IPHOFEN

Wein-Marketing mit magischer Strategie

Der Blick schweift über den Iphöfer Julius-Echter-Berg ins Maintal. Die Aussicht vom terroir f-Punkt am Schwanberg ist ausgezeichnet – als „schönste Weinsicht“ Frankens.
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Vom terroir f über Iphofen können Besucher fast einen 180 Grad-Blick ins Maintal genießen. Das taten auch die fränkische Weinkönigin Christina Schneider und die anderen Ehrengäste als eine Stele als Andenken für die Auszeichnung „Schönste Weinsicht“ Frankens enthüllt wurde. Foto: Foto: Robert Wagner
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Der Blick schweift über die Weinstöcke am Julius-Echter-Berg, die Felder zwischen Iphofen und Rödelsee. Das idyllische Maintal öffnet sich vor den Augen – die Aussicht vom terroir f-Punkt am Schwanberg ist tatsächlich vor allem eines: sehr schön.

Kein Wunder also, dass die Aussichtsterrasse dieses Jahr zu Frankens „schönster Weinsicht“ gewählt wurde. Jetzt weihten die fränkische Weinkönigin Christina Schneider und die Iphöfer Weinprinzessin Marie-Luise Scheckenbach am „magischen Ort“ eine metallene Stele als Andenken an die Auszeichnung ein.

Die Weinkönigin erzählte, wie sie das erste Mal zum Aussichtspunkt kam – noch unsicher, was es mit diesem terroir f eigentlich auf sich hat. Wie sie dann die Magie des Ortes gespürt habe: „Ich war glücklich. Das ist Franken, das ist meine Heimat.“

Auch die anderen Gäste um den Iphöfer Bürgermeister Josef Mend, der stellvertretende Landrat Paul Streng und Artur Steinmann, Präsident des Fränkischen Weinbauverbands, gaben sich begeistert. Glücklich sei man über die Auszeichnung. Und natürlich sei sie verdient, so der allgemeine Tenor.

Harter Wettbewerb

Mit Projekten wie terroir f und Auszeichnungen wie „Schönste Weinsicht“ wolle man die Attraktivität der Region steigern, erklärt Frank Schulz vom Deutschen Weininstitut, das den Titel vergibt. Sowohl als Weinbaugebiet und als Ausflugsziel für Touristen. „Wir sind an solchen speziellen Orten interessiert, weil wir sie auch im internationalen Marketing brauchen“, erklärt Schulz. Es stehen also handfeste wirtschaftliche Interessen hinter der Auszeichnung.

Denn beim Verkauf von Wein geht es zwar vor allem, aber eben nicht nur um die Qualität des Rebensaftes. Das Image einer Region sei entscheidend. Ein positives Bild nach außen. „Der Wettbewerb im globalisierten Weinmarkt ist sehr hart“, sagt Frank Schulz. „Da muss man auch drumherum etwas bieten.“

Gerade an dieser Stelle sieht Artur Steinmann die mainfränkische Weinregion hervorragend aufgestellt. „Das ist der Unterschied zu anderen deutschen Weinregionen: Wir haben die Qualität der ganzen Region verbessert.“

Der Weg dahin sei lang und steinig gewesen. „Wir haben uns auch schon mal blutige Nasen geholt“, erzählt Herrmann Kolesch, Präsident der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau. Natürlich habe es in Mainfranken schon immer Tourismus gegeben. Aber als Kolesch 1994 mit einem Arbeitskreis begann, Pläne für die Zukunft der Weinbauregion zu schmieden, sei die Notwendigkeit für ein professionelles, eng verzahntes Marketing von Tourismus und Weinbau noch nicht überall klar gewesen.

„Wir mussten erst einmal die Hardware entwickeln“, stellt Steinmann fest. Verschönerung der Kulturlandschaft, Pflanzen von Bäumen, Aufbau von Vinotheken und anderer touristischer Angebote – der Unterbau musste stehen, bevor das Marketing beginnen konnte. Über zehn Jahre habe es gedauert, bis es so weit war.

Ein Getränk für jedermann

Mit dem Ergebnis ist Herrmann Kolesch sehr zufrieden. Für die nächsten Jahre erwartet er eine „fantastische Entwicklung“. Der Hauptgrund: „Mit der Generation der Babyboomer haben wir im Moment eine große Gruppe zahlungskräftiger Weingenießer.“

Doch auch im „Nachwuchsbereich“ sehe es gut aus. Wein sei wieder hipp, meint Kolesch. Immer häufiger sehe man junge Menschen mit einem Glas Wein statt Bier. „Durch die Globalisierung wurde der Weinmarkt demokratisiert“, sagte der Präsident der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau. Der Wein sei aus dem starren, von Konventionen geprägtem Kulturkreis herausgelöst worden. Heute sei Wein ein Getränk für jedermann.

Doch die unterfränkische Weinregion profitiere noch von etwas anderem: dem Trend zum Regionalen. „Das hilft auch hier vor Ort“, sagt Frank Schulz – sowohl den Winzern als auch dem Tourismus. Die Identifikation mit der Region und ihrem Wein nehme zu.

Ein Selbstläufer sei das aber nicht. Das positive Image der Region, es kann nur durch weitere Arbeit, durch neue Projekte wie terroir f erhalten und verbessert werden. Wenn das Ergebnis dann immer so schön ist, wie der Blick vom terroir f über Iphofen, kann man sich auf diese Entwicklung nur freuen.

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