„Ich war schon vor der Veranstaltung sehr gut über Facebook informiert und glaube, dass ich meine Facebookseite im Griff habe. Ich bin sehr vorsichtig und passe auf, wer meine Freunde sind, aktualisiere meine Privatsphäreneinstellung immer wieder, schaue öfter nach, wen ich wirklich kenne und mit wem ich rede, und entferne immer wieder Freunde aus meinem Profil. Trotzdem fand ich es gut, dass wir umfassend informiert wurden.“ Diese Punkte zählte Jana Mauder aus Wonfurt  als Fazit  nach einem Facebook-Vormittag in ihrer Klasse auf.

Facebook im Unterricht

Die 13-Jährige ist eine von 24 Schülern der Klasse 7c der  Auguste-Kirchner-Realschule in Haßfurt, die sich dank der schulbezogenen Jugendarbeit mit „Facebook & Co“ beschäftigten.  Immerhin sechs Unterrichtsstunden standen zur Verfügung.
Das Konzept hatte Marco Schindler von der Evangelischen Jugendarbeit Haßfurt ausgetüftelt zusammen mit  Religionspädagogin Manuela Bowitz vom „Livingroom“ am Schulzentrum  sowie den Jugendsozialarbeiterinnen Marina Pohley-Stubenrauch (Realschule), Carolin Geith (Regiomontanus-Gymnasium) und Nora Pfeil (Albrecht-Dürer-Volksschule).
„Wir haben die Jugendlichen der Realschule, die fast alle Experten in Sachen Facebook sind, eingeladen, mit uns über Facebook zu diskutieren“, erzählte Bowitz. „In der Expertenrunde haben wir auch unser Wissen eingebracht, um die Schüler aufzuklären und sie für die Gefahren und Nachteile sozialer Netzwerke im Internet zu sensibilisieren.“

Komplizierte Einstellungen

Gruppenarbeiten, Diskussionsrunden, Übungen: Die Jugendlichen setzten sich  intensiv mit dem Thema auseinander und erwarben auch  Sicherheit im Umgang mit Facebook. Denn wie macht man das denn nun mit den Privatsphäreeinstellungen? Dazu gab es gute Antworten.
Wer und was das  Unternehmen Facebook ist, welche Geschäftsbedingungen hier gelten, das war ein weites Feld. Schließlich gab es praktische  Tipps für den Umgang mit Facebook-Freunden, Bildern und Passwörtern.

Screenshot vom Chat

Jana Mauder, die rund 190 Facebook-Freunde  hat, scheint sich gut auszukennen. Sie meinte, ein Geheimnis würde sie über Facebook nur den drei, vier besten Freundinnen anvertrauen. Ob es wirklich vertraulich bleibt? Schließlich kann man ja auch von einem Chat ganz leicht einen Screenshot herstellen und den verschicken. Sehr gut erklärt fand sie, wie man sein Passwort baut: aus kleinen und großen Buchstaben – vielleicht die Anfangsbuchstaben eines  Satzes, also: „ich bin gut in der Schule“: ibgids. Noch Sonderzeichen dazu, und das ergibt das perfekte  Passwort: i*b+g“i%d°S. Sie selbst hat ihr Passwort bereits aus Ziffern und Zahlen aufgebaut und überlegt, ob sie noch Sonderzeichen einfügen sollte. Neu für sie war, dass Facebook Fotos ihrer Freunde kopieren und in Werbeblöcke einfügen kann. Ihre Gegenstrategie: „Ich werde wie bisher mein Profil immer wieder überprüfen und darauf achten, dass nur meine engeren Freunde meine Bilder auch ansehen können.“  Facebook nutzt sie hauptsächlich, um sich mit Freundinnen, die im Urlaub sind, mit Freunden, die nicht in ihre Klasse gehen, oder Bekannten, die weiter weg wohnen, zu unterhalten. Dafür geht eine halbe bis zu einer Stunde pro Tag drauf. „Bei schönem Wetter unternehme ich lieber etwas mit Freunden. Ich bin froh, wenn Freundinnen Zeit für mich haben, weil mir das wirklich wichtig ist.“

„Ich brauche es nicht“

Von den 24 Schülern ihrer Klasse sind nicht alle Nutzer von Facebook. Etwa der 13 Jahre alte Daniel Heinisch aus Wohnau. „Ich finde Facebook ganz gut, aber ich brauche es nicht“, sagte der Schüler selbstbewusst, „ich rede lieber richtig mit meinen Freunden.“ Schließlich hat er viele ganz „reale“ Freunde, mit denen er Fußball spielt, Fahrrad fährt oder am Computer spielt. „Einige meiner Freunde sind auf Facebook und haben mich aufgefordert, dabei zu sein. Aber davon lasse ich mich nicht beeinflussen“, sagte er. Die Informationsveranstaltung hat ihm trotzdem gefallen. „Es war super, weil ich vieles nicht gewusst habe“, berichtete er. „Falls ich mir nächstes Jahr ein Profil auf Facebook anlegen sollte, weiß ich auf jeden Fall schon, worauf ich besonders achten muss und dass ich mit meinen Daten sehr vorsichtig sein soll.“
Nicht nur die Realschüler lernen dazu. Das Ganze findet auch in der siebten Klasse der Mittelschule Haßfurt und in einer siebten Klasse des Regiomontanus-Gymnasiums in Haßfurt statt.

Autorin: Ulrike Langer