SCHWEINFURT

Wer vertritt den kleinen Mann?

„Heißer Stuhl“ des DGB mit den vier Direktkandidaten der im Bundestag vertretenen Parteien im Naturfreundehaus in Schweinfurt.
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Auf dem „Heißen Suhl“ des DGB (von links): Markus Hümpfer, Barbara Pfeuffer, Klaus Ernst und Anja Weisgerber. Foto: Foto: Josef Lamber

„Heißer Stuhl“ mit den vier Direktkandidaten der im Bundestag vertretenen Parteien: Im Naturfreundehaus Schweinfurt stellen sie sich je 15 Minuten den Fragen der Moderatoren Frank Firsching (DGB) und Christian Schwarz (Radio Primaton), sowie den Fragen des interessierten Publikums.

Barbara Pfeuffer (Grüne)

Warum sollen Arbeitnehmer sie wählen, wenn diese in dem über 200-seitigen Wahlprogramm kaum vorkommen, will Firsching wissen. Für sie seien Arbeitnehmerrechte wie gleiche Bezahlung von Mann und Frau, ordentliche Löhne und auskömmliche Renten wichtige Anliegen, sagt sie: „Wir sind ein wohlhabendes Land.“ Untere Einkommen sollten entlastet, hohe Einkommen stärker besteuert werden, sagt sie.

Wie erklärt sie Schweinfurter Industriearbeitern, dass jeder Zweite arbeitslos wird, wenn ab 2030 keine Verbrennungsmotoren mehr zugelassen werden sollen? Wenn die Autobauer nicht auf Elektroantriebe umsteuern, werde es so richtig Arbeitsplätze kosten, sagt Pfeuffer, weil dann ausländische Hersteller das Geschäft machen würden.

Markus Hümpfer (SPD)

Nein, er meint nicht, dass er angesichts der schwachen Umfragewerte seine Wahlplakate schon abhängen kann, sagt Direktkandidat Hümpfer. Er zählt sich zum linken Parteiflügel, will ein Rentenniveau von 53 Prozent, Beitragssatz dürfe nicht über 22 Prozent. Wie will er angesichts der Automatisierung und Digitalisierung der Industrie einfache Bandarbeitsplätze retten? Die werde es teilweise weiter geben, Mitarbeiter müssten aber entsprechend der Entwicklung qualifiziert werden. Gerechter soll es zugehen, eine Reichensteuer kommen, untere und mittlere Einkommen entlastet werden und jeder unabhängig vom Einkommen gleich gute ärztliche Leisttungen bekommen.

Anja Weisgerber (CSU)

Ob sie als „Anwältin für die Heimat“ keinem politischen Thema richtig verbunden ist, fragt der Moderator. „Keineswegs“, sagt Weisgerber und zählt auf, welche Fördermittel sie neben denen für die Carus-Allee auf dem Ledward-Gelände in die Region geschleust habe. Worauf antwortet sie beim Autokauf? Familienfreundlich muss es sein. Zurzeit fahre sie mit einem E-Auto zu den Wahlkampfterminen.

Atypsche Arbeitsverhältnisse hätten ab- und reguläre zugenommen, sagt die Angeordnete. 45 Prozent der Neueinstellungen seien aber befristet, sagt Firsching. Bei der Rente liegt ihr Fokus auf der Mütter- und der Erwerbsminderungsrente. Bei der Mütterrente ist sie für Steuerfinanzierung. Wichtig seien auch Qualifizierungen für Langzeitarbeitslose.

Klaus Ernst (Linke)

Wie sollen 1050 Euro Mindestsicherung, wie von der Linken gefordert, finanziert werden? „Zur Bankenrettung hat die Bundesregierung innerhalb einer Wochen 800 Milliarden Euro organisiert“, da müssten auch 1050 Euro für ein würdevolles Leben finanzierbar sein, sagt Ernst. Unter anderem durch eine Vermögenssteuer. In die Rente müssten alle einzahlen – ohne Kappung höherer Einkommen durch eine Beitragsbemessungsgrenze. Es dürfe nicht sein, dass manche 45 Jahre Schichtarbeit buckeln und 1200 Euro im Alter haben, „und andere wissen nicht wohin mit der Kohle“. Was machen die Österreicher da besser? Sie hätten jetzt schon höhere Beiträge, aber alle zahlten in das System ein.

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