MÖNCHSONDHEIM

Wo der Computer die Schweine füttert

Die moderne Landwirtschaft ist in den Höfen angekommen. Wie im Zucht- und Mastbetrieb Uhlmann in Mönchsondheim. Dort arbeitet ein Computer mit. Im Stall.
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Wenige Tage alt sind die Ferkel im Schweinezucht- und Schweinemastbetrieb von Margarate und Martin Uhlmann in Mönchsondheim. Im Bild (von links) Azubi Jana Emmert, Senior Georg Weigand, Margarete und Martin Uhlmann. Foto: Foto: Harald Meyer

„Wir haben es satt“. Unter dem Motto sammeln sich die Gegner von Agrarindustrie und großen Mastbetrieben bei der Internationalen Grüne Woche in Berlin, die am Freitag ihre Pforten öffnet. Die Gegenbewegung nutzt den Satz: „Wir machen euch satt.“ Den nutzte der Bayerische Bauernverband (BBV), um am Dienstag bei einem Stallgespräch im Zucht- und Mastbetrieb Uhlmann in Mönchsondheim für die moderne Landwirtschaft zu werben.

Tiere und Technik

Die Kritiker sehen gerade bei großen Mastbetrieben das Tierwohl gefährdet. Alois Kraus, BBV-Kreisobmann, beurteilt das komplett anders: „Wir kümmern uns um unsere Tiere.“ Da helfe vor allem die moderne Technik, die bei großen Betrieben eingesetzt werde. Dabei seien die Tiere aber keineswegs lebendiger Spielball der Landwirtschaft 4.0. „Die Viehalter sind verantwortlich für das Wohl der Tiere, nicht die Technik.“

Ein gutes Beispiel aus seiner Sicht ist der Betrieb der Uhlmanns. Der Aussiedlerhof auf der Höhe über Mönchsondheim, gebaut 2012, ist nicht gerade klein. Margarete und Martin Uhlmann haben 350 Muttersauen und 800 Mastschweine im Stall. Und rund 500 Ferkel, die laut Martin Uhlmann bis 30 Kilogramm Gewicht großgezogen werden. Zwei Drittel geht an andere Mäster, meist in nächster Nähe.

Das Klima kommt vom Rechner

Der Stall ist auf dem Stand der Zeit. Das junge Landwirtepaar hat viel Geld in Technik investiert. Ohne Computer geht wenig. Der steuert die Fütterung, stimmt das Fressen auf den Bedarf der Tiere ab. Und damit die Schweine im Stall es möglichst warm haben, sorgt eine rechnergesteuerte Belüftungsanlage mit Wärmetauscher für 18 bis 20 Grad in den einzelnen Abschnitten des Stalls. Die Belüftung nimmt zwar nicht den Schweineduft, verdünnt aber den normalerweise dicken Mief.

„Fast schon ein Paradies für die Tiere“, sagt BBV-Geschäftsführer Rudolf Bender. Der erinnert an die Schweineställe von früher, die kaum natürliches Licht reingelassen haben, meist eng und stickig waren. Und wo Stallhygiene noch ein Fremdwort war. Dass ist bei den Uhlmanns anders. Wer in den Stall will, muss raus aus den Schuhen und rein in den Overall.

Schließlich soll kein Erreger von draußen die Tiere infizieren, denn: „Nur ein gesundes Tier kann die Leistung bringen“, betont Bender aus Sicht der Fleischproduzenten. Landwirtin Margarete Uhlmann sieht das ein wenig emotionaler. Der Spaß bei der Arbeit mit den Tieren sei weg, wenn die unter Krankheiten leiden.

Die Betriebe werden immer größer

Die Technik im Betrieb hat aber auch ihre Kehrseite. Der hohe Aufwand treibe die Kosten nach oben, die ein kleinerer Betrieb nicht schultern könne, so Gerd Düll, Leiter des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Kitzingen. Dies zeigten schon die Zahlen. Während 1995 noch gut 400 Schweinehalter rund 8300 Zuchttiere in den Ställen hatten, seien es zuletzt 67 Halter mit rund 5000 Schweinen gewesen.

Eine ähnliche Konzentration gab es Düll zufolge bei der Mast. Aus 700 Betrieben seien 200 geworden – mit gut 40 000 Tieren im Landkreis blieb die Zahl etwa gleich. Was beide Bereiche verbindet: Die Zahl der Betriebe mit hohen Tierbeständen steigt kontinuierlich. Rund die Hälfte der heimischen Mastbetriebe haben laut Düll mehr als 800 Tiere im Stall.

Schweinefutter von eigenen Äckern

Der Computer, der im Betrieb der Uhlmanns die Schweine bedient, steht für die moderne Landwirtschaft. Das was er in den Trögen verteilt, ist eher wie früher: „Das meiste Futter haben wir selber“, sagt Martin Uhlmann. Kein Wunder: Die Landwirtsfamilie bewirtschaftet 200 Hektar, wo unter anderem Futtererbsen für die Säue angebaut werden.

Der Hof ist übrigens nicht nur ein Stück moderne Landwirtschaft, sondern auch Ausbildungsbetrieb. Mit Azubi Jana Emmert aus Kleinlangheim ist der achte Lehrling auf dem Hof. Und einer der Nachwuchslandwirte ist hier sogar hängen geblieben – als Betriebshelfer.

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