Iphofen

Warum das Kirchenburgmuseum das Gasthaus braucht

Rund 2,7 Millionen Euro soll die Sanierung des Wirtshauses in Mönchsondheim kosten. Aber noch weiß Bürgermeister Josef Mend nicht, woher das Geld kommen soll.
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Kleine und große Besucher zum Mitmachen zu animieren, ist nicht nur beim jährlichen Kirchenburgfest in Mönchsondheim das Ziel der Museumspädagogik. Diese soll künftig im Umfeld des alten Gasthauses gebündelt werden. Foto: Hartmut Hess

Zwischen 15 000 und 20 000 Besucher kommen jedes Jahr ins Kirchenburgmuseum nach Mönchsondheim, und doch: Es waren schon mal mehr. Iphofens Bürgermeister Josef Mend glaubt einen Weg gefunden zu haben, wie sich die Frequenz wieder erhöhen lässt. „Wenn wir wollen, dass die Zahl wieder über 20 000 steigt, brauchen wir das Gasthaus“, sagte er am Montagabend im Iphöfer Stadtrat. Der Rat scheint das ähnlich zu sehen und hat der Sanierung des in die Jahre gekommenen Wirtshauses „Goldene Krone“ zugestimmt. Gleichzeitig hat das Gremium ein Konzept für den Neuaufbau der Museumspädagogik gebilligt. Die geschätzten Gesamtkosten des Projekts liegen bei 2,7 Millionen Euro. Aus welchen Quellen dieses Geld kommen soll – die Stadt kämpft derzeit mit Steuerrückgängen –, blieb zunächst offen.

Der Charme der Zeit soll erhalten bleiben 

Mend machte zu Beginn in der Sitzung noch einmal deutlich: Für das Museum und die Dorfgemeinschaft sei das Gasthaus unabdingbar. Architekt Tobias Ruppert vom Würzburger Büro Archicult stellte dem Gremium die Pläne vor, die er in der Vorwoche schon auf der Bürgerversammlung in Mönchsondheim präsentiert hatte: ein schlüssiges Konzept mit zum Teil neuen Gasträumen und Platz für etwa 60 Besucher im Erdgeschoss, einer denkmalgerechten Sanierung des Obergeschosses und einer möglichen Wohnung im Dachgeschoss. Der Charme des im Jahr 1832 errichteten und 1871 zur Dorfschänke umgebauten Anwesens solle erhalten bleiben, der Eingriff „so minimal wie möglich“ sein.

Während die Sanierung des Gasthauses im Stadtrat unumstritten war, gab es am Konzept der Museumspädagogik vereinzelt Kritik. Für diese relativ neue Disziplin sollen die maroden Nebengebäude der Gaststätte abgerissen und neu aufgebaut werden. In den entstehenden zwei Gruppenräumen und dem überdachten Außenbereich soll Besuchern interaktiv vermittelt werden, wie einst Butter gemacht, Brot gebacken oder Wäsche gewaschen wurde. Fast eine Million Euro soll das kosten. Dritter Bürgermeister Jörg Schanow wollte wissen, wie viele Gruppen denn im Jahr kämen, die ein solches Angebot nutzten. Da musste der Bürgermeister mangels belastbarer Zahlen erst einmal telefonisch rückfragen bei Museumsdirektor Reinhard Hüßner. Dessen Auskunft: 200 Gruppen jährlich, in Spitzenzeiten bis zu 300.

Für manche gehört die Pädagogik ins Museum

Das Angebot richte sich nicht nur an Kinder, sondern auch an Erwachsene, sagte Stadtrat Gerhard Heubach, selbst einer von 180 Mönchsondheimern. Aber vieles gleiche derzeit einem „Provisorium“, die einzelnen Stationen seien auf verschiedene Ecken des Dorfes verteilt. Mend: „Das Thema gibt es seit zehn Jahren und wird auch von der Regierung gefördert. Wir hatten nie ausreichend Räume für Museumspädagogik.“ Für Rupert Maier war dies kein Argument. „Die Pädagogik gehört ins Museum“, stellte er fest. Die Stadt sei angetreten, um Mönchsondheim wieder zu einem Gasthaus zu verhelfen. Museumspädagogik sei nicht ihre Aufgabe. Als einziger im Rat stimmte Maier gegen die Pläne.

Was bleibt, ist die Frage der Finanzierung. Architekt Ruppert gab die Kosten mit 2,7 Millionen Euro an, rund eine Million Euro davon für die Museumspädagogik. Für Mend muss das Projekt nicht zwingend aus dem städtischen Haushalt finanziert werden, es gebe auch „andere Wege“. Auf Basis des „Grobkonzepts“, das der Stadtrat verabschiedet hat, möchte der Bürgermeister nun über staatliche Zuschüsse verhandeln, damit es „zügig“ weitergehe und die Arbeiten im Frühjahr 2020 beginnen könnten. „Die Museumsgaststätte“, sagte Mend, „ist für Mönchsondheim wichtiger als die Umweltstation auf dem Schwanberg.“ Aus diesem Projekt hatte sich Iphofen kürzlich mit Verweis auf dringendere Vorhaben und unter zum Teil heftiger Kritik der Landrätin Tamara Bischof sowie der Nachbargemeinde Rödelsee zurückgezogen.

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