SOMMERACH

Winzerhof: Leuchtendes Beispiel für Denkmalschutz

Über 2000 Stunden Eigenleistung haben Christine Götz und Rainer Fuchs in einen alten Winzerhof in Sommerach gesteckt. Am Tag des Denkmals gab es Führungen - unter den Besuchern auch frühere Bewohner.
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Historische Bausubstanz wurde wenn möglich erhalten, zum Beispiel die alten Holztüren, die Technik aber auf den neuesten Stand gebracht. Foto: Jan Speth
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Sehr behutsam haben Christine Götz und Rainer Fuchs einen Winzerhof in Sommerach aus dem Jahr 1765 saniert und dabei historische Substanz mit zeitgemäßem Bauen unter einen Hut gebracht. Am „Tag des offenen Denkmals“ am Sonntag gab es Führungen durch das Baudenkmal – unter den Besuchern waren auch frühere Bewohner des Hauses.

„Das ist ein leuchtendes Beispiel für gelungenen Denkmalschutz“ lobte Sommerachs Bürgermeister Elmar Henke die Sanierung und Instandsetzung des Wohnhauses aus dem 18. Jahrhundert in der Häckergasse. „Das hat Charme und animiert andere“ erhofft sich das Gemeindeoberhaupt Nachahmer. Die Bauherren Götz und Fuchs wurden für ihr Projekt 2015 mit dem Förderpreis der Kulturstiftung des Bezirks Unterfranken ausgezeichnet.

„Das war Liebe auf den ersten Blick“ beschrieb Rainer Fuchs die Situation, als er 2010 das alte Gebäude – mehr durch Zufall – gefunden hatte. Ein Jahr später kaufte der selbstständige Diplom-Ingenieur und Energieberater das Haus und begann 2012 mit der Sanierung. „Ich war am Anfang noch etwas skeptisch“ erinnerte sich Christine Götz, die anhand von Bildern den Besuchern ein Vorher-Nachher-Vergleich der Räume ermöglichte.

„Das war Liebe auf den ersten Blick.“
Rainer Fuchs Bauherr

Über 2000 Stunden Eigenleistung steckten die beiden Sommeracher bisher in das Haus, dessen Alter mit Hilfe einer Holzanalyse („Dendrochronologie“) auf das Jahr 1765 datiert ist. „Früher wohnte hier eine Winzerfamilie“ berichtete Fuchs, ein großer Weinkeller und ein Zapfenloch für eine Kelteranlage zeugen noch heute davon. Finanzielle Unterstützung für das Vorhaben gab es vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, von der Bayerischen Landesstiftung, vom Bezirk Unterfranken, vom Landkreis Kitzingen und von der Gemeinde Sommerach. Bei der KfW-Bank wurde ein Darlehen aufgenommen.

So viele historische Bauteile wie möglich zu erhalten und dennoch eine deutliche energetische Verbesserung zu erreichen waren die Hauptziele der Bauherren. Stuckdecke, Diamantmotive im Bad und alte Malereien konnten so erhalten werden, die alten Holztüren wurden mit Fingerspitzengefühl aufbereitet. „Die Schablonenmalereien, die Sie sehen, sind alle nach historischem Vorbild“, sagte Fuchs. Mit einer sechs Zentimeter Innendämmung und zweifachverglasten Fenstern wurde das Haus energetisch verbessert.

„Strom und Wärme bekommen wir über ein Gas-Blockheizkraftwerk, das zugleich auch das Nachbarhaus versorgt. Wir sind fast autark“, erklärte Christine Götz.

Auch die Haustechnik wurde mit einer Hausautomation (BUS-System), einer Fußbodenheizung und einer zentralen Staubsauger-Anlage – man muss im Zimmer lediglich noch einen Schlauch anschließen – auf einen zeitgemäßen Stand gebracht.

„Mit so einem Besucherandrang haben wir nicht gerechnet“ waren sich die Bauherren einig. Etwa 20 Personen nahmen pro Führung teil. Unter den zahlreichen Gästen waren auch ehemalige Bewohner des Hauses: „Ich hab das hier alles fast nicht mehr wiedererkannt“ sagte Käthe Kaupert sichtlich berührt, die bis 1951 in dem Haus gelebt hatte. Mit zehn Jahren war die Sommeracherin damals eingezogen und erlebte hier ihre Kindheit. „Aber es ist schön, dass Menschen viel Geld in den Erhalt gesteckt haben“, fand die Seniorin.

Das Objekt

Der Hof in der Häckergasse 16 in Sommerach ist ein denkmalgeschützter Mansarddachbau mit so genannten geohrten Rahmungen und Hoftor aus dem 18. Jahrhundert auf rund 130 Quadratmetern Grundfläche. 2012 wurde mit der Sanierung begonnen, 2014 der erste Teil bezogen, weitere Arbeiten laufen derzeit noch.

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