Wenn man derzeit die Mitarbeiter der Wasser- und Schifffahrtsämter auf ihren obersten Dienstherrn anspricht, sollte man sich wappnen: Entweder bekommt man gar keine Antwort, oder eine, die sich gewaschen hat. Peter Ramsauer ist zum Buhmann geworden, seit er angekündigt hat, dass er ernst machen will mit der Neuordnung der Schifffahrtsverwaltung. Das schlägt hohe Wellen - wieder mal, denn sie taucht seit gut zehn Jahren regelmäßig auf, die "Reform der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes".
Jetzt steht eine Entscheidung bevor - aber nichts genaues weiß man nicht in den Behörden, die dem Bundesverkehrsminister unterstellt sind: sieben Wasser- und Schifffahrtsdirektionen (WSD) im Bundesgebiet (die WSD Süd für Bayern sitzt in Würzburg) und eine Ebene tiefer die Wasser- und Schifffahrtsämter (zum Beispiel in Schweinfurt) und die Wasserstraßen-Neubauämter (Aschaffenburg). Der Pressesprecher der WSD Süd, Adrian Bejan, weiß, dass dem Haushaltsausschuss am 18. Mai ein Abschlussbericht vorgelegt werden soll - wieder einmal. "Ansonsten habe ich keine Informationen."
Die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes verfügt über einen Haushalt von 1,8 Milliarden Euro (2011) und knapp 16 000 Mitarbeiter. Ihre Hauptaufgabe besteht darin, den Verkehr auf den Bundeswasserstraßen reibungslos fließen zu lassen. Besonders augenfällig ist dies auf dem Main, wo die Mitarbeiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes über Fernsteuerzentralen wie die in Marktbreit oder Volkach nicht nur den Verkehr in den Schleusen regeln, sondern die überdimensionale Technik auch in Schuss halten müssen. So wurden bei der jüngsten Schifffahrtssperre unter anderem in der Schleuse Hohenfeld die Tore erneuert.

"Schwerfällig, ineffektiv, teuer"


Genug zu tun also für die "Wassermänner", und dennoch gerät ihre Verwaltung regelmäßig ins Visier des Bundesrechnungshofes. "Schwerfällig, ineffektiv, zu teuer" - so lautet seit gut zehn Jahren regelmäßig das vernichtende Urteil. Die Vorschläge des Bundesrechnungshofes laufen auf eine Privatisierung nach dem Vorbild anderer Bundesbehörden hinaus; Reduzierung auf eine Kernverwaltung und Vergabe eines Großteils der Leistungen an Privatunternehmen.
Dass Ramsauers Reformpläne in diese Richtung gehen könnten, ist möglich, Konkretes erfährt man aber nicht. Vera Moosmayer, Pressesprecherin des Bundesverkehrsministeriums, weist lediglich darauf hin, dass an der "lange überfälligen Reform" gearbeitet und das Konzept noch diesen Sommer vorgestellt werde. Ziel der Reform sei, den bedarfsgerechten Erhalt und Ausbau der Bundeswasserstraßen sicher zu stellen "und dafür die Verwaltung zu stärken und effizienter aufzustellen". Immerhin dementiert sie Gerüchte, die WSD Süd könnte vor dem Aus stehen - was auch die ihr unterstellten Ämter mit den Außenstellen betroffen hätte. "Es sind weder ein Stellenabbau noch die Schließung von Standorten geplant", sagt Moosmayer ausdrücklich. Seit 1993 seien in der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung bereits rund 3000 Stellen abgebaut worden - darunter auch das Personal der Hohenfelder Schleuse, seit diese von Marktbreit aus ferngesteuert wird. "Mehr wäre gar nicht zu verkraften."
Vor Ort schwankt die Stimmung zwischen bangem Abwarten und Fatalismus. "Es kommt, wie's kommt", sagt Helko Fröhner, der stellvertretende Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes in Schweinfurt, der auf entsprechende Fragen mit einer Gegenfrage antwortet: "Wissen Sie denn schon was? Die Zeitung erfährt so was doch immer eher als wir ...".
Auf der unteren Ebene fürchten manche eine Entscheidung inzwischen weniger als das "ständige Hin und Her", wie Fröhner sagt: Vor einem halben Jahr hieß es, die Außenbezirke der Wasser- und Schifffahrtsämter (Volkach für das Amt in Schweinfurt) könnten die ersten Reformopfer sein. Das wurde schnell dementiert - wie nun auch die Auflösung der WSD.
"Wir hängen oft in der Luft und hangeln uns von Bericht zu Bericht - jetzt warten wir auf den am 18. Mai", sagt Eva Brückner, Außenbezirksleiterin in Volkach. Manche würden sich bei jedem neuen Gerücht verrückt machen, andere - wie sie - seien inzwischen abgestumpft. "Man gewöhnt sich irgendwie an die Situation, nie zu wissen, was man glauben kann." Aber man hört ihr an, dass sie sich über die Informationspolitik ärgert. "Bevor Infos von offizieller Stelle kommen, erfahren wir das Meiste aus der Presse."