Dettelbach
Fest

Wallfahrtskirche in Dettelbach feiert 400-jähriges Jubiläum

Die Wallfahrtskirche in Dettelbach ist bald 400 Jahre alt. Die Motivation der Besucher so modern wie eh und je. Am 15. September wird das Jubiläum groß gefeiert.
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Pater Richard zündet eine Kerze an. Die Wallfahrtskirche Maria im Sand liegt ihm sehr am Herzen. Foto: Dieter
Pater Richard zündet eine Kerze an. Die Wallfahrtskirche Maria im Sand liegt ihm sehr am Herzen. Foto: Dieter
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Wenn Pater Richard ins Schwärmen gerät, dann ist er kaum mehr zu bremsen. Und wenn Pater Richard in "seiner" Dettelbacher Wallfahrtskirche steht, dann gerät er schnell ins Schwärmen. 400 Jahre alt wird die Kirche am 8. September. Das große Fest mit hohem Besuch steigt eine Woche später.

Weiße Haare, grauer Bart, braune Kutte: Pater Richard Heßdörfer sieht wie der Prototyp eines Ordensmannes aus. Zusammen mit seinen Ordensbrüdern lebt er im Dettelbacher Kloster, gleich neben der Wallfahrtskirche. Wenn Pater Richard an die Zukunft denkt, ist es mit der Schwärmerei allerdings vorbei.

Nachwuchsmangel gibt es nicht nur bei Vereinen und Chören. Auch die Orden haben es nicht leicht, junge Priester zu gewinnen. 40 Franziskanerklöster gibt es derzeit in Deutschland. 20 werden wohl in den nächsten 20 Jahren schließen müssen.
Natürlich hofft Pater Richard, dass Dettelbach auch in vielen Jahrzehnten noch ein lebendiger Wallfahrtsort ist. "Aber in die Zukunft kann ich natürlich auch nicht blicken."

Voller Leben ist die Kirche "Maria im Sand" vor allem an den Wochenenden in den Sommermonaten. Wenn der Guardian der Kirche seinen Terminkalender herausholt, sind die Samstage und Sonntage mehr als ausgefüllt. Kein Wunder: Die Menschen aus rund 70 Dörfern - von Amorbach und Miltenberg über Bad Orb und Bad Kissingen bis nach Höchstadt und Herzogenaurauch - machen sich Jahr für Jahr auf zur Wallfahrt nach Dettelbach.
Von 1608 bis 1613 ist die Kirche gebaut worden. Das Kloster wurde wenig später, zwischen 1616 und 1620, gebaut.

Julius Echter hat die Bauten in Auftrag gegeben. Die ersten Franziskaner sind 1616 eingezogen. Mindestens 24 sollten zur gleichen Zeit in Dettelbach leben und wirken. Im 18. Jahrhundert war das kein Problem. Da stieg die Zahl sogar auf über 40 an. Im Dachgeschoss mussten sogar ein paar Notzellen für Brüder aus Frankreich eingerichtet werden. "70000 bis 80000 Kommunionen pro Jahr mussten die Patres damals durchführen", erzählt der Pater. Dazu noch die Beichte. "Meine Mitbrüder haben damals schwer zu tun gehabt", sagt der 65-Jährige und lächelt.

Lange ist das her. Heute leben in den Klostermauern noch fünf Patres und zwei Brüder. Der älteste ist 78, der jüngste 58. Zu tun gibt es auch für sie mehr als genug. Die Pfarreien wollen seelsorgerisch betreut werden. Und im Sommer ist die Wallfahrtskirche Anlaufpunkt für tausende Wallfahrer.

Pater Richard: "Hier geschieht emotional ganz viel. Das Leben wird ein Stückchen klarer."

Was den Reiz einer Wallfahrt ausmacht? Pater Richard hat die Antwort in vielen Gesprächen gefunden. "Jeder hat ein Kreuz zu tragen", sagt er. Manche Sorgen lassen sich in der Dettelbacher Wallfahrtskirche abladen - sei es im Gespräch mit dem Guardian oder mit Gott. "Es gibt Wallfahrer, die weinend aus der Kirche ausziehen", berichtet er. Vorher umrunden sie drei Mal den Altar, um die Nähe zu Gott zu festigen. "Hier geschieht emotional ganz viel. Das Leben wird ein Stückchen klarer."

Die zweite große Motivation lautet Danksagung. Und nicht zuletzt kommen ganze Dorfgemeinschaften, weil es die Vorfahren so versprochen haben. Der Bürgermeister von Miltenberg etwa hat das Wallfahrtsversprechen erst vor ein paar Jahren erneuert. Seit 1631 laufen die Miltenberger Jahr für Jahr rund 80 Kilometer mitsamt Blaskapelle nach Dettelbach und wieder zurück. Der Anlass für die erste Wallfahrt: eine verheerende Pest.
400 Jahre hat das Bauwerk überstanden. Aber die Zeit ist nicht spurlos an der Kirche vorbeigegangen. Wenn Bischof Friedhelm am 15. September zu den Feierlichkeiten erwartet wird, ist das Portal immer noch eingerüstet.

Die Schäden an der Fassade und am Giebel waren größer als gedacht. Pater Richard hofft, dass die Arbeiten bis Ende des Jahres abgeschlossen sein werden. Eigentlich könnten sie dann im Inneren nahtlos weitergehen. Die zentnerweise Kerzen, die über die Jahrzehnte im Kircheninneren angezündet wurden, haben ihre Rußspuren hinterlassen. Pater Richard ist aber Realist genug, um keine Wunder zu erwarten.

Erst vor ein paar Jahren ist die Pfarrkirche im Ort für zwei Millionen Euro renoviert worden. So schnell wird wohl kein Geld für neuerliche Arbeiten fließen. Dabei könnte bei Renovierungsarbeiten eine sehenswerte Überraschung ans Tageslicht kommen. Domkapitular Dr. Lenssen sei jedenfalls sicher, dass die ganze Decke der Kirche ausgemalt ist. "Das war zu Echters Zeiten eigentlich immer so", sagt Pater Richard, der in der Wallfahrtskirche aus dem Erzählen kaum mehr herauskommt. Über Gott und die Welt philosophiert der Pater, weiß zu jedem Kunstwerk eine Anekdote. Die Wallfahrtskirche zu Dettelbach ist ihm ans Herz gewachsen. Die Freude über deren Geschichte möchte er gerne teilen. Am 15. September besteht dazu eine gute Gelegenheit. Einen Besuch ist das Gotteshaus aber immer wert.

Die Feierlichkeiten

Am 8. September 1613 wurde die Wallfahrtskirche Dettelbach geweiht. Am 15. September 2013 wird dieses 400-jährige Kirchweihfest mit Bischof Friedhelm Hoffmann gefeiert. Um 10 Uhr wird er an der Pfarrkirche begrüßt und im Festzug zur Wallfahrtskirche geleitet. Nach dem Festgottesdienst um 10.45 Uhr geht das Weihefest über in ein frohes Pfarrfest im Klosterhof.
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