Gnodstadt
Denkmal

Zerstörte Mautpyramide wird neu errichtet

Im Dezember 2010 hatte ein Sattelzug die 230 Jahre alte Mautpyramide bei Gnodstadt gefällt. Das Denkmal wurde restauriert. Jetzt beginnt der Wiederaufbau.
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4. Dezember - Die mehr als 230 Jahre alte Mautpyramide auf Gnodstädter Gemarkung fällt einem Unfall zum Opfer. Archivfoto
4. Dezember - Die mehr als 230 Jahre alte Mautpyramide auf Gnodstädter Gemarkung fällt einem Unfall zum Opfer. Archivfoto
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Es war einer der spektakulärsten Unfälle im Landkreis Kitzingen und er forderte mit Sicherheit das älteste Opfer: Im Dezember 2010 war ein mit 24 Tonnen Stahl beladener Sattelschlepper aus dem Ostallgäu auf der Bundesstraße 13 an der Landkreisgrenze nach Neustadt/Aisch-Bad Windsheim ins Rutschen gekommen. Nachdem er die Leitplanke durchbrochen hatte, rammte er frontal die Mautpyramide aus dem 18. Jahrhundert. Das Wahrzeichen an der Bezirksgrenze von Unter- zu Mittelfranken war nach dem Aufprall förmlich in seine Einzelteile zerbröselt. Marktbreits Bürgermeister Erich Hegwein (CSU) bezeichnete den Schaden auch aus ideeller Sicht als Katastrophe.

Seitdem ist viel geschehen.

Die Bundesstraße war damals noch in zwei Fahrspuren getrennt. Zwischen den beiden Fahrbahnen stand die Mautpyramide. Inzwischen ist die B 13 auf einer Länge von 400 Metern nach der Abzweigung Enheim in Richtung Ochsenfurt komplett neu hergestellt und zu zwei nebeneinanderliegenden Fahrspuren zusammengeschmolzen. In der kommenden Woche soll die Vollsperrung aufgehoben werden. Parallel zur neuen Bundesstraße verläuft jetzt ein ebenfalls neu gebauter Rad- und Wirtschaftsweg. An seinem Rand - und damit schräg gegenüber dem alten Standort - wird die Mautpyramide wieder errichtet.

Deren möglicher Standortwechsel war bereits vor dem Unfall heiß diskutiert worden, als klar wurde, dass beim Neubau der B 13 auch ein Kreisverkehr errichtet würde. Ein Umzug der Pyramide dorthin hätte diese allerdings in den Nachbarlandkreis verlegt. Der Unfall hatte die Brisanz dieser Frage somit deutlich gesteigert. "Nach etlichen Diskussionen kommt der sprichwörtliche Stein des Anstoßes dahin zurück, wo er hingehört", erklärt Bürgermeister Hegwein.
Drei Wochen dauerten die Feinarbeiten an den einzelnen Elementen der Mautpyramide. "Wir mussten uns an alten Fotos der Pyramide orientieren", erklärt Restaurator Veselin Pusic. "Darüber hinaus waren die Unfallfotos für uns von unschätzbarem Wert, weil wir so die Ausrichtung der einzelnen Steine nachvollziehen konnten."

Dennoch hatte der Unfall noch ganz andere Probleme verursacht.

Hobby-Archäologen waren schnell zur Stelle und hatten einzelne Stücke der Pyramide mitgenommen. "Wir haben alles verbaut, was rund um die Unfallstelle zu finden war", berichtet Pusic. "Dann war es ein Puzzelspiel, die 270 restlichen Scherben richtig zuzuordnen." Dennoch fehlten einige Stücke, die von den Steinmetzen mit Steinergänzungsmörtel aufgegossen und wieder so modelliert wurden, dass sie der historischen Vorlage entsprachen. Problematisch war dabei vor allem die Inschrift auf dem Obelisken, der in den Jahren 1766 und 1773 von Markgraf Christian Friedrich von Brandenburg-Ansbach errichtet worden war. "Teile der Inschrift waren schon verwittert", so Pusic, der mit seinen Kollegen Arno Dankwardt und Thomas Wallrapp auf derartige Arbeiten spezialisiert ist. An der Mautpyramide musste im Zuge der Restaurierungsarbeiten 27 Buchstaben ersetzt werden.

Neben dem Wirtschaftsweg war in der Zwischenzeit ein etwa zwei Meter tiefer Betonsockel im Boden versenkt worden. Auf diesen wurden gestern die ersten bis zu drei Tonnen schweren Quader gesetzt. Der gesamte neun Meter hohe Obelisk wird dann rund 25 Tonnen wiegen. Im nächsten Jahr, wenn das Wetter wärmer ist, wird die Mautpyramide noch mit der Kalk-Lasur überzogen. Feierlich eingeweiht wird das Wahrzeichen am 14. November. Bis dahin soll auch ein Schild auf die historische Bedeutung des Denkmals hinweisen.

Somit hat der Unfall zumindest drei positive Aspekte.

Die Mautpyramide wird nun nicht mehr vom Verkehr umspült, steht in weitestgehend sicherem Abstand zur Fahrbahn und kann nun auch von Wanderern entsprechend studiert werden. "Damit ist ein Herzenswunsch der Gnodstadter Bevölkerung erfüllt", freut sich Bürgermeister Hegwein.

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