LANDKREIS KITZINGEN

Weisgerber klare Wahlsiegerin

Verhaltene Freude bei Anja Weisgerber (Schwebheim) von der CSU, nachdenklich der Gesichtsausdruck des Genossen Ralf Hofmann (Schweinfurt). Die Kandidaten der großen Parteien sind kurz vor 18 Uhr in die Schweinfurter Rathausdiele gekommen, wo sie die erste ARD-Prognose verfolgen. Eineinhalb Stunden später genießt Weisgerber einen triumphalen Empfang in ihrem Heimatort.
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Wahlparty mit Jubel: Anja Weisgerber kostete ihren Erfolg in Schwebheim so richtig aus. Foto: Foto: Josef Lamber
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Verhaltene Freude bei Anja Weisgerber (Schwebheim) von der CSU, nachdenklich der Gesichtsausdruck des Genossen Ralf Hofmann (Schweinfurt). Die Kandidaten der großen Parteien sind kurz vor 18 Uhr in die Schweinfurter Rathausdiele gekommen, wo sie die erste ARD-Prognose verfolgen.

Eineinhalb Stunden später genießt Weisgerber einen triumphalen Empfang in ihrem Heimatort. Die Schwebheimerin ist die klare Wahlsiegerin der Region.

Zum „Frankenlied“ zieht sie im königsblauen Kostüm und bejubelt von 300 Anhängern in die Sporthalle ein. Kurz zuvor hat sie die ersten Resultate erfahren: Für das Direktmandat schaut es sehr gut aus. Das hat sie vor allem dem Abschneiden in den Kreisen Schweinfurt und Kitzingen zu verdanken, wo sie deutlich über 50 Prozent holt.

Die Menschen hätten eben ihre bisherige Arbeit gekannt und entsprechend gewürdigt, äußert sie noch etwas angespannt. „Ich werde meine Heimat mit Herzblut in Berlin vertreten“, kündigt sie an. Und schaltet sofort in ihren Arbeitsmodus, indem sie gleich über Familienpolitik und die Mütterrente spricht, die ihr besonders am Herzen liege.

Die Erststimmenkampagne von Grünen und SPD „ist nicht erfolgreich gewesen“, sagt Weisgerber zufrieden. Auch ihr Vorgänger Michael Glos tut diese Taktik als „untauglichen Versuch“ ab: „Die Bürger sind mündig genug, um sich davon nicht manipulieren zu lassen.“ Das Ergebnis Weisgerbers nennt Glos „herausragend“. Der Noch-Abgeordnete überreicht seiner Nachfolgerin einen Strauß mit cremefarbenen Rosen. Auch Bezirksvorsitzender Gerhard Eck reiht sich in die Schar erster Gratulanten ein.

Der unterlegene SPD-Kandidat Hofmann sagt kurz nach den ersten Zahlen, dass er seine Partei näher an 30 Prozent gesehen habe, insofern mache er aus seiner Enttäuschung keinen Hehl. Gleichwohl: Mit seinem persönlichen Erfolg ist er zufrieden, er habe dafür aber auch elf Monate lang hart gekämpft und immer seinem Stil entsprechend Fairness an den Tag gelegt. Das Wahlergebnis insgesamt ordnete er unter dem Begriff „Kreativität der Wähler“ ein, wobei er die Abwahl der „Klientelpartei FDP das richtige Signal“ nannte. Die rot-grüne Kampagne – Erststimmen des Grünen-Direktkandidaten Hans Plate für Hofmann – zeigte Wirkung, allerdings nur in der Stadt Schweinfurt. Dort beispielsweise lag Hofmann dadurch immer im Bereich von über 30 Prozent.

Für Plate offenbart das Wahlergebnis eine Zweiklassen-Gesellschaft: Bauchwähler vor Kopfwählern. Seine Überraschung über das herausragende Ergebnis von CDU/CSU halte sich im Rahmen: „Die Tendenz war erkennbar. Die Mutti wird's schon richten.“ Wer keine Wohlfühlentscheidung im Wahllokal getroffen und Angst vor der Zukunft habe, habe Linke oder AfD gewählt. Den Grünen sei ihr „relativ realistisches Angebot“ zum Verhängnis geworden, dass in der Steuerpolitik „die breiten Schultern die schwachen stützen“.

Der Linke-Kandidat und Spitzenmann in Bayern, Klaus Ernst (Schweinfurt), meldet aus Berlin seine und die Zufriedenheit seiner Partei. Besondere freue er sich über das Plus in Bayern. Er wiederholte das Angebot der Linken an Rot und Grün zu einem Bündnis im Bund. Die SPD müsse sich „nun entscheiden, eine Ausschließeritis ist Quatsch“, sagte Ernst wörtlich. Er fürchte aber, dass sich die SPD wieder für eine Große Koalition entscheide, was Ernst als „die Wähler übers Ohr gehauen“ überschrieb. Die Linken wären dann allerdings die größte Oppositionspartei.

ONLINE-TIPP

Wie hat die Region gewählt? Ergebnisse und Stimmen aus Unterfranken: www.mainpost.de/bundestagswahl

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