KITZINGEN

Würzburgerin darf nach Amsterdam

Die Würzburgerin Gisela Plettau hat bei der 10. World Press Fotoaustellung den Publikums-Wettbewerb „Gedanken zu meinem Bild“ gewonnen
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Gisela Plettau Foto: Foto: Plettau
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Gisela Plettau dürfte ihren Besuch bei der 10. World Press Fotoausstellung in Kitzingen wohl kaum je vergessen: Die Würzburgerin hat den Publikums-Wettbewerb „Gedanken zu meinem Bild“ gewonnen und darf mit Begleitperson zur Weltpremiere der 2016er Ausstellung nach Amsterdam reisen.

„Ich freue mich unglaublich auf die tolle Stadt und die Ausstellung“, fieberte die 51-Jährige am Telefon dem Holland-Trip entgegen. „Wir haben Freunde dort, werden sie treffen. Außerdem hängen wir noch zwei Tage an und besuchen auch die Hieronymus-Bosch-Ausstellung in Hertogenbosch“.

Dass der Beitrag von Gisela Plettau laut Urteil der Jury einstimmig gewonnen hat, kommt nicht von ungefähr: Plettau ist Mitinhaberin des „Atelier für Gestaltung“ in Würzburg und als freie Dozentin tätig, mit Schwerpunkt Textschulungen. „Uns hat überzeugt, dass ein Foto gewählt wurde, das wegen seiner Vielschichtigkeit eine intensive Auseinandersetzung fordert“, lobt Jurychef Volkmar Röhrig. Es sei kein Foto, „das Ausstellungs-Besucher wegen seiner Thematik vordergründig anspricht oder schnelle Antworten gibt.“

Das Bild von Lu Guang aus China, das Figuren von Schafen in einer verwüsteten Landschaft vor einem Kraftwerk zeigt, hat Gisela Plettau zum Nachdenken inspiriert, „weil man nicht auf den ersten Blick sieht, worum es geht.“ Sie habe durch das Foto auch den Impuls zur Recherche erhalten. „Bis dahin hatte ich mich mit der Situation in der Inneren Mongolei noch nie beschäftigt.“

In Holingo im Nordwesten Chinas gebe es immensen Rohstoffreichtum – Kohle, Gas, seltene Erden, Metalle. Doch Folge des rücksichtslosen Abbaus sei umfassende ökologische Zerstörung: verpestete Luft, verseuchte Böden, vergiftetes Wasser, zwangsumgesiedelte Menschen, sterbende Tiere, Zerstörung der Jahrtausende alten mongolischen Nomadenkultur.

Was Lu Guangs Foto zeige, „ist die Apokalypse“, schreibt Gisela Plettau. Das Aufstellen von Tierfiguren belege, „dass dem Mensch sehr wohl bewusst ist, was er zerstört. Denn er simuliert das von ihm Zerstörte: das Leben“. Damit solle Schuld vertuscht werden, Motto: „Schaut, es ist doch alles wie immer, alles ist gut“. Doch das sei es schon lange nicht mehr, schließt die Gewinnerin.

Laut Jurychef Röhrig hat es über 90 Wettbewerbs-Einsendungen gegeben, von Kassel bis München, Altersgruppe zehn bis 80 Jahre. „Das Spektrum der Gedanken war breit, es ging nicht nur um große Themen, sondern um Fotos, die auf den zweiten Blick ihre Geschichte offenbaren“.

Ein Drittel der Einsendungen sei von Schülern und Jugendlichen gekommen, ein Vielfaches gegenüber den Vorjahren. „Sie setzten sich oft mit Themen wie Krieg, Flüchtlinge, Tierquälerei auseinander“.

Jugendsieger und weitere Preisträger werden noch bekannt gegeben, noch offen ist auch der Termin für die Preisübergabe in Kitzingen.

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