MAINBERNHEIM

Wo einst scharf geschossen wurde - der Pulverturm

Eigentlich ist er nur einer von 18 Türmen der Stadtmauer in Mainbernheim, jedoch irgendwie auch ein ganz besonderer: der Pulverturm.
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Bürgermeister Peter Kraus mit seinem Vater Kurt Kraus vor dem Pulverturm in Mainbernheim. Der diente dem wehrhaften Städtchen im Mittelalter als Waffenlager. Foto: Fotos: Timo Lechner
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Eigentlich ist er nur einer von 18 Türmen der Stadtmauer in Mainbernheim, jedoch irgendwie auch ein ganz besonderer: Nicht nur wegen seiner charakteristisch runden Form fällt der Pulverturm rein optisch etwas aus der Reihe im Reigen der Erhebungen an der nördlichen Stadtmauer.

Er hatte um das Jahr 1400, als er entstand, auch eine besondere Funktion, auf die sein Name bereits hinweist: Waffen wie Gewehre, Hakenbüchsen, Lanzen oder Schießpulver wurden einst darin aufbewahrt. Und es muss auch mal jemand darin gewohnt haben.

Wohnidee wurde schnell verworfen

Wer durch das Untere Tor tritt und gleich links entlang der Stadtmauer hoch läuft, der stößt direkt auf den Pulverturm. Eine schöne Ansicht auf ihn hat man auch vom davor liegenden Holzgraben aus, oder auch vom Garten des evangelischen Gemeindehauses.

Oft schließt Bürgermeister Peter Kraus das alte Schloss des Rundturmes in den Befestigungsanlagen nicht auf. Vor einigen Jahren wollte sich ein Interessent den Turm mal von innen anschauen, um sich dort wohnlich einzurichten. Doch die Idee wurde schnell wieder verworfen. Schließlich ist der Turm zwar massiv gebaut, bietet aber letztlich wenig Platz, um sich auszubreiten, von Elektrizität und fließendem Wasser ganz zu schweigen.

Schutthaufen statt Waffen und Pulver

Waffen und Pulver werden hier schon lange nicht mehr gelagert. Den Besucher erwartet erst einmal ein Schutthaufen, wenn er das hölzerne Portal passiert hat. Mittendrin eine alte, ächzende Holztreppe, über die es in den ersten und einzigen Stock des Turmes geht. Rechteckige, profilierte Fenster spenden ausreichend Licht. In einer Ecke muss mal ein Ofen gestanden haben. Darauf verweisen die Ruß-Spuren, die sich an einer Wand bis nach oben schlängeln.

Ein Kind der Neuzeit ist dagegen der Dachstuhl, der vor rund 30 Jahren im Zuge einer breit angelegten Stadtmauersanierung aus massiven Holzbalken erstellt wurde. Jüngeren Datums ist auch ein ausgemauertes Fenster, bei dem der Ziegelstein blank liegt, während an den übrigen Wänden noch Reste von Putz zu finden sind. In einem Winkel liegt ein kaputter Holzstuhl, auf einem der Fenstersimse entdeckt der aufmerksame Betrachter einige Zeitungsseiten: Die Main-Post, Lokalausgabe Kitzingen vom 30. August 1972. Die wurde also hier im Turm mal gelesen und liegen gelassen.

Noch keine Verwendung gefunden

„Der Turm gehört der Stadt und wird natürlich verkehrssicher gehalten“, erklärt Bürgermeister Kraus. Allerdings habe man bislang noch keine Verwendung für ihn gefunden. Falls sich ein Investor fände, der dem über 600 Jahre alten Bauwerk neues Leben einhauchen möchte – bitte schön.

„Wir wissen leider nicht viel über den Pulverturm“, sagt Kurt Kraus. Der 90-Jährige ist nicht nur der Vater des Bürgermeisters, sondern seit vielen Jahrzehnten auch so etwas wie das wandelnde Lexikon Mainbernheims. Bald will er seine Aufzeichnungen, Recherchen und Bilder in einem Buch zusammenfügen, dann natürlich auch mit dem Pulverturm. Außer seiner Verwendung als Waffenlager im einst wehrhaften Markgrafenstädtchen ist aber auch Kurt Kraus nicht viel mehr bekannt.

Immerhin verweist der Archivar auf die Aussparungen in der Stadtmauer, die nur wenige Meter vor dem Turm in Höhe des dahinter liegenden Gartens des evangelischen Gemeindehauses zu finden sind: Hier seien Latten eingesteckt worden, worauf Bretter befestigt waren, damit die Wachposten ums Städtchen laufen konnten. In Höhe des nach außen ragenden Kragsteins am Pulverturm kamen sie schließlich an. Hier muss einst der Abort gewesen sein. Fallhöhe: Etwa vier Meter, direkt in den davor liegenden Graben. So war das eben im Mittelalter.

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