VOLKACH/NORDHEIM

Weingenießer präsentieren Originale

Vom Wein verstehen sie viel, die Weingenießer aus Nordheim, vom Fasching fast noch mehr. Das hat sich in der Mainschleifenhalle gezeigt.
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Amanda im Fränkischen Bikini: die Nilpferd-Dame von Pierre Ruby alias Sebastian Reich (rechts) begeisterte das Publikum und die Elferräte des Weingenießer-Clubs Nordheim bei der Prunksitzung in Volkach gleichermaßen. Foto: Foto: Willi Paulus

Vom Wein verstehen sie viel, die Weingenießer aus Nordheim – vom Fasching fast noch mehr. Wein und Frohsinn gibt eine gute Verbindung.

Deshalb kommt der Name „Karnevalsverein Weingenießer Club Nordheim“ nicht von ungefähr. An der Mainschleife sind sie eine närrische Macht, die sie am Samstag über 600 Besuchern aus nah und fern in einem fast sechsstündigen Programm eindrucksvoll demonstrierten.

Da dies die Platzkapazität im Weinort Nordheim sprengen würde, zog Sitzungspräsident Jürgen Förster mit seinen 38 Elferräten in die Mainschleifenhalle nach Volkach. In seinem Prolog nannte Förster die Terroranschläge einen Wahnsinn, von Verbrechern ohne Hirn. Doch in der Faschingssitzung lasse man sich das Leben nicht vermiesen. Vor allem die Künstler wolle man mit kräftigem Beifall belohnen. Den erhielt als erster Akteur „Winzerdoktor“ Dietrich Heinemeyer reichlich.



Als Till von Nordheim hält er schon seit Jahren den Mächtigen der Welt den Spiegel vor. Was den Till ärgert: Die Scheinheiligkeit der Politiker, die mit Kriegstreibern Waffengeschäfte betreiben. Mit Schmidt und von Weizsäcker seien große Politiker gestorben. „Im ganzen Land sehe ich nicht einen mit solch klugem Verstand.“ Und mit einem Seitenhieb auf den Personalbestand der CSU: „Wer Realitäten so verkennt, bleibt am besten in Bayern Ministerpräsident.“

Die Gastelfer aus Veitshöchheim und Nüdlingen hatten als Gastgeschenk ihre Garden dabei, die mit Marschtanz und Schautänzen Augen und Ohren der Narrenschar erfreuten. Mit ihrem Tanz „Freemotions“ wirbelten die Mädels vom TSC Volkach über die Bühne. Mit der ersten Rakete des Abends wurde die Leistung der „Rhönis aus Burgsinn“ gekrönt, eine Blaskapelle der besonderen Art. Wegen vergessener Instrumente setzten sie sich a capella in Szene und parodierten auch große Stars. Da wurde denn auch „Atemlos“ von Helene Fischer schnell zu „Hackevoll durch die Nacht“. In der stürmisch geforderten Zugabe begeisterten sie mit aufgepeppten Kinderliedern. Eine Premiere der Superlative, meinte der Sitzungspräsident. Dafür gab es jeweils vier Küsschen für die Sänger von Prinzessin Alexandra I.. „Weil heuer ein Schaltjahr ist“, erklärte Förster. Alle Register der Bauchrednerkunst zog Sebastian Reich mit seiner Nilpferd-Dame Amanda. Mit spitzer Zunge verriet sie das Rezept für eine Tomatensuppe a la Reich: heißes Wasser in einem roten Teller. Dann drehte sie den Spieß um und agierte selbst als Bauchrednerin. Als Amanda sich dann noch im fränkischen Bikini präsentierte, war die Stimmung auf dem Höhepunkt, der mit dem Lied Viva Frankonia gekrönt wurde.

Zum ersten Mal auf der Weingenießer-Bühne war das Fränkische Original Rochus Hammer als Häcker. Er schilderte seine Erlebnisse bei der Berufswahl und ehelichen Beziehungen. In gelber Reizwäsche präsentierte er sich seiner Frau. „Was fällt dir auf?“ Sie: „Die gelben Säcke müssen noch raus.“ In die Sparte Fränkische Originale gehört auch Bauer Eugen alias Ottmar Schraud aus Binsfeld. Diesmal schlüpfte er in die Rolle seiner Frau Olga, die kein gutes Haar an ihrem Eugen ließ.

Mit musikalischen Parodien und spitzer Zunge betrachtete Rolf Herzel aus Rottendorf als „Hauptmann Küppers“ das Weltgeschehen und machte sich Sorgen um die Zukunft des Mannes. Es gebe nur noch eine Männerdomäne: das Grillen. „Männer können alle grillen, aber längst nicht alle Frauen kochen.“ Der „Hauptmann“ spendet seine Gage für die Mukoviszidose-Patienten an der Uni-Kinderklinik, verriet Jürgen Förster. Das ließ die Weingenießer nicht kalt und so hatten sie im vergangenen Jahr 1800 Euro gespendet.

Seit 25 Jahren zu Gast auf der Weingenießer Bühne ist Michael Bechold mit seiner prägnanten Lache. Diesmal hatte er den Beruf einer Vogelscheuche erlernt und schilderte einen Ausflug des von ihm gegründeten Vogelscheuchen-Clubs. „Das war Spitze“, waren sich die Zuschauer einig beim Auftritt des Männerballetts Veitshöchheim. Sie erwiesen sich als Schnellumzieher und boten rassige Tänze – gepaart mit Akrobatik. Die Hauskapelle Bernhard Schäfer und Monika Dietz rissen vor dem großen Finale als „Volks-Rock 'n' Roller“ noch einmal die Besucher von den Sitzen. Gemeinsam verabschiedeten sich Akteure und Publikum mit dem Lied „Sierra Madre“ aus dem Saal.

Die Mitwirkenden

Meefischli TSC Volkach, Till von Nordheim Dr. Dietrich Heinemeyer, Marschtanz Nüdlingen, Rhönis aus Burgsinn, Blaue Garde Veitshöchheim, Sebastian Reich und Amanda, Fränkischer Häcker Rochus Hammer, Freemotions TSC Volkach, Die Olga Ottmar Schraud, Titanic Schautanz Nüdlingen, Hauptmann Küppers Rolf Herzel, Schautanz Veitshöchheim Paris, Stadt der Liebe, Toni die Vogelscheuche Michael Bechold, Männerballett Veitshöchheim, Volks-Rock 'n' Roller mit Bernhard Schäfer und Monika Dietz.

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