GEISELWIND

Wer lange leben will, pflanzt eine Pinie

Die Europa-Minigärtner Wiesentheid lernen bei ihrem Besuch im Freizeitland, wie ein asiatischer Garten nach Feng Shui angelegt wird.
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Elke Von Flue stellt den Europa Minigärtnern Wiesentheid den neuen Themenbereich des Freizeitlandes Geiselwind vor. Anschließend helfen die Mädchen und Jungen beim Pflanzen. Foto: Fotos: Nikolai Kendzia
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Feng Shui. Hört sich fremd an. Ist aber äußerst spannend. Das haben die Minigärtner kürzlich festgestellt, als sie im Freizeitland Geiselwind Beete für den neuen Asia-Bereich bepflanzt haben. Dabei geht es nicht nur um Pflanzen, sondern auch um verschiedene Materialien und um Farben, um das Chi, Lebenskraft und Harmonie.

Seit November tummeln sich viele Bauarbeiter, Gärtner und Helfer auf dem Gelände des Freizeitlandes Geiselwind. Pünktlich zum 50. Geburtstag gibt es einen neuen Themenbereich: die Drachenbucht. Drei Hektar groß ist die neue Fläche, auf der sich alles um Asien dreht, mit Gastronomie und Café, einem neuen Abenteuerspielplatz, zwei neuen Fahrattraktionen und einem Spieletempel. 1,5 Kilometer neue Wege sind entstanden, 10.000 Meter Kabel und Wasserleitungen wurden verlegt, 3.000 Tonnen Mineralbeton verbaut, zwei Kilometer Zaun errichtet. Und über 3.000 Hecken, Büsche und Bäume gepflanzt.

Viel zu tun also und damit ideale Gelegenheit für die Europa-Minigärtner Wiesentheid, auf ihrer zweijährigen Tour durch die Grüne Branche auch den asiatischen Bereich kennen zu lernen. Sie legten bei den letzten Pflanzungen rund um die Gebäude mit Hand an. Elke Von Flue, Leiterin Theming im Freizeitland, erklärte den Mädchen und Jungen zunächst einmal, wie die Flächen rund um die Pagoden ähnlichen Gebäude gestaltet werden und worauf die Asiaten beim Anlegen eines Gartens achten. Um fünf Elemente ging es da – Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser.

„Damit der Garten gut und richtig angelegt ist, müssen für das Element Holz große Pflanzen verwendet werden“, erklärte Elke Von Flue. Bäume zum Beispiel. Oder aber eine hölzerne Gartenbank. Für Feuer stehen Pflanzen, deren Form an Flammen erinnert, spitzig und dornig, oder eine Feuerschale als Dekoration. Begeistert überlegten die Kinder, welche Pflanzen dafür in Frage kommen könnten – Gräser zum Beispiel.

Für „Erde“ werden Pflanzen genommen, die ganz nah am Boden wachsen, nicht in die Höhe. Alles, was rund und kugelig ist, steht für Metall, genauso wie ein metallenes Windspiel. Und welche Pflanze könnte man da nehmen? Ein Mädchen wusste die Antwort: Das Gras Blauschwingel ist dafür bestens geeignet.

Für den Bereich „Wasser“ stehen Pflanzen, die breit und hängend wachsen, wie fließendes Wasser. Es gehen auch geschwungene Wege, die wie ein fließender Bach aussehen, oder natürlich ein Brunnen oder Gartenteich. Wie das Element Wasser auch dargestellt werden kann, sahen die Kinder direkt neben den Beetflächen, die sie bearbeiteten: Dort steht eine große Hängeweide.

Dass jede Pflanze einen anderen Standort braucht, wussten die Minigärtner schon von ihren anderen Aktionen. Deshalb konnten sie gut nachvollziehen, dass sowohl Elke Von Flue als auch Minigärtner-Projektleiterin Margot Burger und Landschaftsplaner Nikolai Kendzia, der sie an diesem Tag begleitete, bei manchen Pflanzen ein bisschen skeptisch waren. Eigentlich mögen es die asiatischen Gärten eher halbschattig und zumindest in einen Teil des neuen Parkbereiches knallt im Sommer die Sonne richtig kräftig. „Ob die Rhododendren den kalkhaltigen und trockenen Standort mögen?“, fragte Kendzia und gab auch gleich die Antwort: Da wird viel Pflege nötig sein.

Anhand des Rhododendrons erklärte Elke Von Flue auch, dass jede Pflanze eine bestimmte Bedeutung hat. Rhododendron steht für das Genießen, die Pinie für langes Leben und die Pfingstrose für Reichtum. Auch jede Farbe hat bei Feng Shui eine eigene Bedeutung: Rot ist die Farbe des Lebens, bringt Glück und bedeutet Wärme, Ruhm und Kraft. Grün heißt Ruhe, Hoffnung und Frische, Blau ist beruhigend und steht für Wachstum, Hoffnung, Glaube und Treue, Gelb für Macht, aber auch für Weisheit und Geduld. Rosa steht für Verliebtsein, Liebe, Freude und Glück.

Werden Gärten nach Feng Shui angelegt, achten Asiaten darauf, dass sie Pflanzen für alle Elemente in ihrem Garten haben, lernten die Kinder. „Wer arm ist und sich Reichtum wünscht, pflanzt Pfingstrosen“, erklärte Elke Von Flue. Wer lange leben möchte, braucht eine Pinie. Wer nervös ist und ruhiger werden will, nimmt blaue Pflanzen...

Ganz schön kompliziert so ein asiatischer Garten, vor allem, weil es noch viele weitere Regeln gibt. Den Kindern war es trotzdem nicht zu viel. „Sie waren mit Feuereifer dabei“, freute sich die Mitarbeiterin des Freizeitlandes, sowohl bei der theoretischen Einführung als auch beim Pflanzen der Gewächse, die von Bauhaus extra für die Minigärtner-Aktion gesponsert worden waren. Erdkoniferen waren darunter, Bodendeckerrosen, japanischer Fächerahorn und vieles mehr.

Auch während der Arbeit lernten die Minigärtner noch viel: Nikolai Kendzia lenkte ihre Aufmerksamkeit auf den Standort. Dachüberstände verhindern, dass Regen die Pflanzen gießt. Kiesstreifen und Felsenlandschaften wurden angelegt. „Die japanischen Gärtner bauen Miniaturlandschaften nach“, erklärte er. „Die Steine im Hintergrund sehen doch wie ein kleines Gebirge aus.“ Der Landschaftsplaner legte auch selbst mit Hand an und schüttete kurzerhand mit Kieselsteinen einen geschwungenen „Wasserlauf“ auf.

400.000 Quadratmeter groß ist das Freizeitland Geiselwind insgesamt, es gibt viele bepflanzte Flächen, viel Rasen, einen großen alten Baumbestand und ein Waldbiotop sowie jetzt den neuen, drei Hektar großen Erweiterungsbereich zum Thema Asien. Bis vor einem Jahr war hier noch ein Parkplatz ohne jeden Strauch und jeden Baum, so Von Flue. Der hohe gestalterische Anspruch ist, wie Nikolai Kendzia sagte, „bemerkenswert für einen Freizeitpark“. Da gibt es für die beiden Gärtner und ihre Helfer viel zu tun, vor allem, weil die meisten Pflegearbeiten nach Schließung des Parkes in den Abendstunden stattfinden müssen. „Alleine das Rasenmähen jeden Tag ist eine Mammutaufgabe“, so Elke Von Flue. Da hatten die Minigärtner es gut: Sie durften nach dem Pflanzen ihre Werkzeuge zur Seite legen und sich in den Fahrgeschäften vergnügen – denn was wäre ein Besuch des Freizeitlandes ohne eine abenteuerliche Achterbahnfahrt?

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