GNODSTADT/SEINSHEIM

Wiedersehen mit Aiwanger und Aigner

Bier verbindet. Meistens. Im Kitzinger Landkreis ist das etwas anders. Da haben sich zwei verkracht. Mit Erfolg: Es gibt jetzt zwei Feste zum Tag des Bieres.
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Haut am 18. April in Gnodstadt auf die Pauke: Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger, der schon 2014 als Redner und später als Dirigent vollen Körpereinsatz zeigte. Foto: Foto: Daniel Peter
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Man soll im Leben ja immer das Gute sehen: Also freuen wir uns gleich auf zwei Feste zum Tag des Bieres in unserer Region – die es deshalb gibt, weil sich 2013 Brauereichef Sebastian Rank aus Gnodstadt und der CSU-Landtagsabgeordnete Otto Hünnerkopf sauber verkracht haben. Ergebnis nach längerem Hin und Her: Die 1998 geschlossene Ehe wurde geschieden, die daraus bestand, dass der Eine den Saal und das Bier stellte und der Andere einen CSU-Redner.

Zum 500. Geburtstag des Reinheitsgebotes gibt es interessanterweise gleich ein doppeltes Wiesersehen: Ilse Aigner war 2013 bislang letzte CSU-Rednerin in Gnodstadt und wird nun am Freitag, 22. April, in Seinsheim erwartet. Zuvor darf Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger am 18. April in Gnodstadt erneut im „schwarzen Revier“ wildern – genau wie 2014, zur CSU-freien Premiere. Schon wieder Aiwanger, wird sich mancher fragen, und Fakt ist: Die Ideallösung für Sebastian Rank ist der Niederbayer eher nicht. Denn eigentlich hatte der rührige Düll-Seniorchef zum doppelten Jubiläum – Gnodstadter Bier gibt es seit 175 Jahren – insgeheim von Ministerpräsident Horst Seehofer geträumt.

„Es wäre gar nicht so schlecht, wenn es nicht wieder so brechend voll würde wie 2014.“
Sebastian Rank zum zweiten Aiwanger-Auftritt in Gnodstadt

Das indes wäre im Jubiläumsjahr des Reinheitsgebots schon mit voller CSU-Unterstützung nicht einfach geworden, nach dem Zerwürfnis mit Hünnerkopf geriet es zum Ding der Unmöglichkeit. Zeitweise hat der Brauereichef, wie er verriet, auf Innenminister Joachim Herrmann gehofft, doch das wäre angesichts der herrschenden Konstellation ein Affront für die heimische CSU gewesen: Herrmann und Aigner am gleichen Tag oder kurz hintereinander, das hätte zu Verwerfungen geführt.

Nun also erneut Aiwanger. Wer den Mann vor zwei Jahren erlebt hat, wird Joachim Herrmanns Ausbleiben vielleicht gar nicht allzu sehr bedauern.

Auch, weil sich die Welt weitergedreht hat, andere Themen in den Vordergrund geraten sind: Noch vor einem Jahr war Griechenland der große Aufreger, und jetzt? Ja, selbst der vor zwei Monaten alles beherrschende Streit um das Flüchtlingsthema hat an Schärfe verloren, seit nicht mehr jeden Tag bis zu 3000 Neue in Deutschland ankommen.

Indes darf man sicher sein, dass Aiwanger die menschenunwürdige Situation in griechischen Lagern aufgreifen, den Regierenden in Berlin und München die Leviten liest. Los gehts wie gewohnt um 19 Uhr mit den Rodheimer Musikanten, für Brotzeit und Festbier ist gesorgt. „Es wäre gar nicht so schlecht, wenn es nicht wieder so brechend voll würde wie 2014“, findet Sebastian Rank. Ob er nach dem Doppel-Jubiläum weitermacht oder den Tag des Bieres – ähnlich wie vor einiger Zeit Brauerei und Gaststätte – in die Hände seines Sohnes Martin legt, da hält er sich bedeckt. „Das weiß ich noch nicht, jetzt wird erst mal gefeiert.“

Zünftig zugehen wird es auch vier Tage später in Seinsheim. Nach der gelungenen Premiere mit Bayerns Finanz- und Heimatminister Markus Söder kommt am Freitag, 22. April, Ilse Aigner ins Jugendheim. Die Oberbayerin will wie Söder die Nachfolge von Ministerpräsident Horst Seehofer antreten. Und ein Qualitätsmerkmal in Bayern ist zweifellos, ob jemand ein Bierzelt rocken kann – oder nicht.

„Sie soll alle Register ziehen“, freut sich CSU-Kreischef Hünnerkopf auf die Wirtschaftsministerin. „Aber klar ist auch: Jeder hat auch andere Stärken und Neigungen.“ Aigner hatte kürzlich im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung die Krallen gegen Söder ausgefahren. „Ich bin ein sehr geduldiger Mensch. Aber wenn man mich zu viel reizt, wird's haarig.“ Und, ohne Namen zu nennen, nachgelegt: „Es gibt wohl keinen bei uns, der ein Universalgenie ist.“ Mehr davon, mag man Aigner vor dem Auftritt in Seinsheim zurufen, der um 19 Uhr beginnt – diesmal mit Klängen der Seinsheimer Blaskappelle. Mal sehen, war Bürgermeister Heinz Dorsch danach sagt. Vor einem Jahr hatte er sich klar für Söder als nächsten Landesvater ausgesprochen.

Redner zum Tag des Bieres

Gnodstadt, Brauerei Düll, 1998: Willi Müller; 1999: Hans Spitzner; 2000: Josef Miller; 2001: Eberhard Sinner; 2002: Michael Glos; 2003: Thomas Goppel; 2004: Günther Beckstein; 2005: Monika Hohlmeier; 2006: Joachim Hermann; 2007: Erwin Huber; 2008: Georg Schmid; 2009: Markus Söder; 2010: Georg Fahrenschon; 2011: Ludwig Spänle; 2012: Christine Haderthauer; 2013: Ilse Aig- ner, 2014: Hubert Aiwanger; 2015: Walter Heidl. Seinsheim, Jugendhaus, 2015: Markus Söder. noh

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