NORDHEIM/RAMSTHAL

Wo der Wein als Lockmittel dient

Hammelburg ist derzeit in aller Munde: Die älteste Weinstadt Frankens blickt auf 1300 Jahre Geschichte zurück. Doch in „Frankens Saalestück“ gibt es mehr zu entdecken...
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Prächtig ist der Ausblick vom Altenberg über Ramsthal und die umgebenden Höhenzüge mit Weinbergen und Wäldern. Die Fränkische Weinkönigin Christina Schneider (im Bild) war von Frankens Saalestück richtig angetan. Eine Bilderserie des Besuchs unter: www.mainpost.de/kitzingen. Foto: Foto: Norbert Hohler
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„Ich habe nach kurzer Bedenkzeit Ja gesagt. Heute habe ich ein Alleinstellungsmerkmal für meinen Betrieb“.
Nur Marcel Hümmler (Elfershausen) baut in Franken Osteiner-Wein an

Hammelburg ist dieser Tage in aller Munde: Die älteste Weinstadt Frankens hat Geburtstag, blickt auf 1300 Jahre Geschichte zurück. Ein stolzes Jubiläum: Doch würde man Frankens Saalestück nur darauf reduzieren – es bliebe einem Vieles verborgen.

Die Fränkische Weinkönigin Christina Schneider weiß das nur zu gut: Bei Teil zwei ihrer Entdeckungsreise durch Franken (Auftakt: Abt-Degen-Weintal) schwärmt die 21-Jährige noch von Mirjam Gössmann-Schmidts Krönung als Ramsthaler Weinprinzessin Ende Mai. „Ihre Vorgängerin Irina Neder war sechs Jahre im Amt. Also ist dort eine Krönung etwas Außergewöhnliches und dementsprechend euphorisch fällt die Feier aus“, so Schneider. Zum Abschied sei sie mit dem Frankenlied aus dem Saal geleitet worden, viele hätten ihr zugewunken. „Irgendwer hatte das Lied angestimmt, fast alle haben spontan mitgesungen. Es war total schön.“

Panoramablick von Ruine Aura

Ein gutes Stichwort: Schließlich ist auch die Ruine Aura als Ausgangspunkt der Visite durch Frankens Saalestück beeindruckend, wobei der Panorama-Weitblick von der Terrasse des gleichnamigen Ausflugslokals der Hit ist. „Mir geht hier jedes Mal das Herz auf,“ schwärmt Matthias Büttner, der das Lokal von seinem Bruder übernommen hat, zuvor bei der GWF in Hammelburg tätig war. Die Mama packt mit an, füttert erst die Hühner, führt die Hunde aus: Sie ist die gute Seele des Hauses.

Als Frankens Saalestück als touristische Einheit vor acht Jahren auf den Weg gebracht wurde, gehörte Herrmann Kolesch von der Landesanstalt für Wein- und Gartenbau (LWG) zu den treibenden Kräften, wollte die Gemeinden stärker an das Fränkische Weinland anbinden.

Anfangs eine Vernunftehe

Zwischen den Beteiligten war es anfangs mehr Vernunftsehe denn Liebesheirat. Schließlich bestand zwischen Dörfern wie Wirmsthal und Ramsthal schon immer eine gewisse Rivalität, Hammelburg hat so viel Strahlkraft, dass sich andere im neuen Verbund auf der Schattenseite wähnten – und wieder andere haben weder Weinberge noch Wein.

„Es waren also Ideen gefragt. Wir sind ja auch Wander- und Radregion, haben Wasserski und Kanu – daraus ist der Slogan: 'Da lass ich mich treiben' entstanden“, so Büttner. Der Wein soll vor allem Aufhänger und Lockmittel sein, sich im Sinne der Gäste mit den anderen Angeboten ergänzen. „Aber natürlich zieht der Wein – Wirmsthal als nördlichste Weinbaugemeinde Frankens, Hammelburg als älteste Weinstadt.“

Fünf Winzer in der Ethos-Gruppe

Eine wichtige Rolle spielen dabei auch junge, ehrgeizige Winzer wie Marcel Hümmler aus Elfershausen: Allein fünf der zwölf fränkischen Betriebe der Ethos-Gruppe sind im Saalestück beheimatet, haben sich mit Blick auf die nächste Generation zu schonender Arbeitsweise im Weinberg verpflichtet. Hümmler, der mitten im Ort aus der alten Scheune des Weinguts eine moderne Vinothek gemacht hat, wartet mit einer Überraschung auf: Ins Glas kommt ein Osteiner, eine alte Rebsorte von 1928, die Richtung Riesling geht und auf ein altes Adelsgeschlecht auf dem Rheingau zurückgeht. „Ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort“, erzählt Hümmler und meint das Landratsamt. Denn dort war ein Winzer für ein Projekt im Trockenmauerweinberg gesucht, der Osteiner-Reben anpflanzt und biologisch bearbeitet.

„Ich habe nach kurzer Bedenkzeit Ja gesagt. Heute habe ich ein Alleinstellungsmerkmal für meinen Betrieb“, frohlockt Hümmler.

Müller-Thurgau und Bacchus

Mit dem Wein verbunden ist auch Weinerlebnis-Gästeführer Bernhard Gössmann-Schmidt, der Vater der neuen Ramsthaler Weinprinzessin. Beim Rundgang auf den St. Klausen Wanderwegen oberhalb des Ortes erzählt er, dass nach der Flurbereinigung vor 37 Jahren vor allem Müller-Thurgau und Bacchus angebaut wurden. „Das waren seinerzeit die gängigen Sorten, Silvaner kam später.“

Gab es vorher viele Kleinbetriebe im Nebenerwerb, oft mit Heckenwirtschaft, konnte ab den 1990er Jahren Betriebe wachsen, etwa das weithin bekannte Weingut Baldauf. „Und auch Rotwein wurde seinerzeit zum ersten Mal angepflanzt.“ Die Ramsthaler sind umtriebig: Im Herbst wird der erste terroir-f-Punkt in Frankens Saalestück eröffnet, der poetische Wanderweg mit 17 Gedichten für jede Jahreszeit und Stimmungslage ist längst ein Renner.

Kunst in der alten Schule

Und als vor einiger Zeit die Alte Schule nicht mehr für den Unterricht gebraucht wurde, wurde sie kurzerhand für Kurse in Malerei mit Weinprobe umfunktioniert. „Anfangs stehen die Gäste vor der Leinwand und sagen, sie können das nicht“, so Gössmann-Schmidt. „Doch zwischen den Erläuterungen der Künstlerin stelle ich immer einen Wein vor: irgendwann geht das fast wie von selbst. Am Ende sind alle stolz auf ihre Bilder.“

„Die Vielfalt begeistert mich“, sagt Christina Schneider am Schluss, als sie am liebsten mit einem Gleitschirmflieger vom Heroldsberg aus abgehoben wäre. „Das will ich unbedingt einmal machen.“ Die Weinkönigin ist beflügelt von Frankens Saalestück – da haben die Gastgeber offenbar vieles richtig gemacht.

Frankens Saalestück

2009 haben neun Gemeinden von Bad Kissingen bis Hammelburg den Verbund gegründet, Sulzthal kam kürzlich als Nummer zehn hinzu. Träger sind die Landkreise Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld, die Mitarbeiterinnen Franziska Bischof und Ann-Kathrin Mack sind bei der Tourismus GmbH Bayerische Rhön beschäftigt.

Zweimal jährlich tagen die Bürgermeister von Bad Kissingen, Euerdorf, Ramsthal, Sulzthal, Aura, Elfershausen, Fuchsstadt, Oberthulba, Wartmannsroth und Hammelburg sowie weitere Beteiligte; die Arbeitskreise bei Bedarf. Finanziert wird Frankens Saalestück aus Fördertöpfen sowie Beiträgen der beiden Landkreise und Gemeinden. Der Wein spielt im nördlichsten Anbaugebiet Frankens eine große Rolle. Insgesamt werden rund 150 Hektar Rebfläche – vorwiegend mit Muschelkalkbö- den, oft mit Steillagen – bewirtschaftet. Der Silvaner ist bei den Sorten vorne.

Frankens Saalestück bildet die Klammer zwischen den touristischen Großbereichen Bayerische Rhön und Fränkisches Weinland. Wandern, Radeln, Kanufahren, Gleitschirmfliegen, Golf, Angeln und vieles mehr sind an Freizeitmöglichkeiten geboten. Infos/Broschüren Tel. (09721) 902 430 E-Mail: info@frankens-saalestueck.de Internet: www.frankens-saalestueck.de

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