SCHWARZACH

Zwei Dörfern droht der Verkehrskollaps

In Münsterschwarzach und Gerlachshausen stehen die Anwohner vor einer großen Belastungsprobe.
Artikel drucken Artikel einbetten
In Münsterschwarzach und in Gerlachshausen ist für Monate kein Durchkommen mehr.
+1 Bild

In Münsterschwarzach und Gerlachshausen stehen die Anwohner vor einer großen Belastungsprobe. Umfangreiche Kanalsanierungen und Straßensperrungen, neue Baugebiete, Maßnahmen der Dorferneuerung sowie hohe Investitionen in Fußgängerbrücke und Kindergarten halten die Menschen in den kommenden Monaten in Atem. Um den Stand der Dinge aus erster Hand zu erfahren, kamen am Donnerstagabend über hundert Frauen und Männer zur Bürgerversammlung ins Gasthaus „Zum Anker“ in Gerlachshausen. Im überfüllten Saal standen die Gemeindeoberen Rede und Antwort.

Die Sperrung der Schweinfurter Straße in Gerlachshausen macht den eh schon stark befahrenen Ägidiusweg am Ortsrand zur willkommenen Ausweichstrecke. Der Weg ist eigentlich nur für die Landwirtschaft und Anlieger zugelassen. „Die Situation ist aktuell schon nicht mehr erträglich“, sagte Wolfgang Tilgner. Er sieht in Gerlachshausens Norden „großes Gefährdungspotential“ vor allem für die vielen Radfahrer und forderte verstärkt Polizeikontrollen. Durch das neue Baugebiet zwischen Ägidiusweg und Dimbacher Straße mit 40 Bauplätzen erwartet er 150 weitere Fahrzeuge täglich. „Die Gemeinde muss sich da unbedingt etwas einfallen lassen“, forderte Günther Weckert.

Der Verkehr zum und vom Gymnasium des Klosters sei riesig. Wolfgang Müsch schlug vor, Sperrpfosten im Ägidiusweg einzubauen, dann sei der Durchgangsverkehr ein für alle Mal erledigt. Annette Hillenbrand regte an, die großen Abfallcontainer an eine andere Stelle zu versetzen, dann wäre dieser Verkehr auch schon mal weg.

Aus der Bürgerrunde kam immer wieder der Einwand, dass der landwirtschaftliche Verkehr nicht beeinträchtigt werden darf. Reinhold Kieser meinte: „Man hätte schon vor vielen Jahren hier Einhalt gebieten müssen.“ Heute sei jede neue Maßnahme sehr schwierig durchzusetzen. Andreas Högner bezog die angrenzende Dimbacher Straße mit ins Beschwerdekonzept: „Diese Straße ist eine echte Rennstrecke.“ Er schlug vor, eine Arbeitsgruppe zu bilden um eine versöhnliche Lösung für alle Beteiligten zu finden, auch was das neue Baugebiet betrifft. Für Matthias Hofmann sind Bodenschweller im Ägidiusweg die beste Lösung. Für Holger Wildauer nicht: „Für die Anwohner sind Bodenschweller vor allem nachts wegen des Lärms unerträglich.“

Mehrere Frauen beschwerten sich über riesige landwirtschaftliche Fahrzeuge, die im Ägidiusweg und in der Dimbacher Straße zu schnell und rücksichtslos unterwegs seien. Zwei Bürger forderten das Aufstellen von gemeindlichen Verkehrszählern in der Dimbacher Straße und in der Sonnenstraße, was Bürgermeister Volker Schmitt zusagte. Laut Ortschef ist jetzt erst einmal ein runder Tisch mit Vertretern der Behörden geplant um ein ganzheitliches Konzept „für alle“ zu finden.

Weiteres zentrales Thema in der Bürgerversammlung war der geplante Kindergartenanbau in Münsterschwarzach, der zwei Millionen Euro und den öffentlichen Kinderspielplatz daneben verschlingt. Es sei traurig, dass im Zuge der Erweiterung des Kindergartens der vorhandene Spielplatz aufgelöst wird und weitere Flächen versiegelt werden, meinte Werner Melber. „Dieser Spielplatz ist stark frequentiert, Eltern mit Kindern machen dort Picknick“, bat Ursula Falkenstein um die gemeinsame Nutzung des Spielplatzes mit dem Kindergarten. Das sei rechtlich nicht möglich, bedauerte Bürgermeister Schmitt. Man suche an anderer Stelle einen Spielplatzersatz. Reinhard Klos bemängelte die momentan schlechten Bedingungen für Kindergartenkinder, die aus dem Münsterschwarzacher Kindergarten St.

Felizitas ausgegliedert wurden und übergangsweise im Begegnungshaus Arche untergebracht sind. Klos sieht überhaupt ein riesiges Problem in der Durchführung der vielen Maßnahmen auf einen Streich. „Durch die Straßensperrungen müssen die Leute immer über die Umgehungsstraße fahren. Und da kommt man ja jetzt schon kaum raus“, so Klos.

Der Blick nach vorne zeigt, in den beiden Ortsteilen wird es 2018 nicht langweilig. Vollsperrungen der Ortsdurchfahrt, weil eine neue Bushaltestelle entsteht und die Straßen zur Kanalasaneirung aufgegraben werden. Zwei neue Baugebiete werden erschlossen: Gerlachshausen Süd-West und an der Dimbacher Straße/Ägidiuswegs. Die Fußgängerbrücke in Münsterschwarzach wird abgerissen und neu gebaut, mit zeitweiser Vollsperrung der Ortsdurchfahrt. Der Kindergarten in Münsterschwarzach wird erweitert. Zudem feiert Gerlachshausen (auch Düllstadt) 2018 das 1 100-jährige Bestehen. Am Erntedank-Fest wird laut Schmitt gefeiert und die Schweinfurter Straße im Ortszentrum an diesem Tag gesperrt.

Für diesen Artikel wurde die Kommentarfunktion deaktiviert.