LANDKREIS KITZINGEN

Vor dem Mähen die Kitze retten

Für das Rehwild hat gerade eine gefährlichen Zeit begonnen. Die Ricke bringt im Mai ihr Kitz zur Welt und das oft im hohen Gras, was tödlich für die Kleinen enden kann.
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Während die Jägerin Ruth Haupt mit Langhaarhündin Cira bei der Kitzsuche und Rettung auf einer Wiese am Breitbach bei Willanzheim unterwegs ist, hat Theresa Mittenzwei aus Hüttenheim mit ihrem Vater Otto ein Jungtier im hohen Gras gefunden. Damit die Rehmutter ihr „Kind“ auch wieder annimmt und nicht verstößt, wird das Kitz nicht mit bloßen Händen angefasst sondern auf Gras transportiert. Dann wird es an eine Stelle gebracht, an der es vor dem Mähmesser sicher ist und von der Mutter auch wieder gefunden wird.FOTO: Otto Mittenzwei Foto: Siegfried Sebelka

Für das Rehwild hat gerade eine gefährlichen Zeit begonnen. Die Ricke oder Geiß genannte Rehmutter bringt im Mai ein oder mehrere Kitze zur Welt. Das kann im hohen Gras tödlich enden. Deshalb sind derzeit viele Jäger in Sachen Kitzrettung unterwegs.

Zum Schutz vor Fressfeinden wie dem Fuchs setzt die Geiß die Kitze meist in guter Deckung auf Wiesen oder Klee-Äckern, heißt es in einer Mitteilung aus Willanzheim, wo sich die Jäger Ruth Haupt und Otto Mittenzwei sich des Themas angenommen haben. Das Problem: Gerade zur Setzzeit des Rehwildes bringen die Landwirte ihren ersten Schnitt Grüngut ein. Da dies mit immer breiteren und schnelleren Maschinen geschehe, habe der Fahrer oft keine Chance, die kleinen Geschöpfe im Gras zu sehen. Also müssen die Kitze vor der Mahd gerettet werden.

Ruth Haupt und ihre Jagdkollegen setzen dabei laut Pressemitteilung auf die Mithilfe der Landwirte. Mittlerweile offensichtlich mit Erfolg: die Landwirte melden den Jägern ein bis zwei Tage vorher, wann sie mähen wollen. Einen Tag vorher machen sich die Jäger auf und suchen die Wiesen nach möglichem Jungwild ab. Anschließend werden Vergrämungsmittel eingesetzt. Dies sind zum Beispiel Plastiktüten auf Stangen, durch die Rehe entweder vertrieben oder ferngehalten werden sollen.

Entscheidend sei das Timing: Erfolge die Kitzrettung zu früh, sei die Wirkung bis zur Mahd verpufft, erfolge sie zu spät oder gar nicht, sei es um die Kleinen geschehen.

Damit das nicht geschehe, müssten Landwirt und Jäger an einem Strang ziehen. In der Mitteilung fehlt auch der Hinweis nicht, dass Landwirte, die auf die Meldung an die Jäger verzichten, eine Strafanzeige riskieren. Der Gesetzgeber sehe Strafen vor, wenn Wirbeltiere ohne ersichtlichen Grund getötet werden oder ihnen unnötige Qualen zugefügt werden. Aber auch die Jäger seien in der Pflicht: Nach Paragraf eins des Bundesjagdgesetzes seien sie zur Hege verpflichtet und damit angehalten, Maßnahmen gegen den grausamen Kitztod bei der Gras- und Kleeernte zu ergreifen.

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