WÜRZBURG

Wo Nachhaltigkeit gelebt wird

Beim Festsymposium der Universität Würzburg für Albrecht Fürst zu Castell-Castell hielten drei Referenten flammende Plädoyers für Nachhaltigkeit.
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Nach dem Festsymposium zur Nachhaltigkeit in der Neubaukirche (von links): Pater Christoph Gerhard aus Münsterschwarzach, Marie-Louise Gräfin zu Castell-Castell, Albrecht Fürst zu Castell-Castell sowie der Präsident der Universität Würzburg, Alfred Forchel mit seiner Frau Angela. Foto: Foto: Norbert Hohler

Der Begriff Nachhaltigkeit wird überstrapaziert, klingt fast schon abgedroschen. Und dennoch: Beim Festsymposium der Universität Würzburg in der Neubaukirche hielten drei Referenten flammende Plädoyers für Nachhaltigkeit, für das Bewahren der Schöpfung im Einklang mit wirtschaftlicher Nutzung.

Der Abend war das Geschenk der Universität Würzburg zum 90. Geburtstag ihres langjährigen Unibund-Vorsitzenden Albrecht Fürst zu Castell-Castell. Dieser hatte das Amt von 1960 bis 1987 inne und in den 27 Jahren die Mitgliederzahl von 150 auf fast 1000, das Eigenvermögen der Gesellschaft von 150 000 Mark auf rund 2,3 Millionen Mark gesteigert.

„Überragend“ nannte Präsident Alfred Forchel das Wirken des Jubilars und erzählte eine Begebenheit aus dem Jahr 1969: Als Chef der Castell-Bank habe Albrecht Fürst zu Castell-Castell 50 000 Mark für ein „Studentisches Wertpapier-Seminar“ bereit gestellt, für hautnahe Börsen-Praxis. „Haben die studentischen Fondsmanager Verlust gemacht, hat die Bank den Betrag wieder aufgefüllt. Wurde Gewinn erzielt, bekam der Universitätsbund einen Scheck, 1989 zum Beispiel 25 000 Mark.“

„Das Wesen der Nachhaltigkeit für mich ist die Familie, das Zusammenspiel der Generationen“ unterstrich Michael Prinz zu Salm-Salm, der sechs Kinder und 15 Enkel hat und der Schwiegersohn des Geehrten ist. „Wo diese Kette reißt, gerät etwas aus dem Lot.“ Er fühle sich als Verwalter des Besitzes, mit dem Auftrag, ihn zu erhalten und weiterzugeben. „Was Nachhaltigkeit heißt, kann man von der schwäbischen Hausfrau lernen: Nicht mehr ausgeben, als man einnimmt.“ Dieses Prinzip werde vielfach missachtet, über die Verhältnisse gelebt. Die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank etwa zerstöre Nachhaltigkeit. „Sie bestraft Sparer und belohnt Schuldner.“

Mit einem leichten Augenzwinkern nahm Pater Christoph Gerhard aus Münsterschwarzach das Thema Familie auf. „Das ist bei uns im Kloster naturgemäß etwas anders.“ Bei der Bandbreite von 23 bis 94 Jahren sei das „Familienleben“ der 80 Mönche bisweilen sehr spannend. Regenerativ zu arbeiten, liege den Benediktinern im Blut. „Wir profitieren davon, was vor 500 oder 100 Jahren geschaffen wurde. Und wir arbeiten dafür, dass weitere 500 oder 1000 Jahre hinzukommen können.

“ Das viel beachtete Konzept des Klosters, den Energiebedarf komplett selbst zu decken, sei aber nicht genug. „Nachhaltigkeit bedeutet auch, beim Essen regional und saisonal zu handeln. Wir verzichten bewusst auf Dinge, die bei uns gerade nicht wachsen.“

Professor Jörg Hacker, Mitglied im Ethikrat der Bundesregierung, sieht die Wissenschaft als Pioniere der Globalisierung. Der Leopoldina-Präsident nannte als Schwerpunkte für Nachhaltigkeit unter anderem die Biomedizin, die Klima- und Energiesituation unseres Planeten, die Digitalisierung der Gesellschaft. „Wissenschaft beschreibt den Ist-Zustand, gibt Zukunfts-Empfehlungen. Weil sie stets einen Schritt voraus ist, ist sie unverzichtbar für die Politik.“

Bei seinem Dank an Universität, Redner und das Akademische Orchester für das „wunderbare Geburtstagsgeschenk“ bezeichnete Albrecht Fürst zu Castell-Castell Nachhaltigkeit als sein „wichtigstes Prinzip: Jeder im Saal möge seinen Beitrag dazu leisten“, bat er die rund 300 Gäste. Das Lob für seine Arbeit im Unibund gab er zurück: „Ich habe mehr gewonnen als reingegeben.

“ Nachhaltigkeit habe umfassende Bedeutung für das ganze Leben. „Gottes Schöpfungsauftrag lautet, die Erde zu bebauen und zu bewahren.“

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