Geesdorf

Wie der Strohrömer zum Schmuckstück wird

Die "Europa Minigärtner" fertigen ihren eigenen Adventskranz. Für die kleinen Hände ist das gar nicht so einfach.
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Damit sich keiner die Finger verbrennt, übernehmen die Erwachsenen die Arbeit mit der Heißklebepistole. Margot Burger bringt die Wachstropfen an, Hendrik klebt die Deko dann auf seinen Kranz.
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„Eure Zeit ist jetzt um“, sagt Sabine Lang. Die Kinder reißen erschrocken die Augen auf. Müssen sie tatsächlich die Schere weglegen und ein halb fertiges Werk mit nach Hause nehmen? Natürlich nicht. Die Minigärtner dürfen ihren Adventskranz in Ruhe fertig binden. Aber der Hinweis zeigt ihnen, wie schnell eine Floristin einen Kranz fertig haben muss: in sieben Minuten.

Mit Begeisterung erkunden 24 Kinder aus dem Landkreis seit September im Rahmen des Projekts „Europa Minigärtner“ die Gartenbaubranche. Rechtzeitig vor Beginn der Vorweihnachtszeit trafen sie sich nun bei Pflanzen Weiglein in Wiesentheid um einen Adventskranz zu binden.

Begrüßt wurden die Mädchen und Jungen von Gastgeberin Sabine Lang, Projektleiterin Margot Burger von der LWG und von einem riesigen Wagenrad. Jedes Kind durfte eine der 24 Kerzen, die darauf angebracht waren, anzünden. Damit lernten sie auch gleich die Geschichte des Adventskranzes kennen: 1839 baute der Theologe und Erzieher Johann Hinrich Wichern aus einem alten Wagenrad einen Holzkranz, weil einige Kinder in einem Hamburger Waisenhaus immer wieder gefragt hatten, wie lange es denn noch bis Weihnachten dauere. Er steckte so viele Kerzen auf das Rad wie Tage bis Heiligabend verblieben. 24 Kerzen sind es längst nicht mehr, stattdessen schmücken vier Kerzen den Kranz, so dass jeden Adventssonntag eine angezündet wird. Auch über die symbolische Bedeutung erfuhren die Kinder allerlei: Der Kranz steht für den ganzen Erdenkreis, der auf Weihnachten wartet, sowie für die Ewigkeit des Lebens. Die vier Kerzen für die vier Himmelsrichtungen. Das Grün der Tannen ist die Farbe der Hoffnung und des Lebens und die Kerzen symbolisieren das Licht, das die Welt erleuchtet.

Einen Strohrömer, eine Gartenschere und Draht fanden die Kinder an ihren Arbeitsplätzen vor. Doch so jungfräulich blieben die Tische nicht lange. Sie füllten sich schnell mit allerhand Material, denn Sabine Lang hatte große Kisten mit verschiedenen Zweigen von der Nordmanntanne über die Nobilis und die Kiefer bis zu Scheinzypresse, Thuja und Efeu bereitgestellt. Die Kinder hatten also die Gelegenheit, die verschiedenen Pflanzen nicht nur zu betrachten, sondern die Unterschiede auch zu ertasten und zu erschnuppern.

Wie wichtig es ist, sich direkt am Arbeitsplatz mit genügend Zweigen einzudecken, merkten die Kinder schnell. „Eine Hand bleibt immer am Kranz“, erklärte Sabine Lang das oberste Gebot beim Kranzbinden. Lässt man ihn los, fallen die letzten Zweige sonst wieder heraus. Sie zeigte den Rechtshändern, wie es geht, den Linkshändern stand Elke Reichert mit Rat und Tat zur Seite.

Also galt es, die Zweige vorher in passend große Stücke zu schneiden. „Etwa so lang wie eure Hand ist“, erklärte die Floristin. Sabine Lang verriet einen Trick: Die Zweige am besten von hinten abschneiden, dann sieht man später die Schnittkanten nicht.

Dann ging es los: Draht in den Strohrömer stecken, die Hand an den Ring, das Grün wird in die Kuhle zwischen Daumen und Zeigefinger platziert. Ausreichend Material nebeneinander legen, dann von außen nach innen mit dem Draht umwickeln. „Schön fest anziehen, sonst fällt es wieder raus!“ Anschließend werden wieder Zweige um den Römer gelegt und erneut geht es mit dem Draht herum um den Kranz. Rechtshänder drehen den Rohling dabei ein wenig im Uhrzeigersinn, Linkshänder in die andere Richtung. So überdecken die neuen Zweige den jeweils zuvor gelegten Draht. „Die neue Grün-Reihe immer schön in die Lücke der vorherigen legen. Und für außen ein bisschen längere Zweige nehmen, innen kürzere“, gab Sabine Lang den Kindern mit auf den Weg. So entsteht die Deichform, und das Loch im Kranzinneren wird nicht verdeckt.

„Das geht voll schwer.“ „Meiner wird richtig fett.“ „Und meiner ganz dünn.“ Die Unterhaltung an den Tischen machte deutlich, dass es gar nicht so einfach ist, einen Adventskranz zu binden. Für viele nämlich war es der allererste Kranz. Im Gegensatz zu ihnen hat Johanna schon viel Erfahrung. Sie bastelt bereits seit Jahren mit ihrer Oma einen Adventskranz. „Schon seit ich vier bin“, erzählte sie stolz. Da sie relativ früh fertig war, konnte sie den anderen zur Hand gehen. „Wenn man es ein paar Mal gemacht hat, geht es schneller“, stellte Amelie daher fachmännisch fest.

Bevor es ans Abschneiden des Drahtes ging, warfen die Fachfrauen Sabine, Elke und Margot einen Blick auf die Kränze. „Wenn ihr denkt, ihr seid fertig, seid ihr noch lange nicht fertig“, erklärte Sabine Lang. Sie zeigte den Kindern, wo noch Zweige fehlten: „Schau, da brauchen wir noch was Wuscheliges.“ Also wurden die schon gebundenen Zweige hochgehoben, kleine Stücke darunter geschoben und erneut mit Draht fixiert. „Da gehen locker noch zehn Runden.“ Erst dann durfte der Draht abgeschnitten werden – natürlich mit der Drahtschere, die Gartenschere war dafür tabu.

Schließlich schmückten die Kinder ihre Advents- und Türkränze ganz nach eigenem Geschmack. Sie hatten Kerzen mitgebracht, Bänder, Kugeln, Glitzer, Sterne, getrocknete Orangen und vieles mehr. Als die Eltern zum Abholen kamen, nahmen sie also nicht nur stolze Minigärtner mit nach Hause, sondern auch Unikate, über deren Anblick sie sich in den nächsten Wochen täglich freuen können.

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Mehr Informationen und Bilder unter www.inFranken.de

Pflanzen Weiglein Geesdorf

Pflanzen Weiglein in Geesdorf ist ein familiengeführtes Unternehmen mit inzwischen fast 40 Mitarbeitern und bietet alles zum Thema Garten. Die Betriebsfläche beträgt zirka drei Hektar, wobei etwa die Hälfte Produktion umfasst, die andere Hälfte Verkaufsfläche und Maschinenhalle. Pflanzen Weiglein zieht einen großen Teil der Pflanzen selbst auf, unter anderem Stauden, Rosen, Sträucher, Obstgehölze resistente und auch alte Sorten, Alleebäume Formschnitte und vieles mehr. Dazu gibt es Übertöpfe, Körbe und Accessoires rund um das Thema Garten. Zum Angebot gehört neben der Beratung beim Kauf und zur Pflege der Pflanzen die Planung und Anlage von Gärten samt Mauern und Wegen, Wasserspielen und Bachläufen, Bewässerung und Rollrasen, die Pflanzung und Pflege der Gärten sowie die Anlage und Pflege von Gräbern. Auch Trauerschmuck, Tischschmuck oder Hochzeitsschmuck gestalten die Mitarbeiter.


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