Kitzingen

Wasser

Für Landwirte, Förster und Winzer wird es in Zukunft kein wichtigeres Thema geben.
Artikel drucken Artikel einbetten
Winzer, Landwirte, Gemüse-  und Obstbauern: Sie alle hängen am Tropf des Wassers.  Foto: LWG
Wasserknappheit in Mainfranken. Worauf sich Landwirte, Winzer und Förster einstellen müssen. Foto: LWG

Landkreis Kt

Der Sommer 2018 ist allen noch in bester Erinnerung. Heiß war er – und sehr trocken. Die Niederschlagsmenge lag rund 140 Millimeter unter dem langjährigen Mittel. Die Hoffnungen der Landwirte und der Förster richtete sich auf den Winter. Da würde sich schon wieder genug Grundwasser bilden. Waren die Hoffnungen berechtigt?

Die Landwirtschaft:

„Die Situation ist angespannt“, sagt Daniel Brohm vom Amt für Landwirtschaft in Kitzingen. Der Start ins Jahr 2019 war nicht optimal. Mickrige neun Millimeter (entspricht Liter pro Quadratmeter) hat es im Januar geregnet, im Februar sah es nicht besser aus. Der Start ins Jahr 2018 sah vergleichsweise rosig aus. Bis Juni waren die Bodenvorräte einigermaßen gut gefüllt. Dann kam die Trockenheit – und mit ihr eine höhere Verdunstung. „In den letzten zehn Jahren ist die durchschnittliche Temperatur um mehr als einen Grad gestiegen“, erklärt Brohm. Statt durchschnittlich 1700 Sonnenstunden gab es letztes Jahr 2050. „Die verbliebenen Wasserreserven werden so noch schneller aufgebraucht“, berichtet er. Die Folge: Ertragsausfälle für die Landwirte und damit steigende Preise für die Endverbraucher. „Im Gemüsebau wird man um eine Bewässerung nicht herum kommen“, betont Brohms Kollege Björn Schmitz. Teiche und Wasserbecken müssten als Wasserreservoire angelegt werden. Im Ackerbau sind neue Züchtungen gefragt, Getreidesorten, die mit den veränderten Bedingungen gut zurecht kommen. „Die Mutigen werden die Gewinner sein“, prognostiziert Schmitz.

Der Obstbau

ist bislang weniger betroffen, die Bäume wurzeln relativ tief in den Boden. Das Jahr 2018 lief sogar richtig gut. Beim Kernobst gab es hohe Erträge. Die Klimaforscher prophezeien allerdings kürzere Winter in Mainfranken. Und damit wird die Gefahr von Spätfrösten steigen.

Imker

ein Problem. Eigentlich brauchen die Bienenvölker längere Brutpausen. Der frühe Frühling kurbelt jedoch die Nachwuchsproduktion an. Und dann fehlt es vielerorts noch an Nahrung. „Damit steigt die Gefahr, dass einzelne Bienenvölker verhungern“, warnt Brohm.

Am Amt für Landwirtschaft rechnen die Experten stark mit einem Zuwachs von Schädlingen. In Jahren wie 2018 können Borkenkäfer beispielsweise drei Generationen ausbilden und den Bäumen über viele Monate hinweg zusetzen. Der Buchsbaumzünsler ist 2018 in manchen Gebieten massenhaft aufgetreten. „Und es werden Arten einwandern, die bislang in Mainfranken unbekannt waren“, prophezeit Schmitz. Die marmorierte Baumwanze hat 2018 schon Schäden an Obstbäumen, aber auch an Tomaten oder Auberginen hinterlassen.

Wie die Landwirtschaft in Mainfranken im Jahr 2030 aussehen wird? Behördenleiter Gerd Düll spricht von einer schwierigen Prognose. Die Landwirte könnten mit ihren einjährigen Kulturen ein Stück weit flexibler reagieren als ihre Kollegen. Ohne Bewässerungsmöglichkeiten dürften es die Obstbauer und die Produzenten von Sonderkulturen in der Region schwer haben. „Zumal die durchschnittliche Temperatur durchaus um zwei Grad und mehr steigen kann.“

Die Forstwirtschaft:

Klaus Behr ist besorgt. Und das ist eine Untertreibung. An Weihnachten hat er noch an ein Geschenk des Himmels geglaubt. 102 Liter hatte es im Dezember an der Messstation in Schwarzenau geregnet. 86 Liter in Iphofen. Fast doppelt so viel wie im langjährigen Mittel. Der Januar und der Februar brachten die Ernüchterung. Nur neun Liter hat es in Iphofen geregnet – beide Monate zusammen genommen. In Schwarzenau waren es 45 Liter. „Der südliche Landkreis hat es schwerer als der nördliche“, fasst der Amtsleiter Forsten in Kitzingen eine Erkenntnis zusammen. Die veränderten Werte der letzten Jahre bezeichnet er als „dramatisch für die Natur.“ Die Jahresdurchschnittstemperatur lag in Iphofen 2018 bei 12,1 Grad Celsius. Fast drei Grad mehr als im langjährigen Durchschnitt. „Die Jahre 2015 und 2018 haben das Ökosystem bis ins Mark beeinträchtigt“, sagt Behr. Vor allem die Nadelbäume leiden. Aber nicht nur sie. Borkenkäfer, Trockenschäden, Pilze, Mistelbefall, neuartige Krankheiten: All das macht dem Wald zu schaffen. Mit einer Mischung aus wärmeliebenden Baumarten wie Eiche, Hainbuche, Feldahorn und den Lindenarten sowie Arten, die bislang noch nicht auf der Fränkischen Platte vertreten sind, wie Esskastanie, Baumhasel oder Roteiche, versuchen die Förster dem Klimawandel zu begegnen. Aber eines ist Klaus Behr klar: Den Wettlauf mit der Zeit kann nur der Mensch gewinnen. „Wir müssen die CO2-Anteile in der Luft senken“, fordert er. „Mit Anpassungsmaßnahmen alleine ist unser Wald nicht zu retten.“

Die Winzer:

Der Klimawandel geht nicht spurlos an den Winzern vorbei. Auch sie müssen sich auf die veränderten Gegebenheiten einstellen. Aber im Vergleich zu den meisten Landwirten geht es ihnen gut. „Alles im grünen Bereich“, meint der Bereichsleiter Forschungskoordination an der LWG in Veitshöchheim, Daniel Heßdörfer. Die Ausgangssituation nach dem Winterhalbjahr sei nicht unwichtig, entscheidender sei für die Reben allerdings die Wasserversorgung innerhalb der Vegetationsperiode. „Die Winterbodenwasservorräte sind eh nicht bis Juli, August zu retten“, sagt er. Wichtiger sei es, zukunftsfähige Bewässerungssysteme für die Sommermonate zu entwickeln. „Zumal sich die Verdunstungsrate enorm erhöht hat.“ In den Hitzeperioden werden die Reben also noch mehr unter Trockenstress leiden als bislang. Die Lösung: Wasserspeicher anlegen, um die Niederschlagsmengen des Winterhalbjahres im Sommer nutzen zu können. Am Thüngersheimer Scharlachberg ist so ein Speicher bereits angelegt, in Iphofen soll ein Pilotprojekt starten. Vom Main wird über rund sechs Kilometer lange Leitungsrohre Wasser für den Speicher abgezwackt. „Das ist billiger als andere Lösungen“, versichert Heßdörfer und betont: „Das Wasser darf natürlich nur in niederschlagsreichen Monaten entnommen werden.“

Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren