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Wildschweinplage: Jäger im Steigerwald verbünden sich

Wildschweine sind in Mainfranken zur Plage geworden - auch für die Jäger. Die machen jetzt dem Schwarzwild im Steigerwald besonderen Druck.
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Teilerfolg: Nach der revierübergreifenden Drückjagd auf Wildschweine mit Jägern und Treibern aus 15 Revieren von Abtswind bis in den Nachbarlandkreis Neustadt/Aisch wurde, wie hier in Abtswind, das Ergebnis begutachtet und gefeiert. Foto: Foto: Ralf Weiskopf

Wer am Samstag im Steigerwald unterwegs war, wurde mit Hinweisschildern gewarnt: „Tempo 30“ und „Treibjagd“ war entlang vieler Straßen zu lesen. Eigentlich für die Jahreszeit nichts Ungewöhnliches, doch diesmal ging es um die vermutlich größte revierübergreifende Drückjagd, die je im Landkreis und benachbarten Revieren stattgefunden hat. Einziges Ziel: Wildschweine. Die sind auch im Landkreis Kitzingen zu einer regelrechten Plage geworden. Landwirte beklagen Schäden, die in die Tausende gehen und fürchten zudem den Ausbruch der Schweinepest. Auch die Zahl der Wildunfälle spricht Bände.

Die Idee zu der Drückjagd hatte unter anderem Moritz Fehrer. Dessen Familie hat seit vier Generationen die Jagdreviere Abtswind und Langenberg gepachtet. Von Anfang an dabei...



...auch die Familie Castell-Rüdenhausen. „Als das Vorhaben bekannt wurde, haben sich sofort die Pächter und Eigentümer von zehn benachbarten Revieren im Kreis Kitzingen und weitere fünf aus dem angrenzenden Landkreis Neustadt-Aisch angeschlossen“, berichtete Fehrer. Von Abtswind über Castell und Iphofen, bis hinein in den Altlandkreis Scheinfeld krachten am Samstag die Büchsen und bellten die Jagdhunde.

Schon früher habe es Versuche gemeinsamer Jagden gegeben, erinnert sich Fehrer. Aber danach habe mehr Damwild oder Rehwild als Schwarzwild auf der Strecke gelegen, weil viele Jäger diese Jagden nutzten, ihren Abschussplan zu erfüllen. „Wieso soll ich das Wild zum Nachbarn treiben und es dort erschießen lassen?“

So wie er hätten damals viele gedacht und das Projekt sei gescheitert, bevor es richtig begonnen hatte, sagt Fehrer. Sehr zur Freude der Schwarzkittel, die seither prächtig gediehen und sich munter weiter vermehrten.

Inzwischen ist der Druck auf die Jäger hoch. Für Reviere finden sich keine Pächter mehr, weil sie für Schäden aufkommen müssen, die von Wildschweinen angerichtet werden, weiß Klaus Damme: „Erneut ein Pluspunkt für die Schwarzkittel.“ Der Biologe ist Vorsitzender der Kreisgruppe des Bayerischen Jagdverbandes.

Heinrich-Josef Coßmann, Berufsjäger bei der Familie Fehrer und einer der Hauptorganisatoren der Drückjagd, sagt, dass es viele Gründe für die wachsende Zahl der Wildschweine gibt. „Ich kann nicht sagen, ob sich die Zahl der Wildschweine seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges im Landkreis verdoppelt, verfünffacht- oder verzehnfacht hat. Aber ich weiß, dass sich die Population bei günstigen Bedingungen in einem Jahr um 300 Prozent erhöht.“

„Unsere Familie jagt in der vierten Generation. Aus der Familienjagdchronik geht hervor, dass der Abschuss eines Wildschweines früher die Ausnahme und ein Ereignis war“, ergänzt Moritz Fehrer. Nach dem Krieg habe sich dies geändert. Zunächst rechnete man mit einer Wildsau pro Monat, bei steigender Tendenz. „Die letzten Jahre waren alle Rekordjahre mit 40 Tieren und mehr.“

Vorwürfe, das Problem sei von den Jägern selbst verursacht, weil sie die Wildsäue anfüttern, weisen diese zurück. „Blödsinn“, sagt Damme. Das Kilo Mais, das ein Jäger zur Kirrung je 100 Hektar und Tag nahe dem Hochsitz auslegen dürfe, falle nicht ins Gewicht.

„Bei der Mais-Aussaat im Frühjahr werden mehrere Doppelzentner je Hektar ausgebracht und lockt die Säue an.“ Mais sei bis zur Ernte im September ein Festmahl für die Schweine.

Dann zögen sie weiter in die Wälder zur Eichelmast. Habe es früher im Schnitt alle sieben Jahre eine Eichelmast gegeben, sei sie inzwischen alle zwei Jahre zu beobachten. Bucheckern und Eicheln seien Leckerbissen für die Tiere. Auch der Waldumbau trage zum Problem bei. „Immer mehr Fichtenbestände werden durch Misch- oder reine Laubwälder mit Eichen und Buchen ersetzt“, so der Experte. „Das ist für die Schweine das Paradies und für uns Jäger ein Alptraum. Die Wildschweine haben es gar nicht nötig an den Futterstellen vor dem Hochsitz des Jägers zu erscheinen“, so Damme.

Auch wenn im Januar noch eine große Jagd und einige kleinere Jagden bei Großlangheim, Kitzingen und Mainbernheim geplant sind, werde das Problem so nicht zu lösen sein, sind sich Fehrer, Coßmann und Damme einig. „Die Säue sind schlau.“ Allein bei Abtswind waren am Samstag 30 Jäger, 15 Treiber, fünf Hundeführer und einige Berufsjäger im Einsatz. Die Strecke: ein 90 Kilo-Keiler, erlegt von Fehrer, drei Bachen und drei Überläufer. Nach einem Tier wurde noch gesucht.

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