Kitzingen

Wo Kaugummi und Ehekitt wachsen

Die Minigärtner legen ein Präriebeet an und entdecken spannende Geheimnisse der Indianer-Stauden.
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Passend zum Thema Prärie gibt es nicht nur Tipis und Lagerfeuer, sondern jetzt auch ein neues Präriebeet. Die Kräuter können künftig beim Grillen genutzt werden.
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Die Kaugummipflanze kommt in die Mitte, die Blaue Lobelia ganz nach hinten, die Knollige Seidenpflanze an den Rand. Fachmännisch legen die Kinder die kleinen Pflanzen an den richtigen Platz. Ein ziemliches Gewusel, bei 24 Mädchen und Jungs. Doch alles klappt – schon nach kurzer Zeit ist das neue Präriebeet in der Erlebniswelt Strohofer in Geiselwind angelegt.

Große Kästen voller zunächst unbekannter Pflanzen warteten bei der ersten Pflanzaktion der „Europa Minigärtner Wiesentheid“ neben den großen Tipis auf die schon aufgeregten kleinen Nachwuchsgärtner. Till Hoffmann und Fine Molz von der Staudengärtnerei hatten sie zusammengestellt und auf Info-Blättern auch die Geheimnisse der Pflanzen aus der Indianerwelt zusammengetragen. Nicht nur die Kinder waren überrascht, sondern auch Projektleiterin Margot Burger, Fritz von der Erlebniswelt und Ruth Strohofer, die die Pflanzaktion nicht nur interessiert verfolgte, sondern auch beim Einpflanzen kräftig mithalf.

Bei der ersten Aktion der Minigärtner stand erst einmal ein Kennenlernspiel auf dem Programm. Die Kinder, die zunächst in einem losen Haufen beieinander standen, mussten einen Kreis bilden und sich ihren Namen entsprechend alphabetisch ordnen. Die Schwierigkeit dabei: Jeder musste auf einer runden Holzscheibe stehen und durfte mit den Füßen den Boden nicht betreten. Also hieß es, sich gegenseitig zu helfen. Gleichzeitig lernten alle die Namen der Teilnehmer. „So finden die Kinder als Gruppe zusammen“, erklärte Ruth Strohofer, „jeder muss etwas tun und alle müssen miteinander kommunizieren.“ Das Spiel funktionierte prima, schnell war der Kreis in der richtigen Reihenfolge geschlossen.

„Wenn ihr im Team arbeitet, geht vieles leichter als wenn einer alles alleine machen muss“, machte Fritz den Kindern deutlich. Spielerisch lasse sich das sehr gut vermitteln, so seine Erfahrung. Kein Wunder also, dass die Dreierteams, die anschließend gebildet wurden, ihre Aufgaben dann auch flott erfüllten.

Jedes Team bekam eine Pflanze zugeteilt und stellte sie den anderen Kindern vor. Zum Beispiel das Büffelgras. „Eine wichtige Nahrungspflanze der Büffel“, erklärte Lukas. Seit die Cowboys die Indianer verdrängt haben, dient es als Nahrung für Rinder, Schafe und Pferde. Damit sich kein Wald ausbreitet, haben die Indianer die Prärie etwa alle zehn Jahre angezündet – das Büffelgras wächst weiter, die großen Bäume und die Sträucher sterben ab. So war die Nahrung für die Büffel gesichert.

Der Bleibusch wächst nur dort, wo wirklich Prärie ist. Die getrockneten Blätter wurden von den Indianern als Tee und zum Rauchen genutzt, das Pulver als Pflaster in Schnittwunden geblasen. Die Fasern des Louisiana-Beifuß wurden zu Körben verarbeitet. Den Saft des Sonnenhutes verwendeten die Indianer als „Zaubertrank“, um zum Beispiel über glühende Kohlen laufen zu können. Die Heilpflanze wurde gegen Schlangenbisse, Bienenstiche, Kopf- und Zahnschmerzen, aber auch Bauchkrämpfe verwendet. Auch heute noch wird sie genutzt, um Erkältungen zu bekämpfen.

Große Augen machten die Kinder, als Johanna die Blaue Lobelia vorstellte. Auch sie ist eine Heilpflanze, der Tee wurde zum Beispiel bei Nasenbluten verwendet. Aber die Lobelia kann noch mehr: Gab es streitende Ehepaare im Stamm, mischten die Indianer heimlich sehr fein gehackte Wurzeln der blauen Lobelia unter das Essen der Streitenden. Das sollte eine Trennung verhindern.

Spannend ist auch die Kompass-Pflanze: Sie soll Blitze anziehen, weshalb die Indianer ihre Zelte nicht in der Nähe der Pflanze aufbauten, erzählte Leopold. Während der Blüte enthält sie duftendes Harz, das die Indianerkinder als Kaugummi verwendeten.

Winzig klein sind die Samen des Prärie-Fallsamengrases. Die duftenden Samen wurden in großen Körben geerntet, um daraus Mehl zu machen. „Könnt ihr euch vorstellen, wie lang das gedauert hat, bis der Korb voll war?“, fragte Margot Burger die Kinder. Wohl kaum, denn ein Junge sagte prompt: „Heute gibt's den Mähdrescher.“

Während das Fallsamengras im Herbst intensiv gefärbt ist, besticht die Knollige Seidenpflanze wegen ihrer auffälligen Blütenfarbe. Ihre Wurzeln wurden von den Indianern zerdrückt und bei Quetschungen und Schwellungen äußerlich angewendet.

Wie richtige Gärtner es tun, verteilten die Kinder anschließend die vielen Pflanzen erst einmal auf dem großen, von Fritz vorbereiteten Sandbeet, direkt neben dem Tipi. Dabei ging es darum, wie groß die Pflanzen und Gräser werden, ob sie Sonne brauchen oder es feucht mögen. Dann ging es ans Pflanzen, und auch dabei lernten die Kinder so einiges: Die Wurzeln müssen ganz von Sand bedeckt sein, die dunkle Erde darf nicht herausragen. „Der Sand muss ihnen bis zum Hals stehen“, erklärte Margot Burger. Und dass die Pflanze vorsichtig angefasst und nicht an den Stängeln herumgezerrt wird, hatten die Kinder auch schnell verinnerlicht.

Ruth Strohofer war von der Pflanzaktion begeistert, denn die Kräuter und Pflanzen können künftig nicht nur bewundert, sondern auch verwendet werden, beispielsweise beim Kochen am Lagerfeuer.

Die Indianerwelt ist eine von sieben Welten, die in der Erlebniswelt zu finden sein werden. Unter anderem wird eine russische und eine mongolische Welt entstehen, aber auch der Wein wird eine Rolle spielen, schließlich stellt Geiselwind den Übergang vom Steigerwald ins fränkische Weinland dar. Viele Sträucher, Obstbäume, Kräuter und Raritäten wurden schon gepflanzt, und viel wird noch dazukommen – passend jeweils zu den Themenwelten. Wichtig ist dabei immer, den Besuchern nahe zu bringen, was die Natur alles bietet. „Es ist ein kleiner Beitrag, das wieder mehr ins Bewusstsein zu rücken“, sagt Ruth Strohofer.

ONLINE-TIPP

Mehr Bilder: www.inFranken.de

Erlebniswelt Strohofer

Die erste Pflanz-Aktion führte die Europa Minigärtner Wiesentheid in die Erlebniswelt Strohofer in Geiselwind, wo sie Indianer-Stauden aus der Prärie Amerikas von der Staudengärtnerei Rödelsee pflanzten. Die 2016 eröffnete Erlebniswelt Strohofer bietet Aktivitäten für Familien, Kindergärten, Schulen aber auch Vereine und Firmen. Der Kletterpark bietet Herausforderungen für kleine und große Abenteurer. Über zwölf Kletterparcours mit über 100 Elementen in verschiedenen Schwierigkeitsstufen reihen sich auf eine gesamte Kletterstrecke von fast einem Kilometer. Im Frühjahr 2018 wird der Kletterpark weitere Elemente bieten. Ein Kinderparcours für mutige Indianer wurde bereits installiert, daneben gibt es eine Bogenschießanlage mit über 35 3D-Zielen sowie ein Indianerdorf mit fünf Tipis zum Übernachten. Die Anlage basiert auf den Prinzipien der Erlebnispädagogik. Zentrale Komponenten dieses Ansatzes sind die Bausteine Handeln, Erleben und Reflektieren. Auch ganz individuelle, persönliche Themen, wie Zieldefinition, Kommunikation, der Umgang mit Stress, Selbstvertrauen erleben und erweitern oder Frustrationstoleranz können durch die Aufgaben und Übungen angegangen werden. Viele Firmen nutzen die Erlebniswelt mit dem Kletterpark und der Bogenschießanlage für Teamworks oder um zu Beginn der Ausbildung die Azubis gezielt auf die Herausforderungen der Arbeitswelt vorzubereiten. Im Rahmen der EU-Mini Gärtnern wurde für den Herbst 2017 ein besonderes Workshop-Programm für Firmen aufgesetzt, in dem Teams gemeinsam Bäume pflanzen als Symbol des Zusammenhalts, Neuanfangs und der Zukunftsorientierung. red


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