EUERFELD

Wie bei Oma: Fränkisch ohne Schnickschnack

Rita Heußner hat das 1932 in Sütterlin verfasste Kochbuch ihrer Mutter abgeschrieben und neu herausgegeben. Einfache Rezepte mit einfachen Zutaten.
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Einfache Rezepte mit einfachen Zutaten: Rita Heußner teilt dampfende Grießklößchensuppe aus, perfekt für kalte Tage.

Draußen ist es kalt und neblig, als ich an der Tür von Rita Heußner in Euerfeld klingle. Als sie die Tür öffnet, strömt mir sofort der Duft von Suppe entgegen.

Unweigerlich zieht es mich in die Küche. Und da steht sie: eine dampfende Schüssel mit einer typisch fränkischen Klößchensuppe. Selbst gemacht, nach einem überlieferten Familienrezept.

Büchlein in deutscher Schreibschrift

Und dieses Rezept, nach dem Rita Heußner die wunderbar wärmende Suppe zubereitet hat, ist schon über 80 Jahre alt. Aufnotiert hat es ihre Mutter Franziska im Jahr 1932. Damals machte die 18-Jährige einen Kochkurs bei den Schwestern, die den Kindergarten im Ort betreuten und die jungen Frauen in Hauswirtschaft, Alten- und Krankenpflege ausbildeten. Akribisch hat „Oma Franziska“, wie sie in der Familie heißt, ein ganzes Büchlein voll geschrieben. Mit der Hand. In deutscher Schreibschrift. Gestochen scharf.

Weinsuppe für Kranke

Da Rita Heußner die Schrift lesen kann, hat sie schon immer aus diesem Kochbuch für ihre vierköpfige Familie gekocht. „Es sind einfache Rezepte mit ganz einfachen Zutaten“, sagt sie – so wie man sie damals im Dorfladen bekam. Doch gerade diese Einfachheit mache die Rezepte so faszinierend. Zwar kennt heute kaum noch jemand, die „Weinsuppe für Kranke“ oder „Warmes Bier“, aber die meisten Rezepte stehen für typisch Fränkisches ohne großen Schnickschnack. Eben gerade das Richtige für die schnelle und schmackhafte regionale Küche: Gemüse, Salate, Süßspeisen, Gebäck, wenig Fleisch, viele Suppen.

Die gute Leberklößchensuppe

Womit wir wieder bei einem der Lieblingsrezepte von Rita Heußner wären: der Leberklößchensuppe. Gemacht wird die Suppe a la Oma Franziska mit wenigen Zutaten: In zwei Liter kaltes Wasser kommen Rindfleisch, Knochen, Wurzelgemüse, Salz, vorher goldgelb angebräunte Zwiebeln, ein Lorbeerblatt und zwei Nelken. Das Ganze wird aufgekocht und bleibt bei kleiner Flamme wenigstens eine Stunde auf dem Herd.

Inzwischen kann man in aller Ruhe die Leberklößchen machen. Im Originalrezept liest sich das so: „Ein viertel Pfund Leber wird geschabt, dann gibt man in heißes Schmalz feine Zwiebeln, ein eingeweichtes Mundbrot (Brötchen), etwas Nierenfett (Margarine) in die Leber und mengt alles mit Petersilie recht fein, gibt noch etwas Weckmehl, Ei, Salz, Muskat dazu, so dass sie halten. Wenn die Masse gut vermengt ist, sticht man mittels eines Kaffeelöffels kleine Klößchen aus und gibt sie in die kochende Fleischbrühe“.

Kreativer Freiraum

Viel mehr wird in dem Kochbuch oft nicht verraten. Mitunter fehlen genaue Zeitangaben, Maßeinheiten werden häufig angegeben mit: „eine Tasse, ein Löffel, eine Handvoll“. Es bleibt also genügend kreativer Freiraum, die Rezepte nach eigenem Geschmack zu variieren. Auf die Idee, aus dem alten Kochbuch ein neues zu machen, kam Rita Heußner, als ihr Bruder nach Rezepten von Oma Franziska fragte. Er kann aber die deutsche Schrift nicht lesen. Zudem sieht man dem Büchlein inzwischen an, dass es schon viele Jahrzehnte überdauert hat und gut in Gebrauch war. Flecken, vergilbte Seiten und Risse machen es mitunter schwer, die Rezepte zu entziffern.

Auch Plätzchen fehlen nicht

Also machte Rita Heußner sich an die Arbeit und begann, die Rezepte wortwörtlich abzuschreiben. „Mir war es wichtig, dass hier nicht nur die alten Rezepte weitergegeben werden, sondern auch ein Stück der Euerfelder Dorfgeschichte sichtbar wird,“ erklärt sie. Deshalb finden sich in ihrem 56 Seiten starken Kochbuch keine Bilder von Gerichten, sondern Kopien der alten Kochanweisungen in Original-Handschrift neben den in lateinischer Schrift abgedruckten Rezepten. Ergänzt wird das Ganze durch persönliche Anmerkungen und Erklärungen der Autorin.

„Oma Franziskas Kochbuch“ lautet der schlichte Titel, den Rita Heußner im Eigenverlag herausgegeben hat, gedruckt wurde das Buch vom Dettelbacher Röll-Verlag. Und wer zu Weihnachten noch nach einfachen Backrezepten für leckere Plätzchen sucht, der findet sie, zum Beispiel für Pfeffernüsse oder Spritzgebackenes. „Das sind meine Lieblingsplätzchen“, lächelt Rita Heußner vielsagend und steckt sich die mit Schokolade bestrichene Leckerei in den Mund.

Das Kochbuch gibt es für 15 Euro zum Beispiel im KuK Dettelbach oder im „Lädele“ in Euerfeld.

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