KITZINGEN

Wasserversorger und Bauern in einem Boot

Die Bauern als Grundwasserverschmutzer auf der einen Seite, die Wasserversorger, die alles reparieren müssen, auf der anderen. Das wird gerne gepredigt, muss aber nicht stimmen.
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So läuft es in der Praxis: Der Kitzinger Landwirt Günter Schwab zeigt Gerd Düll vom Amt für Landwirtschaft und Roger Lindholz (von links) von den LKW, wie er im Umkreis des Wassergewinnungsgebiets in der Klinge Bodenproben nimmt. Die finanziert die LKW und hilft den Bauern damit, Düngemittel richtig zu dosieren und eine unnötige Belastung des Grundwassers zu vermeiden. Foto: ArchivFoto: Andreas knappe
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Die Bauern als Grundwasserverschmutzer auf der einen Seite, die Wasserversorger, die alles reparieren müssen, auf der anderen. Das wird gerne gepredigt, muss aber nicht stimmen. In Kitzingen läuft seit 30 Jahren eine intensive Zusammenarbeit zwischen den Licht-, Kraft- und Wasserwerken (LKW) als örtlicher Wasserversorger und Landwirten. Ziel: Grundwasserschutz.

Aus- und Weiterbildung der Landwirte ist der Auftrag des Verbands für landwirtschaftliche Fachbildung (VlF), der allein im Landkreis 1300 Mitglieder hat. Den Auftrag setzt der VlF auch bei seinen Jahreshauptversammlungen um, mit Betriebsbesichtigungen – diesmal bei den Licht-, Kraft- und Wasserwerken.

Vor den Regularien der Hauptversammlung stellte Roger Lindholz als technischer Leiter der LKW den Versorger mit seinen Aufgaben in den Bereichen Wasser, Strom und Gas vor. Interessant dabei das Thema Trinkwasser. Das holt die LKW aus elf Tiefbrunnen und verteilt es über vier Hochbehälter in der Stadt und den Stadtteilen. 1,4 Millionen Kubikmeter waren es 2015. In dem Jahr mit dem Hitzerekord in Kitzingen 50 000 Kubikmeter mehr als sonst.

Wie Lindholz sagte, lebe Kitzingen beim Trinkwasser in einer „Komfortzone“. Es gebe keine Probleme mit der Fördermenge. Selbst im heißen Sommer gingen die Grundwasserspiegel kaum spürbar zurück. Auch die Qualität stimmt beim „am besten überwachten Lebensmittel“. „Alle Werte werden offengelegt, jeder kann sie einsehen“, sagte Lindholz. Bei allen Werten liegt das Mischwasser unter den Grenzwerten, auch bei Nitrat, das bei Wasserversorgern immer ein Thema ist.

Hier kommen die Bauern ins Spiel. Es ist 30 Jahre her, dass in Kitzingen die Diskussion um hohe Nitratwerte geführt wurde. „Wir haben uns mit den Landwirten zusammengesetzt und eine Lösung gefunden“, sagte Lindholz. Rund um das wichtige Fördergebiet im Waldgebiet Klinge mit sechs Tiefbrunnen, wurden Flächen aufgekauft und stillgelegt. Dazu hat die LKW den Bauern Bodenproben finanziert, an deren Ergebnis sie ihren Düngereinsatz anpassen konnten und auch heute noch können.

„Der Erfolg gibt uns recht“, sagte Lindholz, die Nitratwerte gingen zurück. Auch wenn wegen der geologischen Begebenheiten Nitrat im Grundwasser ein Thema bleiben wird. Eine weitere Verringerung hält auch VlF-Geschäftsführer Gerd Düll kaum für möglich: „Einen gewissen Nitrateintrag wird es immer geben.“ Der Theorie folgte die Praxis mit einem Besuch des Hochbehälters auf dem Eselsberg.

Danach war Zeit für die Regularien. Der Vorsitzende Klaus Niedermeyer ging dabei auf die aktuellen Probleme ein und sprach in seiner Bilanz von einem „schlechten Jahr für die Tierhalter“. Der Niedergang des Milchpreises sei dabei nur ein Problem. Auch die Getreideerzeuger kämpfen mit niedrigen Preisen und über der Zukunft der Zuckerrübenbauern hänge ein großes Fragenzeigen. Eine neue Düngerverordnung und das mögliche Ende der Direktzahlungen von EU-Mitteln sind Themen, die die Bauern beschäftigen. Der Appell Niedermeyers: „Nehmen Sie die Angebote des VlF an und bilden Sie sich weiter.“

Neben sorgenvollen Gesichtern gab es auch entspannte: Walter Düll (Hellmitzheim) und Hildegard Schlegel (Gnötzheim) wurden zu Ehrenvorsitzenden ernannt „in Anerkennung ihrer besonderen Verdienste um den Verband der landwirtschaftlichen Fachbildung“.

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