KITZINGEN

Wenn ungehemmte Wut die Fäuste lenkt

Alkohol im Blut, Wut im Bauch. So war der Zustand eines 26-Jährigen, der wegen häuslicher Gewalt im Kitzinger Amtsgericht landete. Der Mann war komplett ausgerastet.
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Erst drohte er ihr, dann schlug er sie und am Ende würgte der 26-Jährige seine Lebensgefährtin fast bis zur Bewusstlosigkeit. Ein brutaler Komplett-Ausraster in nur wenigen nächtlichen Stunden, in denen der Angestellte seine Aggressionen auch noch an einem Polizeibeamten ausließ. Die Folge: Eine Nacht in der Zelle und jetzt eine Verhandlung vor der Kitzinger Amtsrichterin. Die hat's nicht leicht. Der Angeklagte versteckt sein Gedächtnis hinter 1,4 Promille Alkohol im Blut: „Ich weiß von dem Abend nichts mehr.“ Und die einstige Lebensgefährtin hat dem Vater des gemeinsamen Sohnes offensichtlich verziehen. Außer der Bemerkung, „es war halt ein beschissener Abend“, enthält ihre Zeugenaussage anfangs nichts Verwertbares.

Erinnerung an die Wutnacht

Erst als Richterin und Staatsanwältin die strafrechtliche Keule präsentieren und die 25-Jährige an ihre Zeugenpflicht und ein mögliches Strafverfahren erinnern, kommt – zögerlich – die Wutnacht zum Vorschein.

Da ist das Paar anfangs noch zusammen. Trinkt was in einem Lokal. Danach geht er nach Hause. Sie trifft sich anderswo mit einer Freundin. Gegen 3.30 Uhr beginnt der Terror. Der 26-Jährige will, dass sie heim kommt, droht ihr am Smartphone – garniert mit ein paar satten Beleidigungen – mit dem Tod. Und dann schiebt er im Chat noch nach: „Ich bringe unseren Sohn um, wenn du nicht sagst, wo du bist.“

Der Satz wirkt. Die junge Frau eilt gemeinsam mit der Freundin nach Hause. Dort empfängt sie der Lebensgefährte auf der Treppe – und tritt die Frau so fest gegen den Brustkorb, dass sie die Treppe hinunterstürzt. Die Freundin versucht zu helfen, wird beiseite gestoßen.

Verprügelt und gewürgt

Der Angeklagte, inzwischen wohl völlig enthemmt, schlägt auf seine am Boden liegende Lebensgefährtin erst mit den Fäusten ein, um die wehrlose Frau dann zu würgen. Sein Opfer schildert die Todesangst vor Gericht: „Ich dachte, dass es irgendwann rum ist.“ Das verhindert möglicherweise sein Bruder, der den 26-Jährigen von seinem Opfer wegzieht. Trotzdem: Die junge Frau trägt wochenlang ein Veilchen und leidet unter schmerzhaften Blessuren.

Während in der Wohnung die Gewalt tobt, das dreijährige Kind schreit und der Mann brüllt, ruft die Freundin die Polizei. Die kommt, trifft auf den rabiaten Angeklagten. Der wehrt sich gegen die Festnahme. Erst als Verstärkung eintrifft, wird der 26-Jährige gebändigt.

Tritt in den Unterleib

Allerdings nicht ohne Blessuren für einen Polizisten. Der soll laut Anklage einen Tritt in den Unterleib bekommen haben. Weil der Beamte und eine Kollegin, die beide als Zeugen geladen waren, in Urlaub sind, wird die Verhandlung bis Mitte September vertagt.

Die Zeit könnte der rabiate Angeklagte nutzen, um möglicherweise sein Gedächtnis wiederzuerlangen. Eine Anregung in dieser Richtung – angesichts der „nicht unerheblichen Straftaten“ – hatte die Amtsrichterin zu Beginn der Sitzung gegeben: „Ein Geständnis kann sich nur strafmildernd auswirken.“

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