KITZINGEN

Wieder mehr Einsatz für die Nachbarn

Der große Zustrom von Flüchtlingen ist vorbei. So können sich die Ehrenamtlichen „eine Stunde Zeit“ wieder der eigentlichen Nachbarschaftshilfe widmen. Ihre Erfahrungen:
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Eine Rose als Dank: Damit belohnten Katrin Anger und Diakon Lorenz Kleinschnitz die ehrenamtlichen Helfer, die allwöchentlich eine Stunde Zeit für ihren Nächsten übrig haben. Foto: Foto: GERHARD BAUER

Nach dem Abschluss umfangreicher Betreuungen im Zusammenhang mit dem Zustrom von Flüchtlingen trafen sich jene Frauen und Männer, die sich im Rahmen der Nachbarschaftshilfe in der Gruppe „eine Stunde Zeit“ zusammengefunden haben. Sie verfolgen mit Begleitung durch die Caritas Kitzingen das Ziel, Menschen, die Hilfe und Betreuung nötig haben, immer wieder Zeit zu schenken: ehrenamtlich, unentgeltlich und vor allem streng vertraulich.

Beim Treffen im Dekanatszentrum tauschten 18 Teilnehmer unter der Leitung von Diplom-Pädagogin Katrin Anger von der Caritas und Diakon Lorenz Kleinschnitz die Erfahrungen der vergangenen Monate aus. Die Gruppe verzichtet bewusst auf eine Vereinsstruktur und hat sich statt dessen ein Koordinierungsteam gegeben, das mit der Caritas zusammenarbeitet.

Anger stellte fest, dass in den vergangenen zwei Jahren viele zusätzliche ehrenamtliche Helfer zur Flüchtlingsbetreuung einsprangen und für die eigentlich beabsichtigte Nachbarschaftshilfe aus Zeitmangel kaum noch Gelegenheit war. Weitere Helfer seien kurzfristig nicht zu finden gewesen. Nachdem die Flüchtlingsbetreuung auslief, sei die Gruppe nun wieder offen für neue Aufgaben.

Hier wird geholfen

Aus einer Vorstellungsrunde wurden die vielfältigen Betreuungen ersichtlich, die oftmals mehr als nur eine Stunde Zeit in der Woche umfassen. Sie reichen von Besuchen zuhause, im Krankenhaus und Heimen bis zur Unterstützung von Spiele- und Unterhaltungsnachmittagen in Senioren- und Pflegeheimen ebenso wie der Hilfe bei Einkäufen mit und ohne Fahrzeugeinsatz sowie bei Hausaufgaben.

Gerne wird versucht, alleinstehende Menschen etwa nach Todesfällen und Schicksalsschlägen wieder in die Gesellschaft zurückzuführen.

Der Einsatz muss ungezwungen erfolgen, Spaß machen und harmonisch verlaufen, so lautet die einhellige Forderung, die alle ehrenamtlichen Helfer an sich selbst stellen.

Es kann allerdings auch vorkommen, dass nach dem Tod eines langjährig betreuten Menschen – zumindest vorerst – keine persönliche Betreuung angeboten wird. Es kann auch vorkommen, dass ein erster Kontakt geknüpft wird, dann aber aus unterschiedlichen Gründen nicht als Hilfestellung zustande kommt. Vielfach besteht eine Hemmschwelle bei Hilfebedürftigen, denn der Nachbar, Freunde und sogar die Familie sollen nichts von der Hilfebedürftigkeit mitbekommen.

Selbst wer früher als Helfer den Gedanken „so etwas mache ich nie“ verfolgte, sieht sich bald eines besseren belehrt und bringt sich umfassend in die Helferstunden ein.

Über den damaligen Dekan Herbert Baumann wurden vor etwa 14 Jahren erste Kontakte geknüpft, eine Hilfegruppe in Kitzingen zu etablieren.

Einsamkeit als großes Leiden

Die Aktion findet bei Diakon Lorenz Kleinschnitz vorbehaltlose Unterstützung, denn ein Pfarrer könne die Betreuung nicht mehr übernehmen. Andererseits wollten sich immer mehr allein stehende Menschen ihren Kummer von der Seele reden können. Kleinschnitz bezeichnete die Einsamkeit als größtes Leiden neben der Angst vor Krankheiten.

Was die Gruppe für andere Menschen mache, bezeichnete Kleinschnitz als ein Stück Seelsorge. Wer hier mitmache, opfere zwar Zeit – jedoch mit Freude. Für viele Alleinstehende sei der Besuch eines Helfers gleichbedeutend mit einem Feiertag, auf den er sich die ganze Woche schon freue. Diese Erkenntnis tue auch vielen Helfern selbst gut. Für alle Helfer gab es zum Dank für den geleisteten Einsatz eine Rose.

Zeit füreinander: Wer mitmachen möchte, kann unter Tel. (0 93 21) 2 20 30 oder www.caritas-kitzingen.de Kontakt aufnehmen.

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