SULZFELD

Wieviel Holz wächst im Sulzfelder Wald?

Der Forstwirtschaftsplan für den Sulzfelder Wald wird erneuert. Bürgermeister und Förster sind gleichermaßen gespannt auf Ergebnisse der gerade begonnenen Untersuchung.
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Trotz Dauerregens haben sie den forstlichen Blick nach oben gerichtet: Bürgermeister Gerhard Schenkel, Forstreferendar Dr. Jörg Summa, Forstsachverständiger Dieter Hüttlinger und Revierleiter Achim Volkamer. Foto: Foto: Klaus Behr

Der Gemeindewald Sulzfeld ist öffentlicher Wald, und deshalb ist er vorbildlich zu bewirtschaften. Grundlage dafür sind Pläne, die regelmäßig erhoben und überarbeitet werden. Jetzt sind in Sulzfeld die Arbeiten zur Erneuerung des Forstwirtschaftsplans angelaufen.

Wie geht es in den nächsten 20 Jahren mit dem Sulzfelder Wald weiter? Mit dieser Frage befassen sich derzeit die Gemeinde, die Fachleute vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Kitzingen (AfELF) und der Forstsachverständige Dieter Hüttlinger aus Würzburg. Die Ergebnisse, die dabei ermittelt werden, liefern die Grundlage für die nachhaltige Bewirtschaftung des Waldes in den nächsten 20 Jahren, heißt es in einer Pressemitteilung des AfELF. Sulzfeld kann dabei auf eine gute Basis zurückgreifen, denn dass der Gemeindewald schon seit Jahrzehnten auf dem allerbesten Weg ist, belegt eine Auszeichnung: 2014 erhielt die Gemeinde den Bayerischen Staatspreis für vorbildliche Waldbewirtschaftung.

Der Forstwirtschaftsplan ist für Waldbesitzer und die zuständigen Förster das Planungs- und Steuerungsinstrument für die Waldbewirtschaftung. Zunächst werden dabei mittels einer Inventur Daten über den aktuellen Zustand des Waldes erhoben. „Mit den daraus gewonnenen Ergebnissen lassen sich die bisher erfolgten forstlichen Maßnahmen bewerten und Ziele für die künftige Waldbewirtschaftung ableiten“, teilt die Behörde mit. Eines der wichtigsten Ergebnisse ist dabei der sogenannte Hiebsatz. Er legt fest, wieviel Holz jährlich eingeschlagen werden kann, damit eine nachhaltige Nutzung garantiert ist.

Bevor mit den praktischen Arbeiten im Wald begonnen werden konnte, trafen sich kürzlich Bürgermeister Gerhard Schenkel, Klaus Behr, der Bereichsleiter Forsten des Amtes für Ernährung Landwirtschaft und Forsten, der für den Gemeindewald in Sulzfeld zuständige staatliche Revierleiter Achim Volkamer, der Forstsachverständige Dieter Hüttlinger sowie Forstreferendar Jörg Summa im Rathaus, um grundsätzliche Fragen zu klären. Sie diskutierten dabei beispielsweise über die Veränderungen der Waldflächen innerhalb der letzten 20 Jahre durch Kauf, Verkauf oder Tausch, über die Erschließungssituation mit Forstwegen und Rückegassen oder die jagdlichen Verhältnisse vor Ort.

Fit machen für den Klimawandel

Ein ganz zentraler Punkt für die forstlichen Planungen waren natürlich die Zielsetzungen des Waldeigentümers: Welche Bedeutung hat die Brennholzversorgung der Gemeindebürger, welche Rolle soll der Naturschutz spielen?

Im Anschluss daran zog es die Teilnehmer trotz Regens in den Wald. Dort diskutierten sie anhand von Beispielbeständen ausgiebig über die weitere Pflege und Gestaltung des Waldes. Zentrales Thema war dabei, die Wälder fit für den Klimawandel zu machen. So sollen in den sehr stark von der Eiche dominierten ehemaligen Mittelwäldern weitere Mischbaumarten wie Hainbuchen, Linden, Elsbeeren, Speierlinge, Vogelkirschen, Nussbäume oder auch Esskastanien aus Naturverjüngung oder – wenn die Samenbäume fehlen – durch Pflanzung eingebracht werden. „Dadurch wird deren Widerstandskraft gegen blattfressende Schmetterlingsraupen verbessert.“ Die wenigen Nadelholzreinbestände im Gemeindewald sollen ebenfalls mit einheimischen Laubbäumen wie zum Beispiel Buchen, aber auch einzelnen Tannen angereichert und langfristig in stabile Mischwälder umgebaut werden.

Neben der Holznutzung spielt aber auch der Naturschutz im Sulzfelder Wald eine zentrale Rolle. Dies liegt am besonders hohen Anteil alter Eichen – insgesamt liegt der Eichenanteil bei 82 Prozent. An diesen Eichen lebt eine Vielzahl seltener Insekten- und Vogelarten wie Hirschkäfer oder Mittelspecht. Um diesen Tieren auch weiterhin optimalen Lebensraum bieten zu können, sollen gezielt alte Eichen als Biotopbäume erhalten und ein Teil des Holzes als stehendes oder liegendes Totholz im Wald belassen werden. Nennenswerte Flächen des Sulzfelder Waldes werden daher mit Mitteln aus dem Bayerischen Vertragsnaturschutzprogramm Wald gefördert.

Bäume zählen und vermessen

In den nächsten Monaten wird der Forstsachverständige Hüttlinger nun dem Wald der Gemeinde Sulzfeld intensiv auf den Zahn fühlen. An fixen Probepunkten wird er die dort wachsenden Bäume zählen und exakt vermessen. Auch mögliche Biotopbäume und die Menge an Totholz wird er erfassen. So weiß er am Ende, aus welchen Baumarten sich der Sulzfelder Wald zusammensetzt, wieviel Kubikmeter Holz dort wachsen und wieviel Kubikmeter in den nächsten Jahren hinzukommen werden. „Daraus kann er dann ableiten, wieviel Holz die Gemeinde zukünftig jedes Jahr nachhaltig ernten darf“, so die Behörde.

Bis Jahresbeginn soll die Erhebung abgeschlossen sein. Dann wird es noch einmal einen Waldbegang geben, bei dem die Ziele und Planungen vorgestellt und durch die Gemeinde mit dem Forstamt einvernehmlich festgesetzt werden. Das gemeinsame Ziel wird dabei sicher sein: Das „Schatzkästchenen“ Sulzfelder Wald ganz behutsam weiterentwickeln.

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