Wiesenbronn
Photovoltaik

Wenn Module qualmen

Solarstrom stellt Feuerwehren bei Brandeinsätzen vor große Probleme. Kommandant Norbert Stock würde Schulungen und verpflichtende Hinweisschilder begrüßen.
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Foto: privat
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An diesen Einsatz kann sich Norbert Stock ganz genau erinnern: "Es war am
21. November 2011 morgens um 4.30 Uhr. So einen Brand hat es in Wiesenbronn seit 60 Jahren nicht gegeben." Ein Dachstuhl stand in Flammen, ein technischer Defekt im Haus war die Brandursache, wie sich später herausstellte. Stock, dem Kommandanten der Wiesenbronner Wehr, ist dieses Feuer aber auch wegen eines ganz bestimmten Details im Gedächtnis geblieben: "Auf der Seite des Daches, auf der es brannte, waren Photovoltaikmodule zur Stromgewinnung angebracht, was uns vor Schwierigkeiten stellte."

Abstand halten


Schwierigkeiten, mit denen in den letzten Jahren schon viele Feuerwehren im Landkreis zu kämpfen hatten - und große Dachanlagen gibt es immer häufiger. "Zunächst müssen wir aufpassen, dass uns die Anlage nicht auf den Kopf fällt", erklärt Kreisbrandrat Roland Eckert. Hier ist erst einmal Abstand halten angesagt. Abstand sei auch das geeignete Mittel gegen gefährliche Stromschläge von bis zu 1000 Volt, denen die Feuerwehrmänner beim Löschen ausgesetzt sind. "Was aber nicht heißt, dass sie tatenlos zusehen." Schließlich hätten sie schon immer mit Strom in Häusern und Betrieben zu tun und kämen damit zurecht.
Es gibt jedoch ein großes "Aber": Photovoltaikanlagen produzieren Strom, sobald Licht darauf trifft - bei nebligem Wetter ebenso wie nachts, wenn die Feuerwehr ihren Einsatzort ausleuchten muss. Und: Dieser Strom ist nicht einfach abschaltbar. "Die Anlagen haben keine eigene Sicherung und fördern bis zur ersten Schnittstelle im Haus", erklärt Norbert Stock. Darum sei ein Innenangriff nur mit größter Vorsicht und relativ verhalten möglich gewesen. "Mit dem richtigen Abstand kann man auch beschädigte stromführende Teile mit Wasser löschen - aber sobald man im Haus ist, unterschreitet man diesen Abstand. Es braucht nur ein Kabel aus der Wand zu hängen, um das Leben eines Kameraden zu gefährden." Von außen behinderten die Module jedoch die Löscharbeiten. "Um einen Dachstuhlbrand zu bekämpfen, öffnen wir normalerweise das Dach. Diese Vorgehensweise hat sich bewährt", so Eckert. Die Module verhindern jedoch das Öffnen des Daches. Deshalb sei man bei Bränden, in die Photovoltaikanlagen involviert sind, auf die gefährliche Bekämpfung von innen angewiesen.
Die Einsatzkräfte, die bei dem Brand in Wiesenbronn vor Ort waren, hatten jedoch das "Glück", dass die gegenüberliegende Dachhaut schon durchgebrannt war. "So konnten wir von der anderen Seite her ran." Ansonsten wäre Stock und seinen Kameraden nichts anderes übrig geblieben, als die Photovoltaik-Seite brennen zu lassen beziehungsweise sie so weit wie möglich von außen und oben zu löschen - es wurde extra dafür die Drehleiter aus Kitzingen angefordert. "Das ist aber lange nicht so effektiv."

Kommandant fordert Schulungen


Bis auf einen hohen Sachschaden ist bei diesem Brand nichts weiter passiert. "Es handelte sich ja auch um eine kleine Dachanlage mit einzelnen Modulen, die das Wasser dann doch irgendwie durchlassen." Stock bekommt aber jedes Mal Bauchschmerzen, wenn er an Hallen vorbeikommt, die komplett mit Photovoltaik zugedeckt sind. "Wenn so etwas mal zu brennen anfängt, kann man es eigentlich nur kontrolliert abbrennen lassen", ist der Kommandant ratlos.
Genau diese Ratlosigkeit ärgert Stock. Denn bislang konnte ihm niemand weiterhelfen: "Weder Hersteller noch Installateure haben eine Lösung für das Problem. Keiner weiß, wie man richtig reagiert." Dabei müssten Feuerwehrleute geschult werden, um einen solchen Brand besser bekämpfen zu können, ohne sich selbst zu gefährden.
Schon ein verpflichtendes Hinweisschild würde laut Stock viel helfen. "In der Hektik des Einsatzes muss man an so viel denken - da vergisst man leicht, nachzuschauen, ob Photovoltaik auf dem Dach ist." In kleinen Ortschaften wie Wiesenbronn gehe das ja noch - "da weiß man meistens Bescheid" - aber die Wehren in Kitzingen oder Volkach kennen sicher nicht jedes Haus mit Modulen auf dem Dach. "Und wenn die Atemschutzmannschaft im Haus zu löschen beginnt, kann es schon zu spät sein. "

Verwechslungsgefahr


Hinweisschilder könnten ein weiteres Problem aus der Welt schaffen: Die Verwechslung von Photovoltaikanlagen mit Solarzellen für Warmwasser. "Die führen keinen Strom, sind also nicht ganz so gefährlich." Wenn die Einsatzkräfte aber nicht wissen, mit was sie es zu tun haben, gehen sie mit der für stromführende Anlagen gebotenen Vorsicht an den Brand heran - "wobei wertvolle Sekunden verstreichen können".


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