Würzburg
Protest

Zwei Asylbewerber nach Hungerstreik in Klinik

Zehn iranische Asylbewerber gehen in Würzburg aufs Ganze und setzten dabei ihr Leben aufs Spiel. Aus Protest und um politisch anerkannt zu werden, verweigern sie seit Wochen die Nahrung. Sie wollen mit Bayerns Sozialministerin reden, doch die fühlt sich nicht zuständig.
Artikel drucken Artikel einbetten
Seit Wochen sind Würzburger Asylbewerber im Hungerstreik. Jetzt mussten zwei junge Iraner deswegen in die Klinik eingeliefert werden. Foto: Tobias Köpplinger
Der bereits mehr als zwei Wochen dauernde Hungerstreik von Iranern in Würzburg spitzt sich zu. "Der Streik fordert die ersten Opfer. Am Montagabend mussten zwei Männer als Notfälle in die Klinik eingeliefert werden", sagte Joachim Schrepfer am Dienstag in Würzburg. Er betreut als einer von drei Ärzten die insgesamt zehn Iraner medizinisch. Die Männer verzichten seit Montag auch auf Säfte und Tees und trinken nur noch Wasser.
"Die werden nicht mehr lange durchhalten. Jetzt wird es kritisch und vital gefährdend", sagte der Mediziner weiter. Die Männer klagten vor allem über Kopf-, Bauch- und Magenschmerzen. "In dem Stadium des Hungerstreiks muss stündlich mit einer akuten, nicht vorhersagbaren Verschlechterung gerechnet werden", so Schrepfer.

Die Iraner wollen mit ihrem Hungerstreik auf die langen Asylverfahren und die Zustände in den Gemeinschaftsunterkünften aufmerksam machen. Sie wollen außerdem als politische Flüchtlinge anerkannt werden und fordern die bayerische Sozialministerin Christine Haderthauer (CSU) zu einem gemeinsamen Gespräch in Würzburg auf. Die Politikerin wies die Forderung bislang zurück, da das Sozialministerium nicht für die Asylverfahren zuständig sei.


Appelle an Haderthauer



Haderthauer gerät deshalb jedoch zunehmend in die Kritik. Der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Volkmar Halbleib appellierte an die Sozialministerin, mit den Betroffenen vor Ort zu reden. "Auch durch die bislang fehlende Bereitschaft der Bayerischen Staatsregierung (...) hat sich die Absicht der Asylbewerber verfestigt, den Hungerstreik weiter zu führen. Das Risiko eines tragischen Ausgangs wächst damit täglich." Der Landtagspolitiker Hans Jürgen Fahn (Freie Wähler) forderte in einem Brief an den Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU), dass die Asylanträge der Streikenden geprüft werden sollen. Zudem sei es wichtig, die Situation der Asylbewerber in Bayern zu verbessern.

Die Stadt Würzburg hat die Aktion bis zum 11. April genehmigt. Eine Auflage ist, dass die 21 bis 34 Jahre alten Iraner zweimal täglich medizinisch untersucht werden. Seit dem 19. März schlafen die Iraner statt in der Gemeinschaftsunterkunft in einem Pavillon in der Nähe der Alten Mainbrücke. Seit Montag trinken sie nur noch Wasser und verzichten auch auf Säfte und Tees.

Dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge zufolge vergehen vom Antrag über die Entscheidung bis zum Ende eines Asylverfahrens durchschnittlich rund 12,9 Monate. Die meisten seien jedoch innerhalb von sechs Monaten abgeschlossen. 2011 haben in Bayern mehr als 7000 Menschen erstmals einen Asylantrag gestellt. Rund 1700 von ihnen erhielten einen positiven Bescheid. Nach Angaben des bayerischen Sozialministeriums leben derzeit etwa 10.150 Menschen in 126 Gemeinschaftsunterkünften, rund 1650 von ihnen in Unterfranken.
Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren