MÜNSTERSCHWARZACH

Was kaum jemand weiß: Frauen bereiteten den Mönchen ein Nest

Nur wenige wissen, dass die Benediktinerabtei zunächst ein Frauenkloster war. Erst im Jahr 877 zogen Mönche in das Kloster ein. Mit einem großen Festakt feiern die Brüder jetzt 1200 Jahre Klostergeschichte.
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Richtschnur der Mönche: Von Anfang an besaßen sie eine Regel Benedikts, aus der jeden Tag ein Abschnitt vorgelesen wurde. Foto: Elmar Hochholzer

Die Abtei Münsterschwarzach ist 1200 Jahre alt. Sie ist die einzige, noch heute bestehende Benediktinerabtei in Franken. Als geistliches Zentrum hat sie mehr als nur regionale Bedeutung.

Die wenigsten Besucher der imposanten Benediktinerabtei ahnen, dass ihre Ursprünge woanders lagen, und vor allem, dass Münsterschwarzach zunächst ein Frauenkloster war.

Es scheint manches verwirrend. Ein genaues Gründungsdatum fehlt, und ganz sicher ist das heutige Kloster älter als die 1200 Jahre, die heuer gefeiert werden. Und auch die erste urkundliche Erwähnung vom Jahr 816 bezieht sich nicht auf Münsterschwarzach selbst, sondern auf das etwa 30 Kilometer entfernte „Megingaudeshausen“ im südlichen Steigerwald, das untergegangen ist.

Aber der Reihe nach: Ganz am Anfang lebten Frauen an dem Ort, der „Suarzaha“ hieß. Es ist die Zeit Kaiser Karls des Großen. Er hatte von sechs Frauen mindestens 18 Kinder, nicht mitgezählt diejenigen seiner Mätressen. Aber in vierter Ehe heiratete er eine vornehme Dame aus dem rheinfränkischen Geschlecht der Mattonen namens Fastrada. Ihre Familie hatte um 762 in Münsterschwarzach ein Frauenkloster gestiftet. Bekannteste Äbtissin sollte Fastradas und Karls Tochter mit dem schönen Namen Theodrata werden.

Ihr Stiefbruder Ludwig der Fromme – der Beiname war Programm – steckte sie und alle anderen unverheirateten Töchter seines Vaters in Klöster. Für die lebensfrohe Prinzessin Theodrata eine Umstellung. Zeitgenossen rühmen ihre verführerische Schönheit, ihre Vorliebe für modischen Schmuck und ihre Aufsehen erregende Erscheinung in der Öffentlichkeit. Heute wäre sie ein gefundenes Fressen für die Klatschblätter, vielleicht mit der Schlagzeile: Kaiserliche Prinzessin wird Äbtissin.

Zuerst in einem Kloster bei Paris und ab 844 zusätzlich in Münsterschwarzach. Theodrata brachte Glanz und eine Rangerhöhung nach Mainfranken. Kein anderes Kloster östlich des Rheins hatte eine Kaisertochter als Äbtissin. Sie herrschte über circa zehn Mönchinnen, wie sie sich nannten. Aber das klösterliche Leben, das sie führten, war anscheinend anders als heutzutage.

Viele Klöster damals galten als Versorgungseinrichtungen für unverheiratete, edelblütige Damen. Ihnen war die Strenge der Regel Benedikts nicht zuzumuten. Die königliche Äbtissin und ihr kleiner Konvent pflegten einen angenehmen klösterlichen Lebensstil. Welche Ordensregel sie befolgten, ist unbekannt, doch hatten sie eine eigene Kirche und einen Kleriker, der sie geistlich betreute. Die Königstochter selbst betrachtete das Kloster am Main als ihr frei verfügbares Eigentum. Noch vor ihrem Tod, wahrscheinlich im Jahr 848, bestimmte sie ihre Nachfolgerinnen. Und sie unterstellte ihr Kloster dem Schutz der Würzburger Bischöfe, was im Nachhinein nicht die schlechteste Entscheidung war.

Die letzte Äbtissin in Münsterschwarzach war wiederum von königlichem Geblüt: Berta, die Großnichte Theodratas und Tochter Kaiser Ludwigs des Deutschen. Nach Bertas Tod 877 endete die knapp 100-jährige Frühgeschichte Münsterschwarzachs. Das Frauenkloster ging den weiblichen Mitgliedern der fränkischen Hocharistokratie verloren. Doch sie hatten ein erstes, geistliches, dazu noch weibliches Fundament in Münsterschwarzach gelegt.

Etwa zur gleichen Zeit, als Prinzessin Theodrata in Münsterschwarzach als Äbtissin amtierte, lebte nicht weit entfernt eine Schar von Mönchen in dem heute untergegangenen Ort Megingaudeshausen. Im Jahr 816 hatte Graf Megingaud dieses Benediktinerkloster, das seinen Namen trug, bei Ullstadt im südlichen Steigerwald gegründet. Die dortigen Mönche zogen aber nach 877 nach Münsterschwarzach, wo sie das ehemalige Frauenkloster übernahmen, und setzten sich sozusagen in ein gemachtes Nest.

Diese Übersiedelung war nur konsequent: Wie das Frauenkloster in Schwarzach war auch das Männerkloster Megingaudeshausen eine Stiftung der gräflichen Sippe der Mattonen. Mit dem Einzug der Mönche blieben Münsterschwarzach und der dazu gehörende Besitz weiterhin in der Familie. Für die Mönche gewiss ein Vorteil: Sie übernahmen ein fertiges Kloster mit Besitz, mit einer vorteilhaften Lage und Infrastruktur an einem großen Fluss. Es bot einfach bessere Entwicklungsmöglichkeiten als der eher karge Steigerwald. Damit beginnt im letzten Drittel des 9. Jahrhundert das eigentliche, bis heute andauernde Kapitel der Mönche von Münsterschwarzach. Sie lebten nach der strengen Regel des heiligen Benedikt.

Aber wenig wissen wir von der Frühzeit des Männerklosters. Das 10. Jahrhundert gehört zu den dunkelsten Epochen der europäischen Geschichte und hatte barbarische Zeiten zu überstehen. Die Ungarn zogen durch das Land und verwüsteten Klöster. Die Abtei Münsterschwarzach überlebte, doch man weiß nicht wie.

Ganz ermüdet sei damals der Schwarzachische Adler gewesen und ganz kraftlos sei er herabgefallen, heißt es in der Jubiläumspredigt anlässlich der 900-Jahr-Feiern in Anspielung auf den Vogel im Klosterwappen. Merkwürdigerweise beging man die Feierlichkeiten damals schon im Jahr 1715 statt 1716.

Der Festprediger wies auch auf die zwei gekreuzten Abtsstäbe im Wappen der Abtei hin; der eine steht für die Äbtissinnen, der andere für die nachfolgenden Äbte. Sie symbolisieren bis heute die ursprüngliche Verbindung zwischen dem Frauen- und dem späteren Männerkloster an der Schwarzach.

Festakt zum Jubiläum

Pontifikalamt und Festakt zum Jubiläum „1200 Jahre Abtei Münsterschwarzach“ ist am Sonntag, 4. September. Festrednerin ist Annette Schavan, Botschafterin der Bundesrepublik Deutschland beim Heiligen Stuhl. Dazu werden zahlreiche Ehrengäste aus Politik, Gesellschaft und Kirche erwartet. Die Veranstaltung wird auch ins Festzelt übertragen, so dass alle Gäste den Festakt live miterleben können.

Der Tag beginnt mit einem Pontifikalamt um 9.30 Uhr in der Abteikirche. Zelebrant und Prediger ist der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann. Um 11.15 Uhr findet der Festakt statt.

Um 12.45 Uhr sind alle Gäste zur Begegnung mit den Mönchen und Festgästen beim gemeinsamen Mittagessen im Festzelt eingeladen. Um 15.30 Uhr schließt der Tag mit einer Vesper in der Abteikirche.

Die Festrednerin Annette Schavan studierte katholische Theologie, Philosophie und Erziehungswissenschaft. Von 1995 bis 2005 war sie Ministerin für Kultus, Jugend und Sport in Baden-Württemberg sowie von 2005 bis 2013 Bundesministerin für Bildung und Forschung im Kabinett von Kanzlerin Angela Merkel. Seit 2014 ist sie Botschafterin der Bundesrepublik Deutschland beim Heiligen Stuhl in Rom.

Der Jubiläumsfeier voraus geht ab Freitag, 2. September, das Benediktinische Symposium mit dem Thema „Die Anderen – meine Zukunft!“. Für das Symposium gibt es noch wenige freie Plätze. Anmeldung und Infos: Tel. (09 32 4) 20 203. text: Sauter

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