Kitzingen
Kanalisation

Von wegen Schicht im Kitzinger Schacht

145 Kilometer misst das Kitzinger Kanalnetz. Eine lange Strecke, die zum größten Teil unerforscht ist. Jetzt soll Geld fließen, um die Schäden in Augenschein zu nehmen und eine Strategie für die systematische Verbesserung zu entwickeln.
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Scherben lösen sich und blockieren die Abflussrinne. Foto: Stadt
Scherben lösen sich und blockieren die Abflussrinne. Foto: Stadt
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Seit 20 Jahren wird das Thema im Stadtrat diskutiert. Seit 20 Jahren sind die Kanalsanierungen so etwas wie ein regelmäßiger Streichposten. Geflickt und ausgebessert wird zwar jedes Mal, wenn es gar nicht mehr anders geht. Aber eine langfristige Strategie fehlte bislang. Jetzt stehen die Zeichen auf Besserung: Bis ins Jahr 2016 sind jährlich 500 000 Euro in den Haushalt für Kanalsanierungen eingestellt.

Geld, über das sich der Leiter des Tiefbauamtes, Dieter Richter, freuen wird. Richter ist leidgeprüft, was das Thema Kanalsanierung angeht. Immer wieder hat er auf die Probleme im Kitzinger Untergrund hingewiesen, die von alleine nicht besser werden. 145 Kilometer lang ist das Kitzinger Kanalnetz, bis dato ist nur etwa ein Viertel des Netzes mit Hilfe von TV-Befahrungen auf Schäden untersucht worden. "Wenn es prekär wird, dann haben wir immer reagiert", sagt Richter.
"Aber uns fehlte bislang ein systematisches Vorgehen."
Wie notwendig das ist, zeigen die Bilder der TV-Befahrungen: Risse im Beton, Löcher, in die Fremdwasser eindringen kann, Scherben, die sich am Boden des Kanals ansammeln. Mehr als die Hälfte der 7,2 Kilometer langen Hauptkanäle in der Kitzinger Innenstadt sind umgehend oder kurzfristig sanierungsbedürftig.

Der Kanalkämpfer Pauluhn

Jens Pauluhn (ödp) ist im Kitzinger Stadtrat ein einsamer Kämpfer für die Kanalsanierungen. Jahr für Jahr erinnert er in den Haushaltsberatungen an die unterirdischen Probleme. Jahr für Jahr staunt er, dass die beantragten Summen gestrichen oder verschoben werden. "Bisher wurden nur rund 25 Prozent unseres Kanalnetzes ordnungsgemäß untersucht", erinnert er. Die Lasten für die ordnungsgemäße Funktionsfähigkeit des Kanalnetzes wurden von Stadtrat zu Stadtrat geschoben. "Das geht bestimmt schon seit vier Legislaturperioden so", sagt Pauluhn. Dabei wären rechtzeitige und zielgerichtete Sanierungsmaßnahmen hilfreich. "Sie würden der Stadt und dem Gebührenzahler dauerhaft Geld sparen", sagt Pauluhn.

Die Methoden der Kanalsanierung haben sich in den letzten Jahren ständig verfeinert. Mit dem so genannten Inliner-Verfahren können Kanäle von Schacht zu Schacht - und damit auf einer Länge von rund 50 Metern - repariert werden. Ein mit Harz beschichteter "Strumpf" wird per Wasserdruck durch den Kanalabschnitt gepresst, schmiegt sich an die Wände an und wirkt nach der Aushärtung wie eine zweite Schicht. Billig ist so ein aufwändiges Verfahren natürlich nicht. Die Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft geht von durchschnittlichen Kosten von rund 725 Euro je Meter aus - innerorts. Von Fall zu Fall kann eine Kanalsanierung aber auch teurer oder günstiger werden. "Rohrdurchmesser, Tiefe, Bodenverhältnisse, Grundwasser: Es gibt immer unterschiedliche Parameter zu beachten", sagt Richter.

Eine der letzten größeren Maßnahmen, die Auswechslung des Kanals in der Friedrich-Ebert-Straße, hat rund 650 Euro pro Meter gekostet. Einschließlich der neuen Kanalhausanschlüsse. Legt man diese Kosten zu Grunde, kommt man alleine in der Kitzinger Innenstadt auf einen Sanierungsbedarf von rund 1,2 Millionen Euro. der umgehend beziehungsweise kurzfristig zu erfolgen hat.

Geld, das in den nächsten Jahren tatsächlich fließen soll. Dieter Richter hat seinen Plan schon im Kopf: "Zuerst einmal ist die Altstadt dran", sagt er. Vorher sollte allerdings das gesamte Kanalnetz befahren werden und ein Ingenieurbüro die Ergebnisse auswerten. Danach könnten die Aufträge dann - je nach Priorität - vergeben werden.
Richter betont, dass sich in Sachen Gewässerschutz und Hydraulik in den letzten Jahren viel getan hat. "Vor allem in der Innenstadt, in der Siedlung oder in Hohenfeld sind viele Kilometer zusätzliche Kanäle verlegt worden", sagt er. "Es sind auch bestehende Kanäle neu verlegt oder geändert worden. Außerdem wurden 22 Regenüberläufe zu Regenüberlaufbecken umgebaut." Es hat sich also einiges getan im Kitzinger Untergrund. Zwischen 1992 und 2008 sind so rund 15 Millionen Euro verbaut worden, schätzt der Mann vom Bauamt. Was ihm aber fehlt, ist eine systematische Untersuchung des Kanalnetzes.

Zusammen mit Jens Pauluhn hofft er nun, dass die Summen für die Kanalsanierungen nicht doch wieder in allerletzter Sekunde gestrichen werden. Der Haushalt wird erst am 19. März verabschiedet. Bis dahin fließt noch viel Wasser die Kitzinger Kanäle hinunter.
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