PRICHSENSTADT

Wider das Vergessen: Fünf weitere Stolpersteine

Nicht vergessen, was war: Die Aktion „Stolpersteine in Prichsenstadt“ geht weiter, fünf neue kommen im Oktober hinzu. Sie sollen an Familie Künstler erinnern.
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Stolpersteine als Erinnerung an Juden, die während der nationalsozialistischen Herrschaft grauenvoll ermordet wurden, werden seit 1992 an Orten eingebracht, wo die Mitbürger zuletzt lebten. In Sangershausen in Sachen-Anhalt erinnern solche Mahnmale beispielsweise an den in Prichsenstadt gebürtigen Otto Fleischmann und seine Familie. Foto: Foto: UDO WOHLFELD
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Die Aktion „Stolpersteine in Prichsenstadt“ geht in die nächste Runde. Bereits im Mai waren unter der Regie des Vereins Alt Prichsenstadt fünf Stolpersteine verlegt worden, im Oktober kommen fünf weitere hinzu. Das ist das Ergebnis einer kurzfristig anberaumten Informationsveranstaltung des Arbeitskreises (AK) „Stolpersteine“ im Gasthof „Grüner Baum“ am Dienstagabend.

Gedenken erhalten an ermordete Mitbürger

Der AK ist Teil des Vereins Alt Prichsenstadt und will das Gedenken an die ermordeten jüdischen Mitbürger erhalten. Waren beim vorigen Mal die Steine vor verschiedenen Häusern im Pflaster der Gehwege der historischen Altstadt verlegt worden, konzentriert sich der AK in seiner Aktion am Sonntag, 9. Oktober, ab 15 Uhr auf ein Haus, teilt AK-Sprecher Wolf-Dieter Gutsch mit. Am Karlplatz 9 hatte die Metzgersfamilie Künstler gelebt: die Witwe Gretchen Künstler (geboren 1877), ihre Kinder Bertha (1901), Justin (1911) und Isaak (1903) sowie Isaaks Ehefrau Helene (1908).

Die neue Hauseigentümerin, die erst seit wenigen Jahren in Prichsenstadt ansässig ist, hat sich bereit erklärt, die Kosten für alle fünf Steine zu übernehmen.

Das Projekt „Stolpersteine für die Opfer des Nationalsozialismus” wurde 1999 von dem aus der Nähe von Köln stammenden Künstler Gunter Demnig ins Leben gerufen. Mittlerweile gibt es in 19 europäischen Ländern etwa 56 000 Stolpersteine, die an die Opfer der Nazis erinnern. Die hatten während ihrer Schreckensherrschaft unter anderem Sinti und Roma, Homosexuelle, körperlich und geistig behinderte Menschen, aber in erster Linie die jüdischen Mitbürger ermordet. Gerade für sie wird der AK auch zukünftig Stolpersteine ins Prichsenstadter Pflaster einsetzen lassen, so Gutsch weiter.

Nur 15 und 18 Jahre alt

So stehen zum Beispiel für das nächste Frühjahr die nächsten Steine auf dem Programm. Sie sollen an Max Fleischmann (Geboren 1892) und seine Frau Frieda (1895) sowie deren drei Töchter erinnern. Die beiden Jüngsten waren 15 und 18 Jahre alt, als sie im April 1942 von Prichsenstadt aus mit ihrer Mutter nach Polen in den Tod deportiert wurden. Auch die Erinnerung an Bernhard und Bertha Frank (1865 und 1870) wird wachgehalten.

Das Ehepaar hatte seit 1887 als Eigentümer des Freihofes eine überregional renommierte Vieh- und Pferdehandlung betrieben. Zudem war Bernhard Frank von 1919 bis 1932 Mitglied des Stadtrates und von 1899 bis 1903 Vorsitzender des TSV Prichsenstadt. Seinerzeit, so Gutsch, sei das noch ein „wirkliches Ehrenamt gewesen, für das man nicht, wie heute so oft, verzweifelt nach Kandidaten suchen muss.“

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