht ist keine Frage des Obwohls. Ich werde nicht Priester, obwohl ich keine Frau haben darf, sondern deswegen. Der Sinn des Priesterseins ist es eben, sein Leben uneingeschränkt den Menschen und Gott zu widmen. Und da ist es einem als Priester nicht so ohne Weiteres möglich, sich derart nur an einen Menschen zu binden.

Verleugnet man sich dann nicht ein Stück weit selbst? Was, wenn Sie sich doch einmal verlieben?
Guido: In einer Ehe gibt man sich auch ein Leben lang einer Person hin. Dieses Bündnis schließt auch ein Priester, nur er gibt sich voll und ganz Gott hin. In guten wie in schlechten Zeiten. Es gibt diese beiden Entscheidungsmöglichkeiten in der katholischen Kirche. Priesteramt oder Heirat. Beide sind an eine Person gebunden.
Sebastian: Es wird immer wieder passieren, dass sich ein Priester verliebt. Aber das kommt bei Verheirateten auch vor. Das muss man dann einfach vergehen lassen.
Und wenn der Papst den Zölibat abschaffen würde?
Sebastian: Nein, auch dann käme eine Ehe für mich nicht in Frage. Ganz oder gar nicht, das ist die Frage in der Ehe - und eben auch fürs Priestertum.

In der katholischen Kirche führt für die Frau kein Weg ins Priesteramt. Wie stehen Sie dazu?
Sebastian: Aus meiner persönlichen Sicht spricht nichts dagegen. Aber das ist nicht das Entscheidende, sondern: Aus dem kirchlichen Lehramt und der Tradition geht klar hervor, dass das nicht möglich ist. Und Tradition ist das Entscheidende für uns Christen. Wir haben nicht die Freiheit, etwas, was seit 2000 Jahren besteht, einfach zu ändern. Tradition ist kein Klotz am Bein, sondern der Garant, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Empfinden Sie das nicht als diskriminierend Frauen gegenüber?
Guido: Nein, das empfinde ich nicht so. Gerade an den Heiligen sieht man, wie hoch die Frauen in der katholischen Kirche geschätzt werden. Es ist nicht etwa so, dass Frauen dem Priesteramt psychisch oder moralisch oder sonst wie nicht genügen würden. Sondern es ist so, dass die Kirche einfach nicht die Vollmacht hat, Frauen die Priesterweihe zu spenden, weil es um kirchliche Lehre und Tradition - die ja nicht beliebig ist - nun mal so bestellt ist.

Es scheinen sich immer weniger Menschen für die Kirche begeistern zu können, woran liegt das Ihrer Meinung nach?
Guido: In Deutschland hat es wohl mit der Lebenssituation der Menschen zu tun. In anderen Regionen der Welt sieht es anders aus, denn die katholische Kirche wächst ja immer noch.
Wenn Sie später in einer Gemeinde arbeiten, welche Ziele werden Sie sich als Priester stecken?
Guido: Ein Priester sollte in der Gemeinde ständig unterwegs sein. Er sollte dem eine Messe halten, der eine braucht. Jesus war Wanderpriester, das sollten die Priester auch heute sein. Ich will in meiner Gemeinde auch viel unterwegs sein.
Sebastian:
Zunächst ist es mir wichtig, einfach für die Menschen da zu sein. Und wenn man es dadurch schafft, auch nur ein paar Menschen näher zu Gott zu bringen, dann wäre mein Ziel erreicht.

Wie wollen Sie Menschen, die sich von der Kirche entfremdet haben, zurückgewinnen?
Guido: Ich denke, man kann nur durch sein eigenes Leben begeistern. Man muss eben das Evangelium leben und dem, was man sagt, auch Taten folgen lassen.
Sebastian:
Die Botschaft, die wir verbreiten, begeistert doch schon von selbst. Schöne Musik abzuspielen und sich als Priester möglichst cool zu verhalten - so eine Mission à la Sister Act wird nicht funktionieren. Aber wir haben als Christen eine Gnade empfangen, die wir einfach weitergeben müssen. Und wenn das nicht überzeugt...

Wenn Begeisterung durch Vorleben funktioniert, wie schaffen Sie das zum Beispiel bei einer berufstätigen Frau mit Kindern?
Guido: Natürlich können wir einer Familie das Leben nicht vorleben, aber das steht nicht im Widerspruch. Man soll durch sein Leben begeistern. Das heißt nicht, dass alle so leben sollen.


Die Fragen stellte Johannes Lohmaier, Jugendredaktion "Die klar.texter"