NORDHEIM

Zweiter Anlauf für Sandabbau in Nordheimer Au

Lange war es still um die Nordheimer Au. Das wird sich ändern. Die Regierung von Unterfranken will sich in Kürze zum umstrittenen Sand- und Kiesabbau äußern.
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Der Protest gegen den Sand- und Kiesabbau in der Nordheimer Au ist nicht nur dauerhaft in den Köpfen der Gegner verhaftet: Dieses Plakat an der Vogelsburg bei Volkach hat schon viele Monate, Sturm, Schnee und Regen überstanden. Foto: Foto: Hanns Strecker

Die monatelange Ruhe um den umstrittenen Sand- und Kiesabbau in der Nordheimer Au war trügerisch: Das Vorhaben der Kitzinger Firma Lenz-Ziegler-Reifenscheid (LZR) auf rund neun Hektar Fläche lief im Hintergrund weiter.

Mitte November seien geänderte Antragsunterlagen im Landratsamt angekommen, erklärte Pressesprecherin Corinna Petzold. Die lägen nun zur Prüfung bei der Regierung von Unterfranken und dem Würzburger Wasserwirtschaftsamt.

Behörden reagierten auf Zweifel

Die vor eineinhalb Jahren ins Licht der Öffentlichkeit geratenen LZR-Pläne stießen prompt auf Widerstand. Viele Nordheimer formierten sich gegen das Projekt, weil sie die Zerstörung der Landschaft zwischen dem Altmain und dem Radweg Richtung Sommerach befürchten. Zudem gehen sie von Lärm- und Staubbelastungen aus, wenn in der Au zehn Jahre lang Sand und Kies abgebaggert werden. Rückendeckung haben die Gegner durch eine Mehrheit im Gemeinderat.

Die Zweifel der Bürger, die sich in der Bürgerinitiative „Nordheimer Au“ zusammengeschlossen haben, blieben bei den zuständigen Behörden nicht ungehört. Die Regierung von Unterfranken, die sogar über ein aufwendiges Raumordnungsverfahren nachdachte, entdeckte Schwächen in den LZR-Unterlagen – unter anderem fehlten Details zu Artenschutz, zu Emissionsschutz und auch bei der Hochwasserlinie sah die Regierung „Ungenauigkeiten“.

Kommt aufwendiges Raumordnungsverfahren?

Konsequenz: LZR überarbeitete die Genehmigungsunterlagen, die nun geprüft werden. Gibt die Regierung grünes Licht, gehen die Papiere laut Petzold ans Landratsamt – als Genehmigungsbehörde – zurück. Von dort würden sie den übrigen Trägern öffentlicher Belange (unter anderem Behörden, Energieversorger Umweltverbände) weitergeleitet.

Das könnte sich noch ein wenig hinziehen. Einzelne Sachgebiete seien derzeit noch mit der Prüfung der LZR-Unterlagen beschäftigt, so Johannes Hardenacke, Pressesprecher der Regierung von Unterfranken. Im Laufe des Januar werde es eine Stellungnahme geben, die „insbesondere auch die noch offene Frage zur Erforderlichkeit eines Raumordnungsverfahrens beantworten wird.“

Artenarmut oder Artenreichtum?

Ob die Nachbesserungen des Rohstoffunternehmens greifen, wird sich dann zeigen. Beispielsweise beim Naturschutz: Sowohl die Bürgerinitiative als auch das Landratsamt bezweifeln bisher, ob die von LZR behauptete Artenarmut in dem Streuobstgebiet tatsächlich stimmt. Nach Beobachtungen der BI ist das Gegenteil der Fall. Das Landratsamt sprach im Juli von einem Lebenraum „mit besonderem Entwicklungspotenzial“ für geschützte Arten.

Ein Knackpunkt für die Abbaupläne könnte Köhler sein. Der Volkacher Ortsteil liegt auf der anderen Mainseite, gerade mal 150 Meter von der Au entfernt. Viele Bürger fürchten deshalb – auch wegen des Tourismus – den Baulärm und den Krach von täglich 40 Lasterfahrten. LZR hält in einem „überarbeiteten Konzept mit Lösungsvorschlägen“ im Internet dagegen. Der von Köhler aus sichtbare Teil werde nur in der kalten Jahreszeit ausgebaggert, wenn wenig Touristen in der Gegend seien.

Zweifel am LZR-Zeitplan

Das LZR-Konzept geht von einem Abbau über zehn Jahre und einer Grabungsfläche von sieben Hektar aus. Geplant seien fünf Abschnitte, die jeweils für sich ausgebeutet, renaturiert und teils als Naherholungsfläche umgestaltet werden sollen.

Allerdings gibt es starke Zweifel – auch im Volkacher Stadtrat – an der Zuverlässigkeit von LZR-Zeitangaben. Die Abbaugebiete in Fahr und Astheim, die schon seit vielen Jahren geschlossen und renaturiert sein müssten, sind weiter aktive Gruben.

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