Der eine sagt, er wurde bedrängt, der andere behauptet, er wurde ausgebremst: Eine Nötigung auf der Autobahn hatte kürzlich eine Verhandlung im Amtsgericht Kitzingen zur Folge. Wie die Situation tatsächlich ablief, konnte nicht geklärt werden. Letztendlich stand Aussage gegen Aussage.
Ein 23-Jähriger soll am 25. November vergangenen Jahres auf der A 3 ein anderes Fahrzeug genötigt haben, doch er fühlte sich zu Unrecht angeklagt. Er habe vielmehr selbst überlegt, ob er den anderen Autofahrer anzeigen soll, sagte er vor Gericht aus. Getan hat er das letztlich nicht. Für ihn war die Geschichte erledigt - bis der Brief vom Amtsgericht kam.

Unterschiedliche Angaben


Der Angeklagte und sein Kollege, der die Aussagen des 23-Jährigen bestätigte, sind Juniorverkäufer in verschiedenen Autohäusern der gleichen Marke. Zu Fortbildungen und Seminaren fahren sie normalerweise zusammen. An diesem Tag, auf dem Heimweg von einem Seminar in Österreich, fuhren sie zwar in getrennten Autos, aber in Kolonne, also fast immer hintereinander.
Ein paar Kilometer nach Geiselwind kam es zu der angeblichen Nötigung. In der Verhandlung blieb allerdings unklar, wer der Täter und wer das Opfer bei der Sache ist.
"Ich bin auf der linken Seite gefahren, um einen Lkw zu überholen", berichtete der Angeklagte, der in einem BMW unterwegs war. Plötzlich sei ein Seat vor ihm aufgetaucht und er habe von 130 km/h auf 90 km/h abbremsen müssen. Er habe zwei-, dreimal Lichthupe gegeben, woraufhin sein Vordermann den Scheibenwischer mit Spritzwasser betätigte. Kurz darauf hätte der Seat-Fahrer eine Zigarette aus dem Fenster geworfen. "Das hat mich total geschockt. Dann hat er auch noch die ganze Spur blockiert, weil er den Lkw sehr langsam überholte."

Zuruf durchs Fenster


Als der Überholvorgang endlich beendet war, habe der Angeklagte auf die rechte Spur gewechselt und sei auf Höhe des Seat-Fahrers gefahren. "Ich habe mein Fenster runtergelassen und ihn durch Handzeichen gebeten, sie ebenfalls runterzulassen. Dann fragte ich ihn, was der Mist soll." Kurz darauf sei die Abfahrt Richtung Würzburg gekommen und sowohl der Seat-Fahrer als auch der Kollege des Angeklagten seien von der Autobahn abgefahren. "Ich bin weiter Richtung Frankfurt gefahren, habe aber meinen Kollegen angerufen und gebeten, das Kennzeichen aufzuschreiben." Nach dessen Aussage sei das aber nicht möglich gewesen: "Der Seat-Fahrer hat total Gas gegeben und war sehr schnell außer Sichtweite", sagte der Kollege aus.
Der Seat-Fahrer schilderte die Situation jedoch ganz anders. Zunächst sei ihm aufgefallen, dass während seines Überholvorgangs ein BMW sehr dicht auffuhr. Eine Möglichkeit, das Fahrzeug vorbeizulassen, habe es aber nicht gegeben. Das nachfolgende Fahrzeug habe immer wieder Lichthupe gegeben. "Als der Lkw überholt war, bin ich nach rechts gefahren, der BMW ist dann links auf meiner Höhe gefahren und hat wild gestikuliert, ich solle mein Fenster runtermachen." Gesagt, getan. Was der Mann sagte, habe er nicht verstanden, vermutete aber, dass es nichts Nettes war. Dann habe ihn der Angeklagte überholt, sei vor ihn gefahren und habe ihn ausgebremst. "Ich musste auf
60 km/h bremsen und nach links ausweichen, um eine Kollision zu verhindern."
Während der Angeklagte alleine im Auto unterwegs war, hatte der Seat-Fahrer einen Beifahrer: Seine Frau, die seine Aussage bestätigte. "Ich war nur noch froh, als wir von dieser Autobahn runter sind", erzählt sie. Weil sie nicht ständig auf den Verkehr achten musste, hat sie den zweiten BMW bemerkt: "Ich habe mich gewundert, weil es das gleiche Auto war und sie fast die gleichen Kennzeichen hatten." Allerdings kann sie nicht mehr genau sagen, wo das Fahrzeug während des ganzen Vorfalls gefahren ist.
Als weiterer Zeuge war ein Golf-Fahrer geladen. "Der Angeklagte wollte mich immer wieder rechts überholen, aber die Lkws auf der rechten Spur waren zu eng beieinander", sagte er aus. Der 33-Jährige fährt die Strecke jeden Tag zur Arbeit. "So etwas habe ich noch nie erlebt. Er ist sehr aggressiv gefahren." Als er selbst auf die rechte Spur konnte, habe der BMW ihn dann überholt. Von da an war der Golf-Fahrer ein unbeteiligter Beobachter, doch er hat so einiges gesehen:

"Ich dachte, gleich knallt's"


"Bevor der BMW mich überholt hat, ist ein Seat vor mir gefahren. Den Seat wollte der BMW ebenfalls rechts überholen. Als sie einmal nebeneinander waren, hat der BMW den Seat von der Seite bedrängt, ich dachte gleich knallt's." Er hätte den Sicherheitsabstand vergrößert und anschließend einen Tropfen auf seiner Scheibe abbekommen. Geregnet hat es nicht: "Einer der beiden muss wohl den Scheibenwischer mit Spritzwasser betätigt haben," erklärt der Golf-Fahrer. Dann sei auf der rechten Spur ein Lkw gekommen und der BMW musste wieder hinter dem Seat einscheren. Der BMW wäre sehr nah aufgefahren und hätte mehrmals Lichthupe gegeben. Als der Lkw überholt und die Fahrbahn rechts frei war, hätte der BMW den Seat überholt und ausgebremst. Der Golf-Fahrer selbst musste ebenfalls kurz abbremsen. Dann kam die Ausfahrt Richtung Würzburg.

Erneutes Treffen an der Ampel


Diese Ausfahrt nahmen der Seat-Fahrer mit seiner Frau, der Golf-Fahrer und der Kollege des Angeklagten in seinem BMW. Doch auch hier gibt es einige Verwirrungen. Der Kollege des Angeklagten meinte, der Seat hätte so sehr Gas gegeben, dass er kurz darauf außer Sichtweite war. Einige Kilometer später stand er an einer roten Ampel - außer ihm kein Auto in Sicht. "Ich wurde vorher nicht überholt und da war kein Golf." Der Golf-Fahrer und der Seat-Fahrer erzählen etwas anderes. An der Ampel - der ersten nach der Ausfahrt - hätten sie zufällig ihre Fahrzeuge wiedererkannt und Personalien ausgetauscht. "Wie kann es sein, dass sich die beiden an der Ampel getroffen haben, wenn der Seat rasend schnell außer Sichtweite war und mein Kollege von niemanden überholt wurde?", warf der Angeklagte in den Raum. Der Seat-Fahrer und seine Frau sagten aus, an der Ampel seien sowohl vor als auch hinter ihnen noch weitere Autos gewesen. der Golf-Fahrer dagegen will an der Ampel außer dem Geschädigten keine weiteren Autos gesehen haben.
Insgesamt war die Situation für das Gericht unklar - und leider nicht zu lösen. Deshalb entschied der Richter mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft, das Verfahren auszusetzen.